{"id":59310,"date":"2024-12-12T11:46:11","date_gmt":"2024-12-12T11:46:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/?p=59310"},"modified":"2026-04-16T07:21:52","modified_gmt":"2026-04-16T07:21:52","slug":"muenchen-zeitreise-in-die-ballett-romantik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/muenchen-zeitreise-in-die-ballett-romantik\/","title":{"rendered":"M\u00fcnchen: Zeitreise in die Ballett-Romantik"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\">Von Horst VOLLMER<\/p>\n<p><strong>Trotz einer Handlung in Moll ist \u201eLa Sylphide\u201c ein leichtf\u00fc\u00dfiges und kurzweiliges Ballett \u2013 und macht es dem Zuschauer doch schwer: Wer nicht selbst Luftgeist ist oder zumindest Schotte, fremdelt mit der Geschichte. Sie ist Tanz gewordene Weltflucht. Bez\u00fcge zum Heute? Eher nicht.<\/strong><\/p>\n<p>Die Geschichte des Schotten James, dem eine Sylphide, die in ihn vernarrt ist, ausgerechnet am Hochzeitstag so sehr die Sinne vernebelt, dass James die Braut davonl\u00e4uft, und dass die Sylphide in einen von Hexenhand vergifteten Schal geh\u00fcllt ihr \u00e4therisches Leben aushauchen muss \u2013 diese Geschichte ist gar arg der Zeit ihrer Entstehung verhaftet. Anders als ihren j\u00fcngeren Geschwistern \u201eGiselle\u201c und \u201eSchwanensee\u201c fehlt \u201eLa Sylphide\u201c ein emotionaler Kern, der uns heute noch unmittelbar anzusprechen vermag. Doch mittelbar, wenn wir uns die zweieinhalbst\u00fcndige Weltflucht der \u201eSylphide\u201c gestatten, uns den Geist der Zeit, die Gef\u00fchlswelten der Romantik in Erinnerung rufen: Welch\u2018 h\u00fcbsch bitters\u00fc\u00dfe Geschichte wird da erz\u00e4hlt, in welch\u2018 reizendem, elegantem Stil!<\/p>\n<p>Wer hierzulande \u201eLa Sylphide\u201c schon einmal gesehen hat, hat meist August Bournonvilles Fassung von 1836 gesehen. Von Kopenhagen aus, wo sie bis heute zum identit\u00e4tsstiftenden Repertoire des K\u00f6niglich D\u00e4nischen Balletts geh\u00f6rt, hat sie die Welt erobert. Das Bayerische Staatsballett in M\u00fcnchen reist nun aber vier Jahre weiter zur\u00fcck, zu Bournonvilles Vorbild: Als erst drittes Ensemble im deutschsprachigen Raum (nach Hamburg 2008 und Wien 2012) ist in M\u00fcnchen Pierre Lacottes Ann\u00e4herung an Filippo Taglionis Urfassung der \u201eSylphide\u201c von 1832 zu sehen. Die Reise in eine Zeit, als der Tanz naiv, zart und eskapistisch in \u201eandere\u201c Sph\u00e4ren entf\u00fchrte, belohnt mit stilistischen Kostbarkeiten und wunderbar altmodischen Theatereffekten.<\/p>\n<p>Lacottes Neusch\u00f6pfung der historischen \u201eSylphide\u201c hat einen besonderen Platz in der Tanzgeschichte nicht nur Frankreichs, aber dort vor allem. Lacotte schuf seine Rekonstruktion 1971 f\u00fcr das franz\u00f6sische Fernsehen (man findet die Verfilmung heute bei Youtube). Am Neujahrstag 1972 ausgestrahlt, folgte ihr eine B\u00fchnenproduktion beim Ballett der Pariser Oper, der Herzkammer des franz\u00f6sischen klassischen Tanzes, noch im selben Jahr. Dort lag damals die \u00c4ra Lifar mehr als ein Jahrzehnt zur\u00fcck und die \u00c4ra Nurejew noch mehr als ein Jahrzehnt in der Zukunft. Direktoren und Direktorinnen wechselten rasch. Die Ballettwelt, westlicher Teil, ruhte zwar noch in sich, ahnte allenfalls die stilistischen und sonstigen Umbr\u00fcche, die Tanztheater, moderner und postmoderner Tanz bringen sollten \u2013 aber Paris war aus ihrem Fokus ger\u00fcckt. \u00c4sthetisch richtete man sich am t\u00e4nzerischen Neoklassizismus \u00e0 la New York aus, feierte Crankos englische Ballettdramatik in Stuttgart und war verunsichert durch die Virtuosit\u00e4t und Effizienz der im Westen zunehmend dominanter werdenden russisch-sowjetrussischen Schule des klassischen Tanzes. Paris suchte nach neuer Orientierung, nach Selbstvergewisserung und Sch\u00e4rfung des eigenen Profils. Man fand sie (auch) in der R\u00fcckbesinnung auf eigene Wurzeln.