Sidi Larbi Cherkaoui © Stadt Anwerpen
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Tänzernews #9

Karrieren

An der Mannheimer Akademie des Tanzes hat sich die langjährige, renommierte Pädagogin Rosemary Helliwell in den Ruhestand verabschiedet. Die Britin studierte u.a. an der John-Cranko-Schule, sie tanzte im Stuttgarter Ballett, wo sie von Marcia Haydée zur Hauschoreografin ernannt wurde. Seit 1983 unterrichtete sie in Mannheim, seit 1984 als Professorin und seit 1997 als stellvertretende Leiterin, wobei Helliwell weiterhin für mehrere internationale Kompanien choreografierte.

Mavis Staines, dienstälteste Ballettakademieleiterin der Welt, wird sich im Juni 2024 von Canada’s National Ballet School verabschieden. Sie leitet die Schule dann seit 35 Jahren und war seit deren Gründung 1951 erst die zweite Direktorin.

Nachdem Julie Kent das Washington Ballet verlassen hat, wurde Trinidad Vives zur Acting Artistic Director, also zur Interimsdirektorin ernannt. Die Spanierin, die 1977 mit einem Stipendium des Prix de Lausanne in ihre Karriere startete, tanzte dann beim Hamburg Ballett, beim Basler Ballet, beim Ballett am Rhein und beim English National Ballet. Danach unterrichtete sie an der Houston Ballet Academy und wurde Co-Direktorin des Houston Ballett. 2002 ging sie als Ballettmeisterin und Artistic Associate zum Boston Ballet, sie war außerdem Jurorin und als Gastballettmeisterin bei zahlreichen bekannten Kompaniem zu Gast.

Kirstin Kapustik wurde als neue Executive Director der Trisha Brown Company in New York ernannt; gemeinsam mit einem Board of Trustees und der Associate Artistic Director Carolyn Lucas soll Kapustik neue Choreografen für die Kompanie finden, die bisher fast ausschließlich Werke der 2017 verstorbenen Trisha Brown zeigte.

Kompanien – Wechsel und Beförderungen

Zum Spielzeitbeginn wurden beim Dresdner Semperoper-Ballett folgende Beförderungen verkündet: Ayaha Tsunaki, Alejandro Azorín und Christian Bauch wurden zu Ersten Solisten ernannt. Ilaria Ghironi und Skyler Maxey-Wert wurden zu Solisten befördert, Anthony Bachelier zum Halbsolisten. Swanice Luong, Anicet Marandel und Rodrigo Pinto tanzen fortan als Coryphées. Der Erste Solist Denis Veginy wird fortan auch als Ballettmeister arbeiten.

Beim Zürcher Ballett hat die Erste Solistin Katja Wünsche ihre Karriere beendet. Die geborene Dresdnerin wurde an der Staatlichen Ballettschule Berlin ausgebildet und tanzte in Stuttgart als Erste Solistin. 2007 wurden ihr der Deutsche Tanzpreis Zukunft und der Deutsche Theaterpreis Der Faust verliehen. 2012 ging sie mit Christian Spuck, für den sie bereits in Stuttgart zahlreiche Rollen kreiert hatte, nach Zürich, wo sie u.a. die Julia in seiner Version von „Romeo und Julia“ kreierte sowie zahlreiche Hauptrollen in seinen Werken und denen anderer internationaler Choreografen tanzte.

Bei Gauthier Dance in Stuttgart haben Louiza Avraam, Jonathan Reimann, Mark Sampson, Gaetano Signorelli (er wechselt in die Hofesh Shechter Company nach London) die Kompanie verlassen, die neuen Tänzer sind Shai Ottolenghi, Rina Pinsky, Locke Egidio Venturato und Arnau Redorta Ortiz, der von den Gauthier Juniors kommt. Diese bisher vierköpfige Nachwuchstruppe wird im September 2023 auf sechs Tänzer:innen erweitert, die Mitglieder heißen dann Rebecca Amoroso, Rong Chang, Stefano Gallelli, Ayda Frances Güneri, Joan Jansana Esobedo und Mathilde Roberge.

Der amerikanische Halbsolist Timoor Afshaar hat das Stuttgarter Ballett verlassen und tanzt fortan als Solist beim Wiener Staatsballett.

