William Forsythe © Dominik Mentzos
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William Forsythe übergibt sein Archiv an das ZKM

Seit über 50 Jahren beeinflusst William Forsythe die Wahrnehmung der choreographischen Praxis durch seine visionären Konzepte und Produktionen. Der vielfach ausgezeichnete amerikanische Choreograf übergibt sein umfangreiches Archiv nun an das ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, das die audiovisuellen Medien und Dokumente langfristig erhalten und zugänglich machen wird.

William Forsythe (*1949, New York) ist seit über 50 Jahren als Choreograf tätig. Seine Werke sind dafür bekannt, die Praxis des Balletts aus der Identifikation mit dem klassischen Repertoire gelöst und zu
einer dynamischen Kunstform des 21. Jahrhunderts transformiert zu haben. Forsythes tiefgreifendes Interesse an organisatorischen Grundprinzipien der Choreographie hat ihn dazu geführt, ein breites Spektrum von Projekten in den Bereichen Installation, Film und internetbasierte Wissensentwicklung zu realisieren.
Das ZKM | Karlsruhe und das Werk William Forsythes verbindet eine interdisziplinäre und alle künstlerischen Formate umfassende experimentelle Praxis. So war die mit dem ZKM | Karlsruhe entwickelte CD-ROM »William Forsythe: Improvisation Technologies. A Tool for the Analytical Dance Eye« im Jahr 1999 wegweisend für die Erforschung und Weitergabe choreographischer Konzepte durch digitale Medien. Die Übergabe des Archivs von William Forsythe an das ZKM knüpft an diese gemeinsamen künstlerischen Kooperationen an und eröffnet eine neue langfristige Perspektive der wissenschaftlichen und künstlerischen Forschung.
Das Archiv umfasst William Forsythes gesamte Schaffenszeit seit den 1970er-Jahren: von der Zeit am Stuttgarter Ballett ab 1976, am Ballett Frankfurt (1984–2004) und The Forsythe Company (2005–2015) bis zur Gegenwart. Es enthält eine umfangreiche Sammlung archivarischer Videoaufnahmen von Proben, Vorstellungen und Installationen sowie Programmhefte, Poster, Kritiken, Fotos, Publikationen, Korrespondenzen, Auszeichnungen und weitere Unterlagen.  Langfristig werden auch William Forsythes persönliche Produktionsnotizen hinzukommen. Durch die Übergabe des Archivs an das ZKM und die Bereitstellung für die Öffentlichkeit ist es nun möglich, Forsythes revolutionäre Zusammenarbeit im Kollektiv zu erforschen und für zukünftige künstlerische Projekte nutzbar zu machen. Der langfristige Erhalt der wertvollen Videobestände des William Forsythe Archivs ist durch die ausgewiesene Expertise des ZKM im Bereich der audiovisuellen Medien sowie das ZKM | Labor für antiquierte Videosysteme gesichert.

William Forsythe:
„Meine künstlerische Beziehung zum ZKM reicht bereits weit zurück. Nun wird diese Beziehung noch weit in die Zukunft fortgesetzt. Das ZKM bot den Nährboden für eines der wichtigsten Projekte meiner Karriere, »Improvisation Technologies«, und mein Vertrauen und mein Respekt für meine Kooperationspartner*innen an dieser Institution wurden durch das nachhaltige Ergebnis ihrer Expertise bestätigt. Das Team engagierter Expertinnen im ZKM-Archiv setzt dieses Erbefachlicher Exzellenz fort und ist ein Garant für wirklich solide und auch neuartige Resultate der Archivierungspraxis.”

Peter Weibel, wissenschaftlich-künstlerischer Vorstand des ZKM:
„Durch das audiovisuelle Archiv von William Forsythe wird das ZKM als Zentrum der performativen Wende gestärkt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist die Kunst in die Wirklichkeit und in die Medien expandiert und hat dabei neue Handlungsfelder eröffnet. Forsythe ist ein Großmeister auf diesen  intermedialen Feldern. Sein Archiv ist ein Geschenk, nicht nur für das ZKM, sondern vor allem für die Künstler*innen des 21. Jahrhunderts.“

Das William Forsythe Archiv bereichert die Forschungsumgebung des ZKM | Archivs, das mit seinen ausgewählten Vor- und Nachlässen von Künstler*innen und Theoretiker*innen sowohl neue Erkenntnisse als auch die Vertiefung des Wissens der intermedialen Künste des 20. und 21. Jahrhunderts ermöglicht. Das Archiv von William Forsythe – mit seinen Dokumenten und einer großen Anzahl an Videoaufzeichnungen – ergänzt diese Forschungsumgebung, mit seinem Angebot an wissenschaftlichen und künstlerischen Ressourcen auf ideale Weise.