<\/p>\n<p><em>Fotos: &#8220;La Sylphide&#8221;, Bayerisches Staatsballett, Ch.Pierre Lacotte nach Filippo Taglioni \u00a9 Katja Lotter<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-59312\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_J._Feyferlik_Ensemble__c_Katja-Lotter_0U8A2092-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1708\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_J._Feyferlik_Ensemble__c_Katja-Lotter_0U8A2092-scaled.jpg 2560w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_J._Feyferlik_Ensemble__c_Katja-Lotter_0U8A2092-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_J._Feyferlik_Ensemble__c_Katja-Lotter_0U8A2092-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_J._Feyferlik_Ensemble__c_Katja-Lotter_0U8A2092-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_J._Feyferlik_Ensemble__c_Katja-Lotter_0U8A2092-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_J._Feyferlik_Ensemble__c_Katja-Lotter_0U8A2092-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_J._Feyferlik_Ensemble__c_Katja-Lotter_0U8A2092-600x400.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><br \/>\nJakob Feyferlik in &#8220;La Sylphide&#8221;, Ch.Pierre Lacotte nach Filippo Taglioni \u00a9 Katja Lotter<\/p>\n<p>\u201eLa Sylphide\u201c wurde der Ausgangspunkt f\u00fcr Lacottes lange Reihe an Wiederbelebungen alter Ballette. Obschon die Ergebnisse seiner Recherchen manchen als streitbar galten, machte \u201eLa Sylphide\u201c ihn doch zum ersten Gro\u00dfmeister der historisch informierten Rekonstruktion im Ballett. Sie erg\u00e4nzt heute die Praxis blo\u00dfer \u00dcberlieferung von einer T\u00e4nzergeneration zur n\u00e4chsten und beschert uns die Chance, Verlorenes wieder zu erleben \u2013 oder doch wenigstens eine Ann\u00e4herung daran. Paris und Frankreich aber bescherte Lacottes \u201eLa Sylphide\u201c wenn nicht das Wiedererleben des Originals Taglionis, so doch die Begegnung mit einer dem Original verpflichteten Nachsch\u00f6pfung und, durch sie, mit jenen Wurzeln der eigenen Tanztradition, die in den Bild-, Erz\u00e4hl- und Klangwelten der Romantik ankern.<\/p>\n<p>M\u00fcnchen zeigt nun eine Eins-zu-eins-\u00dcbernahme der Pariser \u201eLa Sylphide\u201c, einstudiert durch Lacottes ehemalige Assistentin Anne Salmon und M\u00fcnchens Paris-geschulten Ballettdirektor Laurent Hilaire. Die B\u00fchnenbilder &#8211; eine hohe Halle im Inneren eines Bauerngeh\u00f6fts, dann eine Felsenh\u00f6hle und eine Waldszene &#8211; folgen dem Vorbild von 1832, ebenso die schottisch karierten Kost\u00fcme der Sippen von Braut und Br\u00e4utigam und, nat\u00fcrlich, die langen, luftigen Tutus der Sylphiden samt Mieder und Fl\u00fcgelchen, die einst Epoche machen und f\u00fcr lange Zeit die allgemeine Vorstellung von \u201eBallett\u201c pr\u00e4gen sollten. Die Musik schlie\u00dflich (es spielt das Bayerische Staatsorchester unter Myron Romanul, der auch das Orchestermaterial f\u00fcr M\u00fcnchen erstellt hat) orientiert sich an der Ur-Partitur des Els\u00e4ssers Jean-Madeleine Schneitzhoeffer. Weniger \u201eschottisch\u201c gef\u00e4rbt als L\u00f8venskjolds Kopenhagener Nachkomposition, bildet sie umso stimmiger das musikalisch-romantische Paris der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts ab.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-59315\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_M._Young_Ensemble__c_Katja-Lotter_0763-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1707\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_M._Young_Ensemble__c_Katja-Lotter_0763-scaled.jpg 2560w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_M._Young_Ensemble__c_Katja-Lotter_0763-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_M._Young_Ensemble__c_Katja-Lotter_0763-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_M._Young_Ensemble__c_Katja-Lotter_0763-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_M._Young_Ensemble__c_Katja-Lotter_0763-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_M._Young_Ensemble__c_Katja-Lotter_0763-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_M._Young_Ensemble__c_Katja-Lotter_0763-600x400.