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Totgesagte leben länger

Warum der Tanz das geschriebene Wort braucht – und warum es gefährlich ist, das zu vergessen.

Es geistert durch die Flure der Tanzakademien, hängt wie Schweißgeruch in Theatergarderoben und wird in Kulturämtern mit der Selbstverständlichkeit einer unumstößlichen Wahrheit verkündet: „Die junge Generation liest keine Fachmedien mehr. Die holen sich alles aus dem Netz.“ Wer diesen Satz sagt, meint es vermutlich gut. Er glaubt, die Zeichen der Zeit zu deuten, digital zu denken, modern zu sein. Doch in Wirklichkeit betreibt er etwas Schlimmeres als Pessimismus: Er betreibt kollektive Selbstverkleinerung.

Ja, das Konsumverhalten hat sich dramatisch verändert. Der Griff zum gedruckten Heft am Kiosk ist bei der Generation TikTok seltener geworden – das ist eine Beobachtung, keine Analyse.

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