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„Den Vibrationen des Universums verbunden“

Buch: „Sasha Waltz & Guests“

Ein Band beinah von der Größe eines Folios, im Format 24,5 x 32 cm, 344 Seiten dick, so liegt er gewichtig in der Hand des Betrachters. Auf schwarzem Leinen ranken sich als Cover die golden gepixelten Hände von Sasha Waltz aus ihrer Produktion „rauschen“ von 2018/19 empor. Zwischen den Buchdeckeln findet sich alles, was man über die 1993 gemeinsam mit Jochen Sandig gegründete Kompanie Sasha Waltz & Guests wissen muss und möchte. Reisebericht und Rückblick nennen die Herausgeber Waltz und Sandig ihre Edition. Den Körper als Gelenk und Gedicht, Gesang und Gebet reflektiert der einleitende Beitrag. Was folgt, ist zunächst nicht die lapidar chronologische Reihung der vieldutzend Projekte aus mehr als 30 Arbeitsjahren. Vielmehr bebildern rund 200 Seiten jene 65 gelisteten Codes, choreografischen Figuren, die in Waltz’ Werk immer wieder auftauchen, von „Anfang“ bis zum Doppel „Yes/No“. In Relation gesetzt werden die Stückfotos zu Meilensteinen der Bildenden Kunst verschiedener Epochen, etruskischer Grabmalerei etwa oder Hieronymus Bosch, die zu jenen Codes angeregt haben oder haben könnten. Das verortet Sasha Waltz weit über den Tanz hinaus als so wache wie feinnervige Stimme im künstlerischen Diskurs unserer Zeit. Nach dieser eindringlichen Bilderflut auf mattiertem Papier, etliches doppelseitig, schließt sie sich dann doch noch an, die Chronologie, beginnend mit der Dialoge-Reihe, die Waltz’ Markenzeichen werden sollte, und dem emblematischen Tripel „Travelogue“ als auch witzigem Blick auf das Zusammenleben in Alltagsräumen und vorläufig endend mit Bachs „Johannes-Passion“ von 2024. 1996 Eröffnung der Sophiensæle als feste Spielstätte in Berlin, 1999 Umzug an die Schaubühne, dann 2006 als neuer Ort das Radialsystem – jeweils entstehen aktuelle Stücke, vom intimen Format bis zur zunehmend großen Form, in Kollaboration mit Theatern des In- und Auslands und zu Kompositionen von Klassik bis zu Auftragswerken. Und immer wieder weiht sie mit der Improvisationsstruktur „Dialoge“ neue Orte wie Museen ein. Sasha Waltz ist heute eine international ausgezeichnete Innovatorin des zeitgenössischen Tanzes als Spiegel gesellschaftlich brisanter Themen und mit weltweiten Gastspielen. Zusammen mit Legionen von Ensemblemitgliedern und künstlerischen Partnern aller Couleurs sucht sie auch die Schönheit in der körperlichen Vielfalt und hat so zu einer eigenen Ästhetik gefunden. Ein umfangreicher Anhang aus Abbildungsverzeichnis, Biografien, Preisen, Personenregister, Tourneeorten und freilich Werkverzeichnis beschließt den monumental anmutenden Band, dem ein ganzseitiger Exzerpt aus „Körper“ von 2000 ein fotografisches Finale bereitet.

Volkmar DRAEGER

Sasha Waltz und Jochen Sandig (Hg.): „Sasha Waltz & Guests“, Hatje Cantz Verlag,  Berlin 2025, Leineneinband, 344 S., zahlreiche Abb., 58 €, ISBN 978-3-7757-5526-9