Kunstminister Markus Blume und Laurent Hilaire © Bayerisches Staatsballett/Axel König StMWK
News

Tänzernews # 15

Ernennungen, Beförderungen und Abschiede

Beim Bayerischen Staatsballett hat Direktor Laurent Hilaire seinen Vertrag bis 2031 verlängert.

Remi Wörtmeyer, ehemaliger Erster Solist von Het Nationale Ballet in Amsterdam, wurde zum neuen Direktor des BalletMet in Columbus, Ohio ernannt. Die Kompanie zählt zu den größeren Ballettkompanien in den USA. Der Australier tanzte von 2010 bis 2022 bei Het und begann dort auch zu choreografieren. Er löst im Sommer 2024 den derzeitigen Direktor Edwaard Liang ab, der die Kompanie elf Jahre leitete und zur Spielzeit 2024/25 zum Washington Ballet wechselt.

Remi Wörtmeyer © Het Nationale Ballet/Angela Sterling

Nachfolger von Mavis Staines, der langjährigen Direktorin von Canada’s National Ballet School, wird Margaret Tracey. Die Amerikanerin aus Colorado studierte an der School of American Ballet und tanzte dann beim New York City Ballet, von 1991 an als Principal Dancer bis zum Ende ihrer Bühnenkarriere 2002. Danach arbeitete sie als Pädagogin und leitete von 2007 bis 2021 die Boston Ballet School, die unter ihrer Leitung zu einer Partnerschule des Prix de Lausanne wurde. Tracey übernimmt die Leitung der renommierten kanadischen Ballettakademie im Juni 2024. Währenddessen muss die National Ballet School womöglich Angebote für ihr Lehrerausbildungsprogramm zurückziehen, weil der Staat Kanada die Zahl der Studiengenehmigungen für ausländische Bewerber um bis zu 35% reduzieren wird, um den Druck auf den Wohnungsmarkt und das Gesundheitssystem zu verringern. Die Ballettakademie kann deshalb vorerst keine neuen internationalen Studiengenehmigungen mehr erteilen. Unter den ca. 25 Personen, die an dem pädagogischen Programm teilnehmen, sind normalerweise fünf bis sechs ausländische Ballettlehrer, die sich hier fortbilden wollen. Die Schule würde dadurch auch Einnahmen verlieren.

Ballettdirektor Manuel Legris wird nach der nächsten Spielzeit die Mailänder Scala verlassen, genau wie Opernintendant Dominique Meyer, mit dem Legris bereits in Wien zusammenarbeitete. Legris leitet das Corpo di Ballo del Teatro alla Scala seit 2020. Sein Weggang erfolgt unter dem Druck der italienischen Regierung, die die Führung bedeutender Kulturinstitutionen wieder mit Italienern besetzen möchte. Meyer, der genauso wie Legris gerne geblieben wäre, wird durch Fortunato Ortombina ersetzt, der vom Teatro La Fenice in Venedig nach Mailand kommt. Als Nachfolger von Legris ist Roberto Bolle im Gespräch, der mit seinen 49 Jahren zwar noch immer tanzt, sich aber irgendwann von der Bühne zurückziehen dürfte, und ebenfalls Eleonora Abbagnato, ehemalige Étolte-Tänzerin in Paris und derzeit Ballettdirektorin an der Oper von Rom.

Isaac Hernández © Prix Benois de la Danse

Isaac Hernández, der 2022 vom English National Ballet zum San Francisco Ballet wechselte, als seine Frau Tamara Rojo dort Direktorin wurde, verlässt die Kompanie, er will seinen Vertrag nicht verlängern. Der 34-jährige Mexikaner, der beim San Francisco Ballet begonnen hatte und dann über Het Nationale Ballett zum English National kam, wird eigene Projekte verfolgen. Sein jüngerer Bruder Esteban ist ebenfalls Principal Dancer in San Francisco und wird dort auch bleiben. Principal Dancer Angelo Greco wechselt mit der nächsten Spielzeit vom San Francisco Ballet zum Houston Ballet.

Beim National Ballet of Canada wurde Tirion Law nach ihrem Debüt als Kitri in „Don Quixote“ zur Ersten Solistin befördert. Die in Hongkong geborene Ballerina übersprang einen Rang und wurde direkt von einer Second Soloist zur Principal Dancer ernannt. Sie tanzt seit sechs Jahren bei der Kompanie. Harrison James, Erster Solist in Toronto, wird zukünftig in der gleichen Position auch beim San Francisco Ballet tanzen.

Beim Ballett der Opéra National de Paris hat sich Premier danseur Audric Bezard in den Ruhestand verabschiedet.