Beim Ballett am Aalto-Theater Essen verabschiedeten sich Adeline Pastor und Elisa Fraschetti von der Bühne. Die Französin Pastor, berühmt für ihre standfesten, unendlich langen Pirouetten, blickt auf eine Karriere von 25 Jahren zurück, sie begann bei Ben van Cauwenbergh in Wiesbaden. Der Choreograf und Ballettdirektor nahm sie mit nach Essen ans Aalto-Theater, wo sie u.a. die Kitri, die Katharina in Crankos „Der Widerspenstigen Zähmung“ und Piaf in van Cauwenberghs „La vie en rose“ tanzte. Die Italienerin Fraschetti wurde bereits von Martin Puttke ans Aalto-Theater engagiert, wo sie insgesamt 17 Spielzeiten lang tanzte, zuletzt als Gruppentänzerin mit Soloverpflichtung. Sie wird in Zukunft als Orchesterdisponentin am Aalto-Theater arbeiten, Pastor als Bürokauffrau im Ticket-Center von Theater und Philharmonie Essen.

Beim Londoner Royal Ballet gab es folgende Beförderungen: Isabella Gasparini wurde zur ersten Solistin befördert. Mica Bradbury, Hannah Grennell, Sae Maeda, Joonhyuk Jun and Taisuke Nakao wurden zu Solisten befördert. Bomin Kim, Nadia Mullova-Barley, die Deutsche Katharina Nikelski, Amelia Townsend, Yu Hang, Harris Bell, Liam Boswell, Daichi Ikarashi, Harrison Lee, Marco Masciari und Aiden O’Brien wurden zu First Artists befördert, was den Demisolisten entspricht. Olivia Findlay, Scarlett Harvey, Ella Newton Severgnini, Martin Diaz und Luc Foskett aus dem Aud Jebsen Young Dancer Programme wurden ins Corps de ballet aufgenommen. Neu als Aud Jebsen Young Dancers sind Bethany Bartlett, Sierra Glasheen, Seung Hee Han, Isabella Shaker, Caspar Lench und Blake Smith von den Royal Ballet School. Die Prix-de-Lausanne-Tänzerin der Spielzeit 2023/24 ist Julie Ann Joyner. Ihr Vorgänger Darrion Sellman, der Prix-de-Lausanne-Gewinner 2022, geht zum Royal Swedish Ballet nach Stockholm. Neben der Principal-Ballerina Laura Morera haben First Artist Tara-Brigitte Bhavnani sowie Alicia Rose Couvrette, Ava May Llewellyn und Alix Van Tiggelen die Kompanie verlassen.

Beim English National Ballet wurden Aitor Arrieta und Emma Hawes zu Lead Principals ernannt, Julia Conway zur Ersten Solistin, Lorenzo Trossello zum Solisten, Ivana Bueno, Henry Dowden, Noam Durand, Rentaro Nakaaki und Victor Prigent zu Juniorsolisten. Vom SemperOperBallett Dresden wechseln Sangeun Lee als Lead Principal Dancer, Gareth Haw als Erster Solist und Anna Nevzorova als Juniorsolistin nach London. Vom Mariinsky-Ballett kommt Vsevolod Maievskyi als Juniorsolist, vom Litauischen Nationalballett Edvinas Jakonis als First Artist. Laurretta Summerscales vom Bayerischen Staatsballett wird als Gast in “Nussknacker” und “Schwanensee” auftreten. Vom Birmingham Royal Ballet kommt Carmen Piqueras als Ballettmeisterin, Cynthia Harvey wird zur ständigen Gastballettmeisterin, Alessandra Ferri und Alejandro Parente werden Gastballettmeister. Die Kompanie verlassen Sarah Kundi, Noah Benzie-Drayton, Paige Bestington, Poppy Frankel, Lulu Toner, Daisy Wales, Oscar Ward und Ballettmeisterin Anu Sistonen. Bereits während der Spielzeit verließen Rina Kanehara, Amber Hunt, Jade Longley und Alejandro Moreno das English National Ballet.

Het Nationale Ballet in Amsterdam hat mit Jacopo Tissi einen neuen Ersten Solisten engagiert; er verließ 2022 das Bolschoi-Ballett und tanzte dann als Gast beim Ballett der Mailänder Scala. Bei Het ist er nun wieder mit seiner ehemaligen Bolschoi-Kollegin Olga Smirnova vereint. Tissi begann seine Karriere beim Wiener Staatsballett, tanzte dann ein Jahr an der Scala und ging 2017 als erster italienischer Tänzer zum Bolschoi, wo er gleich in seiner ersten Spielzeit zum Ersten Solisten ernannt wurde.

