{"id":58599,"date":"2024-08-14T15:20:47","date_gmt":"2024-08-14T15:20:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/?p=58599"},"modified":"2026-04-16T07:21:57","modified_gmt":"2026-04-16T07:21:57","slug":"breaking-eine-olympische-eintagsfliege-und-nun-eine-weltweite-lachnummer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/breaking-eine-olympische-eintagsfliege-und-nun-eine-weltweite-lachnummer\/","title":{"rendered":"Breaking eine olympische Eintagsfliege und nun eine weltweite Lachnummer"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\">Ein Kommentar von Ute FISCHBACH-KIRCHGRABER<\/p>\n<p>Mehr jugendliches Interesse an Olympia hatte man sich gew\u00fcnscht. Und weil schon Skateboard und Buckelpiste auf dem Programm stehen, fiel das Auge des wei\u00dfen alten Mannes auf das ebenfalls durch artistische Einlagen gl\u00e4nzenden Breaking. Breaking, geboren in den nicht wei\u00dfen Slums, ausge\u00fcbt von Menschen, die das Establishment aussichtslos im Prekariat verdammte, ist eine Selbsterm\u00e4chtigung der Underdogs, die den erbarmungslosen Rhythmus ihres Lebens zur aggressiven Kunstform, ja zum Lebensstil erhoben haben.<\/p>\n<p>Wenn nun Breaking als Unterhaltungsform f\u00fcr gerade dieses Establishment dienen soll, wird es eingehegt und konserviert wie ein Eingeborenen-Reservat. Es verliert seinen Stachel und wird auf die blo\u00dfe Form reduziert. Dass das Olympische Komitee damit die World Dancesport Federation beauftragt hat, diese Tanzform in ein olympisch wertbares Regelwerk zu zw\u00e4ngen, ist nur folgerichtig. Denn die WDSF hat sich darauf spezialisiert, das Funktion\u00e4rswesen \u00fcber alles zu st\u00fclpen, und Olympiagelder sind nat\u00fcrlich umworben.<\/p>\n<p>Also wurde der Auftritt der B-Girls und B-Boys mit Spannung erwartet. In aller Eile wurden Olympia-Qualifikationsveranstaltungen in Form von Kontinentalmeisterschaften durchgef\u00fchrt, um die Besten zu ermitteln, die bei der Olympiade in Paris dann um die Medaillen antreten durften. Dabei hat man nat\u00fcrlich \u00fcbersehen, dass gerade die Besten sich diese Qualifikationen nicht leisten konnten, da die Teilnehmer auf eigene Kosten anreisen und \u00fcbernachten mussten. Zudem kritisiert Breaking-Spezialist Niels \u201eStorm\u201d Robitzky, der als Breaking-Koryph\u00e4e das Bewertungssystem f\u00fcr die Olympischen Spiele mitentwickelt hat, in einem \u201eSpiegel\u201d-Interiew ein \u201eundurchsichtiges Punktesystem\u201c.<\/p>\n<p>So kam es denn, dass in Paris nun Rachael Gunn aka Raygun aus Australien angetreten ist, schlie\u00dflich war sie als beste T\u00e4nzerin aus ganz Ozeanien ermittelt worden. Was nat\u00fcrlich hei\u00dft, sie war nur die Beste aller angetretenen T\u00e4nzerinnen. Und so kam es zu ihrem kuriosen Auftritt auf der Olympiab\u00fchne, der f\u00fcr die ganze Breaking-Szene ein furchtbarer Moment wurde. Ihre Performance mit K\u00e4nguru-H\u00fcpfern, Knie-Rutschen und Boden-W\u00e4lzern wurde zur Lachnummer und nat\u00fcrlich zum viralen Internet-Hit. Die 36j\u00e4hrige Raygun wurde von der Jury mit 0 Punkten bedacht und landete mit einem Endstand von 0:54 auf dem letzten Platz bei Olympia.<\/p>\n<p>Robitzky wirft Raygun war, dass sie \u201eSkin in the Game\u201c haben und die \u201ekulturelle Verantwortung\u201c h\u00e4tte tragen sollen. Nur liegt der Fehler nicht wirklich bei dieser Breakerin. Der Fehler liegt darin, dass man Breaking \u00fcberhaupt in ein olympisches Korsett hat zwingen wollen. Es ist vielmehr kulturell verantwortungslos, die letzten Spiel- und Freir\u00e4ume von Menschen zu domestizieren und in harmloses Unterhaltungsfutter f\u00fcr das Establishment umzuwandeln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Kommentar von Ute FISCHBACH-KIRCHGRABER Mehr jugendliches Interesse an Olympia hatte man sich gew\u00fcnscht. Und weil schon Skateboard und Buckelpiste auf dem Programm stehen, fiel das Auge des wei\u00dfen alten Mannes auf das ebenfalls durch artistische Einlagen gl\u00e4nzenden Breaking. 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