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ensemble Bayerisches Staatsballett \u00a9 Katja Lotter<\/p>\n<p>Ob Pierre Lacotte, ob Millicent Hodson und Kenneth Archer, die in den 1980ern etwa Nijinskys \u201eSacre\u201c wiederbelebten, ob heute Alexei Ratmansky, wenn er historische Auff\u00fchrungspraktiken adaptiert: Wer verlorene Tanzwerke zu retten antritt, ben\u00f6tigt nicht Expertise allein, sondern auch Mut \u2013 den Mut, L\u00fccken zu f\u00fcllen, die selbst umfangreiche Zeitdokumente hinterlassen, wenn sie aus der Zeit vor Labanotation und Benesh, vor Film und Video stammen. Lacotte, \u00fcberzeugt, dass auch Taglioni so verfuhr, stellt in \u201eLa Sylphide\u201c nicht nur die Luftgeister auf Spitze, sondern auch die Schottinnen des ersten Akts (anders als Bournonville, der durch Spitzenschuhe nur f\u00fcr die Sylphiden deren irreale, luftige Sph\u00e4re von der realen, erdverbundenen der Schottinnen und Schotten trennte). Er f\u00fcgt in das Divertissement des ersten Akts ein schottisches Solistenpaar ein und nutzt f\u00fcr den (bestrickend sch\u00f6nen) Pas de trois von James, seiner Braut Effie und der \u2013 nur f\u00fcr James sichtbaren \u2013 Sylphide eine musikalische Erg\u00e4nzung von Ludwig Wilhelm Maurer f\u00fcr Filippo Taglionis Ballett \u201eL\u2019Ombre\u201c von 1839. Dass Lacotte andere Stellen scheinbar weniger beherzt \u201ef\u00fcr heute\u201c inszenierte, mag an Sehgewohnheiten liegen, die sich seit der Premiere 1972 ge\u00e4ndert haben: Gleich mehrmals im ersten Akt \u201ehakt\u201c der Fluss der Inszenierung, stoppt f\u00fcr einen pantomimischen Dialog ohne Musik oder einen \u2013 durch die Stille umso l\u00e4nger erscheinenden &#8211; Gang der Solisten zum Ausgangspunkt ihrer folgenden Variation.<\/p>\n<p>Nichts davon jedoch schm\u00e4lert den Wert der Produktion, schon gar nicht deren Schauwert. Die rustikalen \u201eschottischen\u201c Ensembles sind ansprechend und vielgestaltig. Die Nebenrollen &#8211; die brave Effie, deren Verehrer Gurn, die gestenreich auftrumpfende Hexe Madge \u2013 sind klar gezeichnet, und James hat in Lacottes Fassung eine umfangreichere, technisch und darstellerisch forderndere Rolle als wohl bei Taglioni. Und die Sylphiden? Sie allein schon lohnen den Besuch der M\u00fcnchner Auff\u00fchrung! Sie erwecken die Sylphiden-Grafiken aus Taglionis Zeit zu so reizvoll plastischem Leben, dass das Nationaltheater schon bald vom bet\u00f6renden Duft des Parfums einer vergangenen Ballettepoche erf\u00fcllt zu sein scheint.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-59314\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_M._Young_J._Zhang_E._Ibraimova__c_Katja-Lotter_0U8A0201-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1707\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_M._Young_J._Zhang_E._Ibraimova__c_Katja-Lotter_0U8A0201-scaled.jpg 2560w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_M._Young_J._Zhang_E._Ibraimova__c_Katja-Lotter_0U8A0201-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_M._Young_J._Zhang_E._Ibraimova__c_Katja-Lotter_0U8A0201-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_M._Young_J._Zhang_E._Ibraimova__c_Katja-Lotter_0U8A0201-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_M._Young_J._Zhang_E._Ibraimova__c_Katja-Lotter_0U8A0201-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_M._Young_J._Zhang_E._Ibraimova__c_Katja-Lotter_0U8A0201-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_M._Young_J._Zhang_E._Ibraimova__c_Katja-Lotter_0U8A0201-600x400.