Erstmals wird die Bürgermedaille der Landeshauptstadt an zwei Persönlichkeiten gemeinsam verliehen – ein Abend, der die Bedeutung von Kultur für Stuttgart eindrucksvoll unterstrich.
Mit der Verleihung der Bürgermedaille an Werner Schretzmeier und Eric Gauthier hat die Landeshauptstadt Stuttgart am 17. Juli 2026 zwei Persönlichkeiten ausgezeichnet, die das kulturelle Leben der Stadt über Jahrzehnte entscheidend geprägt haben. Erstmals wurde die zweithöchste Auszeichnung Stuttgarts gemeinsam an zwei Geehrte verliehen, erstmals fand die Zeremonie nicht im Rathaus, sondern im Theaterhaus Stuttgart statt – jenem Ort, der untrennbar mit ihrem Wirken verbunden ist.
Oberbürgermeister Frank Nopper überreichte die Bürgermedaillen auf der großen Bühne des Theaterhauses. Anschließend trugen sich Werner Schretzmeier und Eric Gauthier in das Goldene Buch der Stadt Stuttgart ein – eine Ehre, die nur wenigen Persönlichkeiten zuteilwird.
Werner Schretzmeier nahm die Auszeichnung stellvertretend für viele entgegen. In seiner Dankesrede widmete er sie seiner im vergangenen Jahr verstorbenen Ehefrau und Mitgründerin des Theaterhauses, Gudrun Schretzmeier, Theaterhaus-Mitgründer Peter Grohmann sowie der gesamten Belegschaft und den zahlreichen Unterstützerinnen und Unterstützern des Hauses. Zugleich richtete er einen eindringlichen Appell an Politik und Gemeinderat. Angesichts der finanziellen Herausforderungen vieler Kultureinrichtungen bat er um eine „Atempause“ für Kultur, Bildung und Soziales: „Je besser und stärker der kulturelle Standard dieser Stadt ist, desto besser und stärker ist diese Stadt als Gemeinwesen.“
Mit gewohntem Charme sorgte Eric Gauthier für den humorvollsten Moment des Abends. Mit einem Augenzwinkern erinnerte er sich daran, dass während seiner Zeit beim Stuttgarter Ballett häufig andere Tänzer die begehrten Prinzenrollen erhielten. Heute, sagte er lachend: „Ich bin cooler als der Prinz – ich hab die Bürgermedaille!“
In ihrer Laudatio würdigte die Kulturjournalistin und Autorin Adrienne Braun das Theaterhaus als eine Institution, die die Kulturlandschaft Stuttgarts nachhaltig verändert habe. Sie hob insbesondere dessen Offenheit, die Überwindung klassischer Genregrenzen und das Verständnis von Kultur als Begegnung hervor. Gauthiers Arbeit mit Gauthier Dance, den Gauthier Dance JUNIORS und Gauthier Dance Mobil stehe beispielhaft für ein Kulturverständnis, das Menschen verbindet und weit über die Bühne hinauswirkt.
Musikalische Beiträge des Trios Bebelaar, Beck und Kroll, Ausschnitte aus der Produktion Me & Mr Cash sowie Auftritte des Schauspielensembles, von Gauthier Dance und den Gauthier Dance JUNIORS gaben der Feierstunde einen künstlerischen Rahmen. Am Ende blieb mehr als die Würdigung zweier außergewöhnlicher Persönlichkeiten: Der Abend wurde zu einem Bekenntnis zur kulturellen Kraft des Theaterhauses – und zu der Überzeugung, dass Kultur, Bildung und gesellschaftlicher Zusammenhalt untrennbar miteinander verbunden sind.
Fotos: © Bettina Meister








