{"id":56820,"date":"2023-06-28T11:25:28","date_gmt":"2023-06-28T11:25:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/?p=56820"},"modified":"2026-04-16T07:25:45","modified_gmt":"2026-04-16T07:25:45","slug":"organismen-als-inspirationsquelle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/organismen-als-inspirationsquelle\/","title":{"rendered":"Organismen als Inspirationsquelle"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Mit Diego Tortellis Tanzurauff\u00fchrung \u201eTerranova\/body maps\u201c im M\u00fcnchner Theater HochX klingt eine tolle Freie-Szene-Serie aus, die so gar nicht geplant war.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie viel hat die Natur mit uns Menschen gemein? Was verbindet uns und unsere digitalen Kommunikationsm\u00f6glichkeiten mit F\u00e4higkeiten von Pflanzen oder Eigenarten aus dem ganz eigenst\u00e4ndigen Reich der Pilze, die weder Pflanze noch Tier sind? Bereits im 19. Jahrhundert, in der \u00c4ra des romantischen Balletts, wurde in St\u00fccken wie Paul Taglionis \u201eTh\u00e9a, ou La F\u00e9e aux Fleurs\u201c die Fl\u00fcchtigkeit von Tanzbewegung mit der Transitorik von Blumen verschr\u00e4nkt und das Auf- und Verbl\u00fchen dargestellt.<\/p>\n<p>Gerade scheint dieses Themenfeld ein wichtiger Inspirationsfaktor f\u00fcr Choreografen der freien Szene zu sein \u2013 und das gewiss nicht erst seit man im sommerlichen M\u00fcnchen das \u201eFlower Power Festival\u201c ausgerufen hat. Dabei werden neue, teils \u00fcberraschende und erst dank innovativer technischer M\u00f6glichkeiten seh- und h\u00f6rbar zu machende Forschungserkenntnisse aufgegriffen und t\u00e4nzerisch umgesetzt. Ein Vorgehen, das \u2013 wie zu beobachten war \u2013 tolle k\u00fcnstlerische Kraft entfalten, Schrittvokabular ver\u00e4ndern und unser Bild vom gar nicht so einzigartig \u00fcberlegenen Menschsein ganz konkret und noch dazu herrlich abstrakt zurechtr\u00fccken kann.<\/p>\n<p><strong>\u201eWitness\u201c von V\u011bra Ondra\u0161\u00edkov\u00e1<\/strong><\/p>\n<p>So legte das koreanische Duo \u201eZinada\u201c seiner Auseinandersetzung mit Heimat und dem Verwurzeln fernab einer solchen in seiner Fr\u00fchjahrs-Produktion \u201eHuabun\u201c [siehe Kurzkritik im Tanzportal Bayern] (\u00fcbersetzt \u201eTopfpflanze\u201c) das einschl\u00e4gige Fachbuch \u201eDie Intelligenz der Pflanzen\u201c zugrunde. Und V\u011bra Ondra\u0161\u00edkov\u00e1, eine junge Choreografin aus Prag, sorgte im Rahmen des diesj\u00e4hrigen DANCE-Festivals nicht nur f\u00fcr ein sensationelles Performance-Erlebnis, sondern vermochte mittels ihrer Produktion \u201eWitness\u201c eindrucksvoller als jeder verbale Appell ins Bewusstsein der Zuschauer einzugraben, dass der Mensch durch den Raubbau an B\u00e4umen letztendlich sich selbst vernichtet.<\/p>\n<p>Ondra\u0161\u00edkov\u00e1 setzte Licht und Nebel als Effektmittel ein, um eine gigantische, das Publikum gleichsam verschlingende dreidimensionale Raumwirkung zu erschaffen. Drei T\u00e4nzer \u2013 einer davon blieb durchgehend unsichtbar \u2013 bewegten sich selbst sowie baumgro\u00dfe \u00c4ste und kleinere Zweige. Es knarzte, Holz barst und krachte. Die M\u00e4nner verhalfen der an sich toten B\u00fchnen-Natur in einem faszinierenden Zusammenspiel zu neuer Lebendigkeit und verschmolzen immer mehr mit ihr. Feuerrote Adern pulsierten pl\u00f6tzlich in den Baumteilen. Trockeneis wurde zum Buschbrand und ein Laser-Meer mutierte zur alles ertr\u00e4nkenden, z\u00e4hgrauen Flut. Arme, K\u00f6pfe und Ge\u00e4st tauchten auf und versanken wieder. Gesch\u00f6pfe der Natur und Naturgewalten wurden hier extrem bildhaft und absolut faszinierend in Szene gesetzt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-56827\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/GHP8-Flora-5-23-HalleE-cMCCM-ChristopheMaitrejean-5868-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/GHP8-Flora-5-23-HalleE-cMCCM-ChristopheMaitrejean-5868-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/GHP8-Flora-5-23-HalleE-cMCCM-ChristopheMaitrejean-5868-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/GHP8-Flora-5-23-HalleE-cMCCM-ChristopheMaitrejean-5868-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/GHP8-Flora-5-23-HalleE-cMCCM-ChristopheMaitrejean-5868-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/GHP8-Flora-5-23-HalleE-cMCCM-ChristopheMaitrejean-5868-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/GHP8-Flora-5-23-HalleE-cMCCM-ChristopheMaitrejean-5868-600x400.