{"id":56759,"date":"2023-06-20T09:39:04","date_gmt":"2023-06-20T09:39:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/?p=56759"},"modified":"2026-04-16T07:25:46","modified_gmt":"2026-04-16T07:25:46","slug":"gala-time","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/gala-time\/","title":{"rendered":"Gala Time"},"content":{"rendered":"<p>\u201eTanzArt ostwest\u201c Festival zelebrierte in gleich vier St\u00e4dten in Deutschland das Format der Tanzgala: In Halberstadt, Quedlinburg, Bernrode und Koblenz. Hinzu kam eine f\u00fcnfte Variante im ostbelgischen Eupen dazu. Besonders die Ausgaben in den Harz-St\u00e4dten und in Eupen spiegelten den besonderen Ansatz, Tanzkunst aus L\u00e4ndern zu zeigen, die unter der programmatischen Br\u00fccke \u201eostwest\u201c funktionieren. Werke sowohl aus S\u00fcdchina als auch aus Japan trafen so auf Choreografien aus Belgien, Deutschland, Slowenien und Italien. Das Publikum ersp\u00fcrte in der Vielfalt zeitgen\u00f6ssischer Choreografie eine Vielfalt von Kulturen, Mentalit\u00e4ten und Geschichten.\u00a0Einen fast intimen Auftakt gestalteten in Quedlinburg Anri Hirota und Ginjo Sakai von der Japan Contemporary Dance Company. Ganz allein tauchte die T\u00e4nzerin auf der B\u00fchne auf, in \u00e4rmellosem Shirt und wei\u00dfer Jogginghose, und malte nur wenige Bewegungen in die Luft: eine Hand in den Nacken. Weite Armkreise. Eine Bodenrolle. Es sind Bewegungen, die von der psychischen Anwesenheit eines anderen erz\u00e4hlen. Davon, dass er schon l\u00e4ngst im K\u00f6rper ihrer Figur ist. Davon, wie durchl\u00e4ssig sie ist. Als sie zu zweit auf der B\u00fchne waren, erz\u00e4hlte dieses kleine, aber beeindruckende Duett mit wenigen, pr\u00e4gnanten synchronen Bewegungen und klaren Gesten von einer toxischen Beziehung. Zu befreien vermochte sich die Frau nicht. Wieder legte er ihr am Schluss die Hand in den Nacken.<\/p>\n<p>Ebenso gro\u00dfartig das Duett \u201eLe Regarde que je garde pour moi\u201c von Irene Kalbusch von der Cie. Irene K in Eupen. Auch Ilke Teerlinck betrat alleine die B\u00fchne, im blaugebl\u00fcmten M\u00e4dchenkleid und Ledertanzschuhen, die Haare offen. Seitlich hatte Shana Mpunga mit seinen Trommeln Platz genommen. Die folgenden Szenen waren so gestaltet dass man, angetrieben von den Schl\u00e4gen von Mpungas Hand auf die Drums, haupts\u00e4chlich \u00a0Teerlincks F\u00fc\u00dfen in den Schuhen folgte. Sie wirkte authentisch und zugleich puppenhaft. Assoziativ dockte man an jene signifikanten Frauenfiguren an, die in M\u00e4rchen in Schuhen tanzten oder tanzen mussten, auch wenn dieses St\u00fcck hier eine andere Geschichte erz\u00e4hlt: eine vitale, sonnendurchflutete Liebesbeziehung. Denn als Gold Mayanga in lockerem Hemd, Hose und barfu\u00df auftauchte, sieht er sie und tanzt mit ihr.<\/p>\n<p><em>Fotos: \u00a9 Rolf K. Wegst<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_56761\" aria-describedby=\"caption-attachment-56761\" style=\"width: 768px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-56761\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/tanzart-close-qlb-rkw-230610-09022-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"768\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/tanzart-close-qlb-rkw-230610-09022-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/tanzart-close-qlb-rkw-230610-09022-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/tanzart-close-qlb-rkw-230610-09022-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/tanzart-close-qlb-rkw-230610-09022-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/tanzart-close-qlb-rkw-230610-09022-300x400.