Preise und Auszeichnungen


Justin Peck
sammelte bei den diesjährigen Broadway-Preisen reihenweise Pokale: bei den Tony Awards für die besten Leistungen am New Yorker Broadway wurde der Resident Choreographer des New York City Ballet für die beste Choreografie im Musical „Illinoise“ ausgezeichnet. Nominiert waren ebenfalls Annie-B Parson für „Here Lies Love“, Camille A. Brown für „Hell’s Kitchen“, Rick Kuperman und Jeff Kuperman für „The Outsiders“ sowie Jesse Robb und Shana Carroll für „Water for Elephants“. Die Auszeichnung für das beste Musical ging an „The Outsiders“. Peck hatte seinen ersten Tony Award 2018 für die Tänze zum Musical-Revival „Carousel“ gewonnen. Für „Illinoise“ gewann er auch den Outer Critics Circle Award für Choreografie, gemeinsam mit Patricia Delgado wurde Peck mit dem Lucille Lortel Award für Choreografie ausgezeichnet, dieses Mal für die Off-Broadway-Show „Buena Vista Social Club“.

Bei den Chita Rivera Awards (ehemals Astaire Awards), die für exzellenten Tanz und Choreografie am Broadway verliehen werden, waren die Gewinner in diesem Jahr Camille A. Brown für das Broadway-Musical „Hell’s Kitchen“, gemeinsam mit Jesse Robb und Shana Carroll für das Broadway-Musical “Water for Elephants”, Antoine Boissereau als herausragender Tänzer in einer Broadway-Show für “Water for Elephants”, Tilly Evans-Krueger als herausragende Tänzerin für “The Outsiders”, das Ensemble von „Illinoise“, Jennifer White für die Choreografie zum Film „Barbie“ sowie David Petersen für die Regie der Dokumentation „Lift“. Der Preis für die Lebensleistung geht an an die Broadway-Diva Bernadette Peters.

Die britischen National Dance Awards für das Jahr 2023 waren stark von amerikanischen Beiträgen dominiert. Den De Valois Award für herausragende Leistungen gewann der ehemalige Royal-Ballet-Tänzer Iain Webb, der seit 2007  das Sarasota Ballet leitet, wo vor allem das Erbe von Frederick Ashton gepflegt wird.

Den Stef Stefanou Award als herausragende Kompanie gewann das Alvin Ailey American Dance Theater. Den Preis als beste klassische Tänzerin gewann Tiler Peck vom New York City Ballet, den Preis als bester klassischer Tänzer Brandon Lawrence, damals noch beim Birmingham Royal Ballet und heute in Zürich, für „Liebestod“ von Valery Panov. Fumi Kaneko vom Royal Ballet wurde als beste Tänzerin ausgezeichnet, Sae Maeda vom Royal Ballet als beste Nachwuchstänzerin. Den Dancing Times Award als bester Tänzer gewann William Bracewell, ebenfalls vom Royal Ballet. Für die besten Leistungen im modernen Tanz wurden Jemima Brown in “Surge” bei der Tom Dale Company sowie Paris Fitzpatrick als Romeo in Matthew Bournes „Romeo + Juliet“ ausgezeichnet. William Forsythe gewann mit  “The Barre Project” den Preis für die beste klassische Choreografie, Kyle Abraham mit “Are You in Your Feelings?“ für die beste moderne Choreografie. ZooNation: The Kate Prince Company wurde als beste mittelgroße Tanzkompanie ausgezeichnet, The McOnie Company als beste unabhängige Kompanie. Für die herausragende Idee und das ursprüngliche Konzept, das zum Ballett „Black Sabbath“ führte, wurde Carlos Acosta gewürdigt. Als bester Tanzfilm wurde „Sea of Troubles” des Yorke Dance Project ausgezeichnet, bester kurzer Tanzfilm wurde “Whoever you are” von Javier Frutos.

Beim Internationalen Wettbewerb für Choreografie in Hannover, der in diesem Jahr den Titel „Choreography 38″ trug, gab es folgende Sieger:

Den Tanja Liedtke Award Choreography Hannover, dotiert mit 25.000 Euro, gewann der Chinese Juezhi Tang mit „The Snail“

Den Ruth Schwieger Award Choreography Hannover, dotiert mit 5.000 Euro, gewann das Duo französisch-amerikanische Duo Brigel Gjoka & Rauf „Rubber Legz“ mit „Neighbours“

Den mit 1500 Euro dotierten Kritikerpreis gewannen Jordan Johnson & Aidan Canberry aus den USA mit „I T S“

Den mit 1000 Euro dotierten Publikumspreis gewann der Italiener Giovanni Insaudo mit „ I have seen that Face before“

Produktionspreise verschiedener deutscher und internationaler Ballettkompanien gingen an Rebecca Laufer & Mats van Rossum, Zoe Ashe Browne, Constantin Trommlitz, das Kampai Dance Collective, Giovanni Insaudo, Juezhi Tang und Johana Malédon. Gastspieleinladungen gingen an Rebecca Laufer & Mats van Rossum, Constantin Trommlitz und Thomas Martino .

