In festgefahrenen Situationen braucht es neue Ideen, die wieder Schwung bringen und eine Zukunftsperspektive aufweisen. Die Turniertanzszene hat das dringend nötig. Aber einen allgemeinen Konsens bei den zerstrittenen Weltverbänden für Neues zu finden, ist kaum möglich. Folglich müssen es Einzelpersonen mit einer Vision in die Hand nehmen, um ein Fortschreiten zu ermöglichen – oder zumindest zu erproben, wie so etwas erfolgreich praktiziert werden kann.
Heiko Kleibrink mit seiner Profiturnier-Serie, die für alle Weltverbände offen steht, hat es vorgemacht (wir berichten). Nun ist Dirk Bastert ein weiterer Innovator. Als deutscher Vertreter in der internationalen Tanzszene und der World Dance Organisation hat er innerhalb von zwei Jahren eine eigene Masters-Turnierserie aufgelegt, die regen internationalen Zuspruch erfährt.
Basterts Erkenntnis: „Wer etwas bewegt, kommt in Gruppen nicht so zu Wort. Man wartet, verfällt in Lethargie. Änderungen sind nicht mehr möglich. Aber Tanzen erfordert eine ständige Wandlung, da ist Dynamik drin. Man muss interessant bleiben, um Menschen zum Tanzen zu animieren.”

Foto: Thomas Kirchgraber
Das geht natürlich nur mit neuen Konzepten: mit Fusionsturnieren, die unabhängig von Verbänden organisiert sind. Basterts Ziel ist es, die Tanz-Community zusammenzuhalten und zusammenzuführen. Alle – ob Jüngere oder Ältere, Solotänzer oder Paare – sollen teilhaben. Auch die Pro-Am-Paare, also Profis, die mit einem Amateur tanzen, sind dabei. Dazu hat Dirk Bastert eine Plattform mit einem modernen Service- und Communitykonzept geschaffen. Mitglieder profitieren unter anderem von Workshops, Benefits und einer Rangliste.
Aber diese Masters-Serie ist eine Plattform nicht nur für Tänzer, sondern auch für Wertungsrichter. Wer dabei ist, kann die Stufe wählen, die ihm angemessen erscheint. Das erspart es, wie sonst üblich alle Wertungsrichter einzuladen, denn nun sind bereits einige automatisch dabei. Eingeladen wird nur international für die hohen Klassen und für Welt- und Europameisterschaften. Im nationalen Bereich hingegen wird die Mitgliedschaft geprüft. Und etliche, die in den bestehenden Tanzverbänden aufgrund von Formalitäten womöglich durchfallen, können bei dieser Masters-Serie mitmachen. Wer die aktive Tanzkarriere früh beendet hat, bekommt sonst kaum eine Chance auf einen Einsatz.
Dirk Bastert hat einen anderen Blickwinkel: „Auch Trainer und Studioinhaber ohne große internationale Titel sind immens wichtig für den Organismus Tanzen und seine Veranstaltungen. Gerade diese Personen sollen ebenfalls die Möglichkeit bekommen zu werten sowie sich und ihre Schulen zu präsentieren. Das stärkt langfristig die Studios, fördert den Nachwuchs und bringt gleichzeitig mehr Teilnehmer zu den Events – eine Win-win-Situation.”
Der Mix ist interessant. Dirk Bastert bindet Trainer und Juroren ein. Das ist auch eine Werbung für Schule oder Studio. Wenn sie präsent sind, kommen sie wieder und bringen immer mehr Tänzernachwuchs. Bei Weltmeisterschaften – etwa von Kindern unter 8, 10 und 12 Jahren wie jüngst in München beim „Lion” – ist es weniger Sache des Verbands, für einen optimalen Rahmen zu sorgen, als die der Organisatoren. Dirk Bastert: „Das ist für uns wichtig, denn Organisatoren haben mehr Interesse. Die tun alles, damit sich die Tänzer gut betreut fühlen und Wertschätzung erhalten.”
Und selbst wenn Kinder unter vier Jahren aufs Parkett kommen – für Dirk Bastert geht es um Größeres: „Selbst bei Kindern unter vier Jahren macht es Sinn, auf die Fläche zu gehen. Technisch hat das noch nicht viel mit Cha-Cha oder Walzer zu tun, aber es schafft Freude bei Kindern und Eltern. Gleichzeitig gewinnen die Kinder früh Selbstbewusstsein und verlieren die Scheu vor der Öffentlichkeit.”
Wichtig ist in dieser Masters-Serie die Flexibilität. Dirk Bastert nimmt auch mal nur drei Tänze statt fünf ins Programm auf, wenn gewünscht, oder auch nur einen einzigen Tanz. Und er merkt, dass das positiv ankommt. „Es braucht sowohl national als auch international mehr Beweglichkeit in den Strukturen.”
Dirk Basterts Blick auf die Zukunft: „Ich bin sehr lange dabei und will die Werte festhalten. Ich halte fest an der Tradition, bin aber für Evolution statt Revolution. Evolution natürlich nicht nach Naturgesetzen in Jahrhunderten – das muss schon schneller gehen.” Eines möchte er aber auf keinen Fall: Er will nicht, wie es andere Verbände tun, die Leute gängeln und belehren. „Wir gehen von einer anderen Richtung aus: Wenn du auf Ideen hörst, die geäußert werden, dann bist du erfolgreicher.”
Von oben herab zu agieren ist keine Option, und Druckmittel sind kein richtiger Ansatz. Aber eine völlig freie Entscheidung hilft auch nicht. Dirk Bastert: „Es braucht etwas anderes. Worum geht es und wohin wollen wir kommen – das sind die Fragen. Dazu braucht es Dialog und mehr Beteiligung der Aktiven in der Szene: Tänzer, Trainer, Juroren und Organisatoren. Entscheidend ist ein Austausch auf Augenhöhe.”