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<figure id=\"attachment_56824\" aria-describedby=\"caption-attachment-56824\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-56824\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/GHP8-Flora-5-23-HalleE-cMCCM-ChristopheMaitrejean-5095-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/GHP8-Flora-5-23-HalleE-cMCCM-ChristopheMaitrejean-5095-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/GHP8-Flora-5-23-HalleE-cMCCM-ChristopheMaitrejean-5095-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/GHP8-Flora-5-23-HalleE-cMCCM-ChristopheMaitrejean-5095-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/GHP8-Flora-5-23-HalleE-cMCCM-ChristopheMaitrejean-5095-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/GHP8-Flora-5-23-HalleE-cMCCM-ChristopheMaitrejean-5095-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/GHP8-Flora-5-23-HalleE-cMCCM-ChristopheMaitrejean-5095.jpg 1912w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-56824\" class=\"wp-caption-text\">Flora \u00a9 Christopher Maitrejean<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201e<strong>Flora\u201c von Matteo Carvone<\/strong><\/p>\n<p>V\u00f6llig anders wiederum n\u00e4herte sich Matteo Carvone in seiner Tanzperformance \u201eFlora\u201c dem Lebenskosmos der Pflanzen. Sein Ansatz war, regelrecht einzutauchen in das andersartig und nicht hierarchisch funktionierende \u00d6kosystem und es choreografisch zu erkunden \u2013 schlicht, emotional-bildhaft und nachvollziehbar. Als Ausgangspunkt dienten schon im Vorfeld wissenschaftlich neu herausgefundene Fakten \u00fcber die keineswegs blo\u00df stumme Kommunikation zwischen Gew\u00e4chsen: Ultraschallwellen, die von Pflanzen in Notzust\u00e4nden ausgesendet werden und durch Anpassung ihrer Frequenz nun f\u00fcr das menschliche Ohr auch im Prolog und Soundtrack w\u00e4hrend der Vorstellung \u201eFlora\u201c zu h\u00f6ren sind.<\/p>\n<p>Von Gasteig-Chef Max Wagner eigens damit beauftragt, ein Highlight zum \u201eFlower Power Festival\u201c f\u00fcr die gro\u00dfe Halle E des HP 8 zu erarbeiten, pr\u00e4sentierte der italienische T\u00e4nzer und Choreograf eine famos recherchierte, teils sehr humorvolle und im Zusammenspiel von medialer Digitalit\u00e4t und Live-Performance hyperaufwendige Produktion, die bei den Zuschauern fabelhaft gut ankam. Ein \u00e4lterer Herr meinte anschlie\u00dfend sogar, nie zuvor h\u00e4tte er sein Innerstes derart nach au\u00dfen gest\u00fclpt erlebt. Gut so, denn im besten Fall bringt schlie\u00dflich jeder eigene Erfahrungen, Stimmungen und Assoziationen in ein hierzu geeignetes Theatererlebnis mit ein.<\/p>\n<p>Matteo Carvones vier Interpreten bespielen eine von H\u00f6fen unterbrochene Plattform aus teppichbedeckten Tischen. Sie f\u00fchren quasi ein faseriges, Sonne und Gewitter mehr oder weniger gern ausgesetztes Eigenleben, bei dem sie sich immer wieder zu Paaren oder Gruppen formieren, einmal beschwingt ihre Unterschenkel gemeinsam baumeln lassen oder sich wurzelgleich in verborgene, unterirdische R\u00e4ume und G\u00e4nge verkriechen. \u00dcber Live-Kameras, die das expressiv wie bewegungsmotorisch starke Performer-Kleeblatt Clara Cafiero, Cristian Cucco, David Pallant und Francesco Saverio Cavaliere jeweils Szene f\u00fcr Szene neu justieren, wird alles Bewegen und Interagieren im Quasi-Erdreich unter den Tischen bzw. ein Miteinander-Verwachsen im Liegen am Boden sichtbar \u2013 unmittelbar \u00fcbertragen auf vier riesige, hoch \u00fcber dem B\u00fchnenset aufgeh\u00e4ngte Bildschirme.