Die Jury bestand aus Christian Blossfeld, Direktor des Staatsballetts Hannover, Goyo Montero, Ballettdirektor und Chefchoreograf des Nürnberg Ballett, Johannes Öhman, Direktor des Dansens Hus in Stockholm, Gregor Zöllig, künstlerischer Leiter Tanztheater & Chefchoreograf am Staatstheater Braunschweig, Adolphe Binder, Direktorin des Balletts am Theater Basel, Demis Volpi, Direktor des Balletts am Rhein, Roni Haver, Direktor von Club Guy & Roni sowie Christiane Winter, Festivalleiterin von Tanztheater International in Hannover. Die Kritikerjury bestand aus Andreas Berger von der Braunschweiger Zeitung, Sylvia Staude von der Frankfurter Rundschau, Henning Queren von der Neuen Presse Hannover, Kerstin Hergt von der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung sowie Dorion Weickmann von tanz.

Am 25. und 26. Juni findet in Moskau mit einer Gala im Bolschoi-Theater die Verleihung des Prix Benois 2024 statt. Die nominierten Choreografen sind:

Marco Goecke: “In the Dutch Mountains”, Nederlands Dans Theater

Yuri Possokhov: “Pique Dame”, Bolschoi-Theater Moskau

Jo Kanamori:  “Kaguyahime”, Tokyo Ballet

Maxim Sevagin: “Class Concert”, Stanislavsky-Ballett Moskau

Martin Chaix: “Giselle”, Opéra national du Rhin, Straßburg

Als Ballerinen wurden nominiert:

Prisca Zeisel als Giselle, Mikhailovsky-Ballett St, Petersburg

Nicoletta Manni als Medora in “Le Corsaire”, Teatro alla Scala Mailand

Tatiana Melnik als Flavia in “Spartacus”, Ungarisches Nationalballet Budapest

Olesya Novikova als Aspiccia in “La Fille du Pharaon”, Mariinsky-Ballett St. Petersburg

Akira Akiyama als Prinzessin Kaguya (Kaguyahime) in “Kaguyahime”, Tokyo Ballet

Ksenia Ryzhkova als Gerda in “Die Schneekönigin”, Stanislavsky-Ballett Moskau

Sun Huixin als Esmeralda in “Notre Dame de Paris”, Liaoning Ballett, China

Nominierte männliche Tänzer:

Gergő Ármin Balázsi als Leon in “Der Pygmalion-Effekt ”, Ungarisches Nationalballet Budapest

Artemy Belyakov als Iwan IV. in “Iwan der Schreckliche”, Bolschoi-Ballett Moskau

Vladislav Lantratov als Hermann in “Pique Dame”, Bolschoi-Ballett Moskau

Nicola del Freo als Prinz Djalma im Grand pas de deux “Il Papillon”, Teatro alla Scala Mailand

Nikita Tchetverikov als Spartacus, Mikhailovsky-Ballett St. Petersburg

Zhang Haidong als Quasimodo in “Notre Dame de Paris”, Liaoning Ballett, China

Die Jury bestand aus Svetlana Zakharova, der künstlerischen Direktorin des Prix Benoi und Primaballerina das Bolschoi-Balletts, aus dem in Hamburg geborenen Choreografen Patrick de Bana, aus dem Choreografen und Direktor des Mikhailovsky-Balletts Nacho Duato, aus der Primaballerina des Tokyo-Balletts Yukari Saito Fedorov, aus dem Choreografen und Direktoren des Ungarischen Nationalballetts Tamás Solymosi, dem ehemaligen Bolschoi-Solisten Andrei Uvarov, heute Pädagoge und Stellvertretender Direktor des Opernhauses in Sewastopol, sowie aus Qu Zijiao, Künstlerische Leiterin des Liaoning Ballet in China.


RIP

Der tschechische Tänzer, Choreograf und Schauspieler Vlastimil Harapes ist im 15. Mai im Alter von 77 Jahren in Prag gestorben. Er tanzte seit 1966 im Ensemble des Nationaltheaters und wurde zum Ersten Solisten befördert, von 1990 bis 2002 leitete er die Kompanie. In den 1970er-Jahren war er Harapes auch oft Gast an der Deutschen Oper in Düsseldorf. Bereits während seiner Karriere trat er auch in tschechischen Filmen auf. 2012 wurde der in seiner Heimat hochverehrte Harapes mit dem tschechischen Thalia-Theaterpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet. 2016 wurde er in die Ruhmeshalle des Prager Nationaltheaters aufgenommen.

Der italienische Tänzer und Tanzpädagoge Walter Venditti starb im Alter von 95 Jahren am 5. Juni in Mailand. Von 1950 bis 1975 war er Erster Solist am Teatro alla Scala und tanzte u.a. in zahlreichen Werken von George Balanchine, war Partner von Ballerinen wie Carla Fracci und Margot Fonteyn. Er unterrichtete damals bereits an der Schule des Theaters. Als er nach einer Verletzung seiner Karriere beendeten musste, gründete er 1976 in Mailand eine Schule, die ganze Generationen von Tänzern ausgebildet hat. Amateure und Profis übten dort gemeinsam in den Studios.

Mit Richard Sherman starb am 25. Mai im Alter von 95 Jahren der Komponist, der Mary Poppins und viele andere Filmfiguren zum Tanzen brachte. Gemeinsam mit seinem Bruder Robert B. Sherman hatte er die Musik zu zahllosen Musical- und Tanzfilmen geschrieben, auch für Zeichentrick- und Kinderfilme.