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Madison Young, Jinhao Zahng und Elvina Ibraimova \u00a9 Katja Lotter<\/p>\n<p>Die eine namenlose Sylphide des Titels, zuerst von Marie Taglioni verk\u00f6rpert, etabliert im schottisch-b\u00e4uerischen ersten Akt allein den charakteristischen eigenen Bewegungsstil der Luftgeister, der dann in Gestalt eines gro\u00dfen Sylphiden-Corps und ihres \u201ewei\u00dfen\u201c Divertissements die Waldszene des zweiten Aktes flutet. Der anmutig vorgebeugte Oberk\u00f6rper, die geneigte Kopfhaltung und der unterm Kinn verweilende Fingerf\u00e4cher, die kleinteilige Fu\u00dfarbeit bei wenigen Spr\u00fcngen und Drehungen, aber vielen Arabesken, der unabl\u00e4ssige Einsatz der Spitze, der rasche Wechsel vielf\u00e4ltiger Formationen und Raummuster: Was die Zeit zu Kitsch degradiert hat, bringen die Damen des Bayerischen Staatsballetts so harmonisch, duftig und selbstverst\u00e4ndlich zur Auff\u00fchrung, wie es der historisch authentische Anspruch der Inszenierung erfordert. Es ist eine Seh-Lust erster G\u00fcte, kostbar und selten auf unseren B\u00fchnen.<\/p>\n<p>Vier alternierende Besetzungen bietet das Bayerische Staatsballett in der ersten Auff\u00fchrungsserie. Die zweite und dritte, in allen Rollen stark, offenbarte Unterschiede allenfalls in Nuancen: Jeweils h\u00f6chst delikat die Gestaltung der Titel-\u201eSylphide\u201c durch Madison Young und Laurretta Summerscales, eher zur\u00fcckgenommen der James Jinhao Zhangs verglichen mit dem Julian MacKays, eher sch\u00fcchtern die Effie Elvina Ibraimovas verglichen mit der Margarita Fernandes\u2018, derb die Madge von Alexey Dobikov und Sergio Navarro, und Gurn, der am Ende mit Effie zum Altar geht, ist bei Florian Ulrich Sollfrank und Severin Brunhuber zum Luftikus James der solide bodenst\u00e4ndige Gegenpart.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-59313\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_M._Young_J._Zhang__c_Katja-Lotter_0U8A9924-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1707\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_M._Young_J._Zhang__c_Katja-Lotter_0U8A9924-scaled.jpg 2560w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_M._Young_J._Zhang__c_Katja-Lotter_0U8A9924-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_M._Young_J._Zhang__c_Katja-Lotter_0U8A9924-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_M._Young_J._Zhang__c_Katja-Lotter_0U8A9924-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_M._Young_J._Zhang__c_Katja-Lotter_0U8A9924-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_M._Young_J._Zhang__c_Katja-Lotter_0U8A9924-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/La_Sylphide_M._Young_J._Zhang__c_Katja-Lotter_0U8A9924-600x400.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Madison Young und Jinhao Zahng \u00a9 Katja Lotter<\/p>\n<p>Eine historisch ausgerichtete \u201eSylphide\u201c-Produktion wird freilich erst komplett durch die dazugeh\u00f6renden B\u00fchneneffekte. Lacotte inszeniert nicht alle, die den Beschreibungen der Urauff\u00fchrung zu entnehmen sind, aber alle wesentlichen \u2013 und deren Charme ist hinrei\u00dfend. Wenn die Sylphide durch den Kamin ent- und hinter einem Plaid verschwindet, wenn sie von einem Fenstersims herunter- und mit ihren Kolleginnen auf Rollwagen oder an Seilz\u00fcgen entschwebt, wenn sie im ersten Akt in einer pl\u00f6tzlich durchscheinenden Wand sichtbar wird und im zweiten Sylphiden im Ge\u00e4st der B\u00e4ume erscheinen \u2013 dann ist das nicht nur entz\u00fcckend anzusehen. Es wird dann auch ein ums andere Mal sicht- und erlebbar, wie in einer Zeit, als Theater von Hand gemacht wurde, die Kunst traditioneller Theaterhandwerker Illusionen schuf. Sie alle sind, wie die gesamte Produktion: Bezaubernd sehenswert.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Bayerisches Staatsballett: \u201eLa Sylphide\u201c, Choreographie von Pierre Lacotte (1971\/72) nach Filippo Taglioni (1832). Premiere am 22. November 2024, Nationaltheater M\u00fcnchen. Gesehene Vorstellungen: 23.\/24. November 2024.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Horst VOLLMER Trotz einer Handlung in Moll ist \u201eLa Sylphide\u201c ein leichtf\u00fc\u00dfiges und kurzweiliges Ballett \u2013 und macht es dem Zuschauer doch schwer: Wer nicht selbst Luftgeist ist oder zumindest Schotte, fremdelt mit der Geschichte. Sie ist Tanz gewordene Weltflucht. Bez\u00fcge zum Heute? Eher nicht. 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