<\/p>\n<p>Auf diese Weise werden spontane \u2013 manchmal vom Zuschauer erst verz\u00f6gert wahrgenommene \u2013 Perspektivwechsel erzeugt. Man hat die Qual der Wahl, den drei T\u00e4nzern und ihrer Kollegin zu folgen oder mit den Augen am sich passagenweise von Screen zu Screen fortsetzenden Geschehen h\u00e4ngen zu bleiben. Zeit-, Orts- und Realit\u00e4tsebenen verschwimmen. Organische Kl\u00e4nge, die Komponist Antoine Bertin eigens im Botanischen Garten, seinen Gew\u00e4chsh\u00e4usern und von dort Besch\u00e4ftigten eingefangen hat, unterst\u00fctzen zus\u00e4tzlich das Gef\u00fchl, beim Betrachten dieser Auff\u00fchrung ruhig seine Gedanken schweifen lassen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Gleich zu Beginn wird man in einer filmischen \u2013 noch vom eigentlichen Auff\u00fchrungsbereich abgetrennten \u2013 Installation von Protagonisten begr\u00fc\u00dft, denen sonor-sanfte Klicklaute unterlegt sind. Sie moven kaum, bewegen sich weich und thematisieren unter anderem das Klima. Die Kommunikationsger\u00e4usche der Pflanzen hat Carvone in seinem Prolog direkt mit ihren Gesichtern verkn\u00fcpft. Der Loop dauert f\u00fcnf Minuten. Dann tritt man ein in die Welt der Photosynthese betreibenden Gesch\u00f6pfe, die Carvone vor uns choreografisch so nah und fremd zugleich ausgebreitet hat.<\/p>\n<figure id=\"attachment_56821\" aria-describedby=\"caption-attachment-56821\" style=\"width: 909px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-56821\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Tortelli-Wurm-TERRANOVA-I-body-maps_press-photos-by-Franz-Kimmel_01-909x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"909\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Tortelli-Wurm-TERRANOVA-I-body-maps_press-photos-by-Franz-Kimmel_01-909x1024.jpg 909w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Tortelli-Wurm-TERRANOVA-I-body-maps_press-photos-by-Franz-Kimmel_01-266x300.jpg 266w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Tortelli-Wurm-TERRANOVA-I-body-maps_press-photos-by-Franz-Kimmel_01-768x866.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Tortelli-Wurm-TERRANOVA-I-body-maps_press-photos-by-Franz-Kimmel_01-1363x1536.jpg 1363w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Tortelli-Wurm-TERRANOVA-I-body-maps_press-photos-by-Franz-Kimmel_01-1817x2048.jpg 1817w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Tortelli-Wurm-TERRANOVA-I-body-maps_press-photos-by-Franz-Kimmel_01-300x338.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Tortelli-Wurm-TERRANOVA-I-body-maps_press-photos-by-Franz-Kimmel_01-600x676.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 909px) 100vw, 909px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-56821\" class=\"wp-caption-text\">\u201eTerranova\/body maps\u201c, Ch. Diego Tortelli \u00a9 Franz Kimmel<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_56823\" aria-describedby=\"caption-attachment-56823\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-56823 size-large\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Tortelli-Wurm-TERRANOVA-I-body-maps_press-photos-by-Franz-Kimmel_03-1024x680.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"680\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Tortelli-Wurm-TERRANOVA-I-body-maps_press-photos-by-Franz-Kimmel_03-1024x680.jpg 1024w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Tortelli-Wurm-TERRANOVA-I-body-maps_press-photos-by-Franz-Kimmel_03-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Tortelli-Wurm-TERRANOVA-I-body-maps_press-photos-by-Franz-Kimmel_03-768x510.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Tortelli-Wurm-TERRANOVA-I-body-maps_press-photos-by-Franz-Kimmel_03-1536x1021.jpg 1536w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Tortelli-Wurm-TERRANOVA-I-body-maps_press-photos-by-Franz-Kimmel_03-2048x1361.jpg 2048w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Tortelli-Wurm-TERRANOVA-I-body-maps_press-photos-by-Franz-Kimmel_03-600x399.