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/tanzart-close-qlb-rkw-230610-09022-600x800.jpg 600w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/tanzart-close-qlb-rkw-230610-09022-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-56761\" class=\"wp-caption-text\">&#8220;SO CLOSE&#8221;, Japanese Contemporary Dance Company, Ch. Paul Julius mit Anri Hirota, Ginjo Sakai<\/p>\n<p><\/figcaption><\/figure>\n<p>Mayanga hebt Teerlinck, tr\u00e4gt sie, wirft sie. Leicht wie das Schlagen von Schmetterlingsfl\u00fcgeln zeigen sich die verschiedenen Phasen einer starken Liebe. Ber\u00fchrt und atemlos verfolgte man, wie die Frische der gefundenen Hebungen und Bewegungen und deren klare Orchestrierung in Gesten, Blicke, N\u00e4he, Moves und Flows das Duett tragen. Chen Yufei von der Shenzen Arts Company in S\u00fcdchina entf\u00fchrte anschlie\u00dfend in eine andere Welt. Gro\u00df, schmal und athletisch bewegt sie sich zu h\u00e4mmernden Beats wie ein Insekt am Boden. Markant: Man sieht ihr Gesicht nicht. Stattdessen blickt man auf einen knallroten Kreis mit einer runden Erhebung. Auf ihrem K\u00f6rper entdeckt man rote Streifen. Was zun\u00e4chst geheimnisvoll wirkt, f\u00fchrt am Ende zu einem Gef\u00fchl von Betroffenheit. Das eigent\u00fcmliche Solo f\u00fchrt, aus europ\u00e4ischer Perspektive, das Schwinden von Individualit\u00e4t vor. Eine \u00e4hnliche atheltische Spannung kennzeichnete auch \u201eThematisch in dieselbe Kerbe schl\u00e4gt die dramaturgisch intelligent gearbeitete Kreation \u201eSine Tactu\u201c der Compagnia Atacama aus Rom. Drei Frauen und ein Mann in wei\u00dfen wehenden R\u00f6cken drehen sich l\u00e4chelnd wie die Derwische des 21. Jahrhunderts im Kreis, nur f\u00fchrt ihr Weg nicht in die Transzendenz, sondern in die digitale Selbstbespiegelung. Denn irgendwann z\u00fcckt einer von ihnen, Nicholas Baffoni, das Handy und filmt. Auch die andere T\u00e4nzerin filmt sich. Statt Tanz zu sehen, schaut man zu, wie sie sich selbst betrachten. Zum Schluss des St\u00fcckes, das immer wieder in seine kreisende Gruppenbewegung zur\u00fcckfindet, bleibt einer alleine zur\u00fcck und schaut erwartungsvoll ins Publikum: ein Teufelskreis.<\/p>\n<figure id=\"attachment_56762\" aria-describedby=\"caption-attachment-56762\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-56762\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/tanzart-irene-hbs-rkw-230609-05933-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/tanzart-irene-hbs-rkw-230609-05933-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/tanzart-irene-hbs-rkw-230609-05933-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/tanzart-irene-hbs-rkw-230609-05933-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/tanzart-irene-hbs-rkw-230609-05933-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/tanzart-irene-hbs-rkw-230609-05933-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/tanzart-irene-hbs-rkw-230609-05933-600x400.