"Jeu de Cartes"
DFY+Performance

Zweimal Strawinsky beim Thüringer Staatsballett

von Volkmar DRAEGER

Die erste Geschichte beginnt 1917. Sergei Djagilew und Igor Strawinsky reisen auf der Suche nach dem Sujet für ein neues Werk gemeinsam nach Neapel. Anregung finden sie im neapolitanischen Volkstheater, der Commedia dell’arte, mit seinen Verwirrungen um den unverwüstlichen Helden Pulcinella, seine Freundin Pimpinella, zwei Mädchen, die ebenfalls in die Langnase verliebt sind, weshalb zwei Burschen bei ihnen nicht zum Zuge kommen. Kompositionen des frühverstorbenen Barockstars Giovanni Battista Pergolesi inspirieren Strawinsky zu einer bezaubernd federleichten, indes musterhaft modellierenden und vor eingängiger Klangschönheit nur so sprühenden Partitur, die 1920 in Paris mit den Ballets Russes und in Pablo Picassos Ausstattung ihre tänzerische Uraufführung erlebte.

Die zweite Geschichte beginnt nur fünf Jahre später. Da wird die Modern-Tänzerin Yvonne Georgi, gerade mal Anfang 20, ans damalige Reußische Theater in Gera engagiert, um dort die Sparte Tanz aufzubauen. Im Jahr darauf erblickt, gebettet in einen mehrteiligen Abend, das Licht der Bühne auch ihre „Pulcinella“-Version, von deren Choreografie außer einigen lobenden Rezensionen nichts überliefert ist.

Emilie Menezes de Siqueira und Carlos Eduardo Boeira in„Pulcinella“, Ch. Arshak Ghalumyan © Ronny Ristok
Jéssyca Helena Rett, Trompete: Sami Lab in„Pulcinella“, Ch. Arshak Ghalumyan © Ronny Ristok

Weiterlesen mit Digital+

Alle Formate in einem ABO.
Bequem auf Ihrem mobilen Endgerät Ihrer Wahl.

  • Alle Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Zugang zum Online-Archiv von Dance for You

Jetzt digital freischalten!