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-56823\" class=\"wp-caption-text\">\u201eTerranova\/body maps\u201c, Ch. Diego Tortelli \u00a9 Franz Kimmel<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>\u201eTerranova\/body maps\u201c von Diego Tortelli<\/strong><\/p>\n<p>In seiner j\u00fcngsten Kreation \u201eTerranova\/body maps\u201c setzt Diego Tortelli dem noch eins an Abstraktion drauf. L\u00e4nger schon besch\u00e4ftigt ihn das uns Menschen weltweit vernetzende Ph\u00e4nomen Internet und die M\u00f6glichkeiten der nonverbalen Kommunikation. Jetzt ist er einen Schritt weiter in Richtung organischer Interaktionsmechanismen gegangen: In einem technisch sehr herausfordernden Duett hat er t\u00e4nzerisch veranschaulicht, dass Zellen (Hyphen) Beziehungen eingehen k\u00f6nnen dank sogenannter Myzelien. Pflanzen tauschen mit diesen fadenf\u00f6rmigen, sich weit im Boden verzweigenden Pilzgeflechten \u00fcber weite Entfernungen hin Informationen aus.<\/p>\n<p>Wie aber reagiert das menschliche Innere auf eine derartige vegetative Symbiose? \u201eTerranova\/body maps\u201c experimentiert eindr\u00fccklich mit imagin\u00e4rer Mimikry, mit Anpassung durch Verwandlung und dem Ablegen gew\u00f6hnlicher, stereotypischer Bewegungen. Floorwork und extreme Cambr\u00e9s, l\u00e4ngeres Innehalten, Ruckartigkeit, Pausieren in abartigen Verbiegungen, das Ann\u00e4hern von einer Hand zur anderen, ein g\u00e4nzliches voneinander Entfernen und Ber\u00fchrungen werden de facto \u00fcberf\u00fchrt in ein v\u00f6llig neu und sozusagen unbewusst gedachtes Vokabular.<\/p>\n<p>Anfangs durchschneidet eine gr\u00fcne Lichts\u00e4ule das Dunkel. Sie strahlt wie durch ein Grottenloch von der Decke herab bis zum schwarzen Grund. Zwei Gestalten in neongr\u00fcnen, zu Mustern geschlitzten Tops und in schwarzen Hosen kauern dort: Minouche van de Ven und Beno\u00eet Couchot. Sie sind ein Wahnsinnspaar, das \u2013 aus anthropologischer Sicht \u2013 zu keiner Sekunde als ein menschliches Doppel agiert. Vielmehr lassen sie uns einfach die Kraft und Energie von irgendwie zielgerichteten Existenzen sp\u00fcren, die keine lesbaren Emotionen zeigen, sich aber im verschatteten, beeindruckend changierenden Ambiente einer sie halbkreisf\u00f6rmig umgebenden Lichtkathedrale behaupten und stetig an Boden gewinnen.<\/p>\n<p>Van de Ven und Couchot schieben ihre Handr\u00fccken ins Helle. Jeder von ihnen klebt einmal hinten im Abseits wie ein Gecko an der Wand. Es braucht seine Zeit, bis sie sich f\u00fcr eine Weile aus der Bauchlage in den Stand erheben. Ihre Hauptarena ist das von den mobilen Laserspots begrenzte Rund. Deren Lichtkegel zaubern immer wieder imposante Architekturgebilde in die Luft. Das ist eine tolle Show f\u00fcr sich, und es ergeben sich bildlich sch\u00f6ne Stimmungen und Eindr\u00fccke. Man mag sie als Verl\u00e4ufe von Nacht- und Tageszeiten oder Jahres- respektive Wetterzyklen deuten \u2013 zumal sp\u00e4ter Nebel mit der erneut gr\u00fcn vertikal einfallenden Lichtschneise in die scheinbar abgeschottete Welt str\u00f6mt. Die T\u00e4nzer beginnen mit einem ihrer Arme zu kreisen: ein Windm\u00fchleffekt zu sph\u00e4risch anmutender Musik, der sich fast bis zum Ende hinzieht. Der Nebel sinkt, verdichtet sich, Schatten verl\u00e4ngern die Arme ins Unendliche. Im Hintergrund \u00f6ffnet sich kurz ein Schlund. Zur\u00fcck bleiben zwei Wesen im dumpfig grauen Raum. Begeisterter Applaus f\u00fcr eine gelungene Fusion von Natur und Tanz in einer gigantischen Lichtskulptur.<\/p>\n<p><em>Vesna Mlakar<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Diego Tortellis Tanzurauff\u00fchrung \u201eTerranova\/body maps\u201c im M\u00fcnchner Theater HochX klingt eine tolle Freie-Szene-Serie aus, die so gar nicht geplant war. &nbsp; Wie viel hat die Natur mit uns Menschen gemein? 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