Bei Les Ballets de Monte-Carlo hat Alexis Oliveira seine Karriere beendet. Der Brasilianer hatte zuvor beim English National Ballet, beim Aterballetto und beim Stuttgarter Ballett getanzt, 2009 ging er nach Monte-Carlo. Auch Solist Francesco Mariottini verlässt die Kompanie mit 37 Jahren. Er war seit 2016 in Monte-Carlo.

Beim National Ballet of Canada wurde Christopher Gerty zum Principal Dancer befördert, Josh Hall, Peng-Fei Jiang und Larkin Miller zu zweiten Solisten. Die Charaktersolistin Stephanie Hutchison beendet ihre Bühnenkarriere und wird Probenleiterin ab der nächsten Spielzeit. Der langjährige Principal Dancer Guillaume Côté läutete mit seinem letzten Romeo in Alexander Ratmanskys Version von „Romeo and Juliet“ seinen Abschied von der Bühne ein, er will aber noch weiter tanzen. Der Principal Dancer Piotr Stanczyk wird sich im November 2023 von der Bühne verabschieden.

Beim New York City Ballet wird der Principal Dancer Russell Janzen am 24. September seine Abschiedsvorstellung in George Balanchines “Diamonds” geben. Er ist seit 2007 Mitglied der Kompanie und seit 2017 Principal Dancer. Er möchte einen Abschluss in Sozialarbeit machen.

Beim American Ballet Theatre haben die Solisten Joseph Gorak und Gabe Stone Shayer die Kompanie verlassen.

Beim Australian Ballet hat sich der Principal Dancer Adam Bull von der Bühne verabschiedet.

Beim Birmingham Royal Ballet wurden Gabriel Anderson, Rosanna Ely, Sofia Liñares und Lucy Waine zu First Artists befördert, was dem Rang von Halbsolisten entspricht.

Auszeichnungen und Jubiläen

Der Choreograf Sidi Larbi Cherkaoui wurde im Juli in Brüssel vom König anlässlich des belgischen Nationalfeiertags zum Baron ernannt, er ist der erste belgische Baron marokkanischer Herkunft. Der Titel ist die dritte von insgesamt acht Stufen in der belgischen Adelshierarchie.

Beim Hamburg Ballett feierte Silvia Azzoni im Juni ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum.

Beim Wiener Staatsballett erhielt Halbsolistin Natalya Butchko, seit 2016 Mitglied der Kompanie, den alljährlich vergebenen Talentpreis des Staatsballett-Förderkreises.

Beim National Ballet of Canada haben Svetlana Lunkina und Harrison James den David Tory Award der Spielzeit 2022/23 über jeweils 3500 $ erhalten. Emma Ouellet und Albjon Gjorllaku erhielten den Patron Award of Merit über jeweils 1,500 $.

Hofesh Shechters Kurzfilm „Return“ für und mit Gauthier Dance hat einen weiteren Preis bekommen: Beim ZED Festival Internazionale Videodanza in Bologna wurde er gleich dreifach ausgezeichnet – durch die Jury mit dem Best Choreography for the Screen Award, mit dem Best Film Award der Studierendenjury des Masterstudiengangs Musik und Theater der Universität Bologna sowie mit dem Publikumspreis.

Bei den USA IBC Awards in Jackson, Mississippi, erhielten Anfang Juni folgende Tänzer Preise: Bei den Senioren gewannen der Japaner Ryao Sasaski (24) und die Japanerin Sayako Toku (21) die Goldmedaillen, zusammen wurden sie auch als bestes Paar ausgezeichnet. Bei den Junioren gewannen der Amerikaner Alexei Orohovsky (16) von der Stuttgarter John-Cranko-Schule sowie die Chinesin Mengxuan Yan (16) die Goldmedaillen. Mengxuan Yan und ihr Landsmann Zihan Kong wurden als das beste Paar ausgezeichnet. Den Robert Joffrey Award of Merit gewann der Mongole Munkhjin Ulziijargal (23), den Jury Award of Encouragement gewann jeweils die Amerikaner Corbin Holloway (16) und  Isabella Howard (15). Den Preis für Choreografie gewann Chen Zihao aus China für “Children of the Stars”. Den Tutu.com Award gewannen der Amerikaer Kyan Park und die Philippinin Danielle Kleiner. Der Wettbewerb findet alle vier Jahre im Wechsel mit den traditionsreichen Wettbewerben im bulgarischen Varna, im finnischen Helsinki und mit dem Internationalen Wettbewerb in Moskau statt.