{"id":56885,"date":"2023-07-10T11:39:31","date_gmt":"2023-07-10T11:39:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/?p=56885"},"modified":"2026-04-16T07:25:45","modified_gmt":"2026-04-16T07:25:45","slug":"tanz-im-theater-oder-in-der-olympiahalle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/tanz-im-theater-oder-in-der-olympiahalle\/","title":{"rendered":"Tanz im Theater oder in der Olympiahalle?"},"content":{"rendered":"<h3><strong>\u00dcber F\u00fcr und Wider und besondere Publikumserwartungen<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Ein Kommentar von Ute Fischbach-Kirchgraber<\/em><\/p>\n<p>Wo kann das Publikum eine Ballett- oder Tanz-Vorf\u00fchrung am besten miterleben? Dumme Frage, auf der B\u00fchne nat\u00fcrlich. Aber wie gro\u00df soll die B\u00fchne sein und wie weit sind die Zuschauer*innen entfernt? Das Theater ist erst einmal der angestammte Platz. Doch von Sitz zu Sitz ist die Sehweise eine andere. Und ebenso kommt es auf die Motivation des Betrachtenden an: was will man verfolgen, die kleinsten Details eines Port de bras, das sich abzeichnende Muskelspiel oder nimmt man das Geschehen wahr wie eine wogende Welle, die sich in die Tiefe des Raums ergie\u00dft.<\/p>\n<p>Ganz vorne im Parkett ist man am n\u00e4chsten dran bei einem intimen Pas de deux. Allerdings sind die Pl\u00e4tze vor der B\u00fchne in gro\u00dfen Opernh\u00e4usern oft auf so niedriger Ebene, dass durch den steilen Blickwinkel die Fu\u00dfspitzen abgeschnitten werden. Nicht nur bei hoher Zehenspitzentanzkunst einer Petipa-Choreografie ein NoGo. Schlie\u00dflich spielen die Beine des T\u00e4nzers oder zumindest zuckende Muskeln eine Hauptrolle. Wenn der gr\u00f6\u00dfte Schwanensee aller Zeiten mit 48 statt 24 Schw\u00e4nchen angesagt ist, kann ein bisschen Abstand nicht schaden &#8211; das Gesamt-Tableau geht sonst verloren\u2026\u00a0 Aber das tut es ohnehin, wenn so eine gigantische Show in das kleinste Theater der Stadt gequetscht wird.<\/p>\n<p>W\u00e4re da nicht eine Olympiahalle besser? Opulenz und raumgreifende Manegen k\u00e4men da besser zur Geltung. Es sei denn, man sitzt ganz weit hinten und kann eigentlich die Agierenden mehr ahnen als sehen. Aber immerhin: die in Ameisengr\u00f6\u00dfe sich Tummelnden tun das live &#8211; und man kann sagen, man sei dabei gewesen. Wobei es da einen Zusatzservice gibt: Gro\u00dfleinw\u00e4nde, auf die das Tanzen \u00fcbertragen wird. Hat man da am Ende nicht mehr erlebt als von einem mediokren Platz im Theater aus, wo sich bevorzugt Sitzriesen vor einem breit machen und Nackenverrenkungen einfach zugeh\u00f6ren?<\/p>\n<p>Wahrscheinlich ist es auch eine Frage wie man mit Tanz sozialisiert wurde. Wer aus der \u201eanalogen\u201c Zeit stammt, in der ein Theaterbesuch zu den ganz besonderen kulturellen Highlights geh\u00f6rte, auf die man sich einstimmte, indem Frau zum Friseur ging und sich herzklopfend in ein rauschendes Abendkleid warf, f\u00fcr den ist Theater ein Tempel der Kunst. Also die erste Wahl f\u00fcr eine Ballettauff\u00fchrung, die dadurch einen elit\u00e4ren Touch bekommt.<\/p>\n<p>Wer Tanzkunst dagegen rein demokratisch denkt und sich den b\u00fcrgerlichen \u00c4u\u00dferlichkeiten des Establishments verweigert, der besucht lieber die Olympiahalle. Da braucht es keine Etikette und niemand r\u00fcmpft die Nase, wenn man sich mit dem R\u00fccken zu den Zuschauern durch die Reihen quetscht. Deshalb ist man nicht weniger begierig darauf, sich auf eine Show zu freuen und sich von gro\u00dfen Emotionen bewegen zu lassen.<\/p>\n<p>Warum sollte eine hohe Tanzkunst nur wenigen Zuschauern vorbehalten sein? Was die klassischen Choreografien angeht, werden die K\u00fcnstler, die sie in Vollendung ausf\u00fchren k\u00f6nnen, ohnehin weniger. Warum sie also nicht vor gro\u00dfem Publikum in einer Olympiahalle pr\u00e4sentieren?\u00a0 Zumal es, wie die \u201eLet\u00b4s dance\u201c-Show von RTL beweist, ein \u00fcberragendes Interesse am Tanz gibt. Auch in diesem Jahr schnitten die Einschaltquoten besser ab als all die anderen Angebote der anderen Sender: von Jugendlichen bis zu den Erwachsenen war die Neugierde gro\u00df. Und die anschlie\u00dfende \u201eLet\u00b4s dance\u201c-Tournee f\u00fchrt selbstverst\u00e4ndlich auch in die Olympiahalle.<\/p>\n<p>Fragt sich nur, wieso zu dieser Tanz-Show mit den Promikandidaten, den allseits erprobten Professionals und der flapsig bis kundige Jury mit Joachim Llambi, Motsi Mabuse und Jorge Gonzales die Massen str\u00f6men, w\u00e4hrend die Zuschauerzahlen bei den regul\u00e4ren Tanzwettbewerben der gro\u00dfen Weltverb\u00e4nde immer sp\u00e4rlicher ausfallen. Den Weltmeister wollen weniger Zuschauer sehen als einen B-Klasse-Promi. Aber das liegt wohl am nachvollziehbaren Show-Effekt von \u201eLet\u00b4s dance\u201c:\u00a0 Der Zuschauer braucht kein Studium, um die Kommentare zu verstehen, er darf in Einspiel-Filmchen dabei sein, wenn es um t\u00e4nzerisches Blut, Schwei\u00df und Tr\u00e4nen geht. Und beim Voting bekommt er eine eigene Stimme.<\/p>\n<p>Das l\u00e4uft in der Ballroom-Szene anders: Alles nach au\u00dfen hin easy, intern aber alles unter Kontrolle und Verschluss. Da fehlt der Fun-Faktor. Und den braucht es schon f\u00fcr ein gr\u00f6\u00dferes Publikum. So ist der Zuschauer nur als Kulisse erw\u00fcnscht &#8211; und das ist ein bisschen wenig.<\/p>\n<p>Fun oder Kunst &#8211; so spitzt sich die Frage zu, die der Zuschauer f\u00fcr sich beantworten muss. Und nat\u00fcrlich will er nicht zwischen allen St\u00fchlen sitzen.<\/p>\n<p>Ute Fischbach-Kirchgraber<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-56886\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/WMcG2_U_134k.jpg\" alt=\"\" width=\"827\" height=\"703\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/WMcG2_U_134k.jpg 827w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/WMcG2_U_134k-300x255.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/WMcG2_U_134k-768x653.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/WMcG2_U_134k-600x510.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 827px) 100vw, 827px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber F\u00fcr und Wider und besondere Publikumserwartungen Ein Kommentar von Ute Fischbach-Kirchgraber Wo kann das Publikum eine Ballett- oder Tanz-Vorf\u00fchrung am besten miterleben? 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