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-56762\" class=\"wp-caption-text\">&#8220;Le regard que je garde pour moi&#8221;, Ch. Irene Kalbusch mit Gold Mayanga und Ilke Teerlinck<\/p>\n<p><\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_56763\" aria-describedby=\"caption-attachment-56763\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-56763\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/tanzart-schwanensee-bbg-rkw-230611-05030-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/tanzart-schwanensee-bbg-rkw-230611-05030-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/tanzart-schwanensee-bbg-rkw-230611-05030-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/tanzart-schwanensee-bbg-rkw-230611-05030-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/tanzart-schwanensee-bbg-rkw-230611-05030-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/tanzart-schwanensee-bbg-rkw-230611-05030-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/tanzart-schwanensee-bbg-rkw-230611-05030-600x450.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-56763\" class=\"wp-caption-text\">&#8220;Schwanensee&#8221;, Ballett von Sergei Vanaev mit\u00a0Miyu Fukagawa, Davide Gentilini<\/p>\n<p><\/figcaption><\/figure>\n<p>Auf pure Trommelschl\u00e4ge setzt das slowenische Ensemble Alma Mater Europea seine Kreation \u201eColores mecum port\u201c. Inspiriert von Werken des Malers Joze Kotar z\u00fcndeten die drei T\u00e4nzerinnen eine unverst\u00e4ndliche, wenn auch kraftvolle Kreation, die vor allem archaisch wirkte. Nur die Choreografie von Laura Corradi \u201eVita, Morte e Mracoli\u201c \u00fcber Bilder und Visionen von Pier Paolo Pasolini fiel im wegen zu Schw\u00fclstigkeit und mangeldner Stringenz in der Choreografie ab. Neoklassischen Stil bot Steffen Fuchs in dem Duett \u201eSkin\u201c, das dann doch, ohne den Kontext des ganzen St\u00fcckes, dem es entnommen wurde, \u201eThe sad Park\u201c etwas aus der Zeit gefallen wirkte. Ebenso ambivalent wirkte die zeitgen\u00f6ssisch-ironische Interpretation des Pas de deux zwischen Odile und Prinz Siegfried in \u201eSchwanensee\u201c vom Ballett Plauen-Zwickau. So pr\u00e4zise vor allem Miyu Fukawa tanzte, verstand man nicht, warum sie in einem altmodisch wirkenden Gouvernanten-Kost\u00fcm tanzte. Im Gegenzug dazu begeisterte wieder Tarek Assam mit Ausschnitten aus \u201eWinterreise\u201c und einem M\u00e4nnderduett aus seiner \u201eBergpredigt\u201c-Choreografie \u201eOratio in Danza\u201c: \u00dcberraschenden Wendungen und unverbrauchten Bewegungen kennzeichnen seinen Stil. Den Vogel schossen schlie\u00dflich die zw\u00f6lf T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzer der Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste ab. Sie tanzten in halber Besetzung Nadav Zelner verr\u00fcckt wirkendes St\u00fcck \u201eSunscreen\u201c, kreiert 2022. Alle gekleidet in gelbe Tops und Unterhosen und meistens synchron tanzend fuhren sie in irrem Tempo mit einer Choreografie auf, die weder die Zehen, noch die Finger noch die Mimiken verschonte. \u00dcberkandidelt, Jung, frech und \u00fcberkandidelt, voller Zitate auf synchron orchestrierte gesellschaftliche Gruppenbilder wogte das St\u00fcck feixend und wie kichernd \u00fcber die B\u00fchne \u2013 \u201efast dance\u201c statt \u201efast food\u201c. Zum Schluss standen sie dicht und wild strahlend beieinander &#8211; in klirrendem Gelb.<\/p>\n<p>Alexandra Karabelas<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eTanzArt ostwest\u201c Festival zelebrierte in gleich vier St\u00e4dten in Deutschland das Format der Tanzgala: In Halberstadt, Quedlinburg, Bernrode und Koblenz. Hinzu kam eine f\u00fcnfte Variante im ostbelgischen Eupen dazu. Besonders die Ausgaben in den Harz-St\u00e4dten und in Eupen spiegelten den besonderen Ansatz, Tanzkunst aus L\u00e4ndern zu zeigen, die unter der programmatischen Br\u00fccke \u201eostwest\u201c funktionieren. 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