{"id":56561,"date":"2023-05-09T13:16:25","date_gmt":"2023-05-09T13:16:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/?p=56561"},"modified":"2026-04-16T07:25:47","modified_gmt":"2026-04-16T07:25:47","slug":"tanz-auf-der-rasierklinge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/tanz-auf-der-rasierklinge\/","title":{"rendered":"TANZ AUF DER RASIERKLINGE: \u00dcBERTRAINING"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Professionelles Niveau oder chronische \u00dcberbelastung?<\/strong><\/h3>\n<h5>Etwa zwei Drittel aller Tanzverletzungen sind auf eine \u00dcberbeanspruchung zur\u00fcckzuf\u00fchren, so Jacqui Greene Haas in ihrem Buch \u201eDance Anatomy\u201c<em>. <\/em>Diese Tatsache verwundert kaum, schlie\u00dflich trainieren T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzer regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber ihre Belastungsgrenze hinaus. Mehrere tanzmedizinische und sportwissenschaftliche Studien aus den vergangenen Jahrzehnten zeigten ebenfalls, dass T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzer besonders anf\u00e4llig f\u00fcr \u00dcbertraining sind.<\/h5>\n<p>In der Trainingswissenschaft bezeichnet \u00dcbertraining den Zustand, in dem \u00fcber einen kontinuierlichen Zeitraum die Trainingsbelastung gleich hoch bleibt, das Leistungsniveau jedoch stetig sinkt. Im Grunde ist es ein Zustand extremer k\u00f6rperlicher \u00dcberlastung.<\/p>\n<p>In der \u201eTrainingsbibel f\u00fcr Triathleten\u201c schreibt Joe Friel: \u201eUm diesen bedauernswerten Zustand [\u00dcbertraining, TB] zu erreichen, muss man so extrem motiviert sein, dass man auch angesichts merklicher Anzeichen nachlassender Gesundheit und \u00fcberw\u00e4ltigender Ersch\u00f6pfung immer weitertrainiert.\u201c Teils erschrocken, teils resigniert musste ich feststellen, dass T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzer genau das \u00fcberwiegend tun. Nur m\u00fcsste \u201eextrem motiviert\u201c erg\u00e4nzt werden durch unabl\u00e4ssigen Leistungsdruck aufgrund von:<\/p>\n<ul>\n<li>Auditions<\/li>\n<li>Befristeten Vertr\u00e4gen<\/li>\n<li>Pr\u00fcfungen<\/li>\n<li>Proben<\/li>\n<li>Vorstellungen<\/li>\n<li>Konkurrenzdruck<\/li>\n<\/ul>\n<p>sowie die altbekannte Weisheit \u201edance through your pain\u201c, die, einmal inhaliert, sich bis in die kleinste Alveole der Lunge ausbreitet und dort hartn\u00e4ckig festsetzt.<\/p>\n<p>Problematisch ist es allerdings, dass es dennoch nicht so einfach ist, die Diagnose \u00dcbertraining zu stellen. In der Tanzmedizin spricht man von einem Ursachenkomplex, da viele Faktoren meistens im Zusammenspiel zu \u00dcbertraining f\u00fchren. Die Symptome sind oft individuell, manchmal widerspr\u00fcchlich (Appetitlosigkeit und Hei\u00dfhunger) und \u00e4u\u00dfern sich h\u00e4ufig durch Ersch\u00f6pfung, Technikverlust, sinkende Leistung, Schlafst\u00f6rungen und Verletzungen. Sie sind jedoch nicht sehr spezifisch und k\u00f6nnen auch andere Gr\u00fcnde haben. Es m\u00fcssten also zun\u00e4chst andere Ursachen und Erkrankungen ausgeschlossen werden, bevor \u00dcbertraining in Betracht kommt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-56563\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Canva-Unrecognizable-graceful-ballet-dancer-resting-on-floor_Kristina-Polianskaia-1024x765.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"765\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Canva-Unrecognizable-graceful-ballet-dancer-resting-on-floor_Kristina-Polianskaia-1024x765.jpg 1024w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Canva-Unrecognizable-graceful-ballet-dancer-resting-on-floor_Kristina-Polianskaia-300x224.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Canva-Unrecognizable-graceful-ballet-dancer-resting-on-floor_Kristina-Polianskaia-768x574.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Canva-Unrecognizable-graceful-ballet-dancer-resting-on-floor_Kristina-Polianskaia-1536x1147.jpg 1536w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Canva-Unrecognizable-graceful-ballet-dancer-resting-on-floor_Kristina-Polianskaia-2048x1530.jpg 2048w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Canva-Unrecognizable-graceful-ballet-dancer-resting-on-floor_Kristina-Polianskaia-600x448.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p>Wie also l\u00e4sst sich \u00dcbertraining vermeiden? Leichtes Training kann pauschal nicht die L\u00f6sung sein und ist auch realit\u00e4tsfremd. Schlie\u00dflich ist eine progressive \u00dcberbelastung eines der Kernprinzipien f\u00fcr den Aufbau von Fitness und f\u00fcr die Steigerung des Leistungsniveaus. Der K\u00f6rper muss also in einem bestimmten Zeitraum einer hohen Trainingsbelastung ausgesetzt sein, um Muskelkraft, Koordination, Muskelausdauer und Technik zu erarbeiten. Es kommt demnach auf ein ausgewogenes Verh\u00e4ltnis zwischen Belastung und Regeneration im Training an.<\/p>\n<p>Eine ausgewogene Trainingsplanung oder ein periodisiertes Tanztraining schaffen die besten Voraussetzungen, um den K\u00f6rper nicht einer chronischen \u00dcberlastung auszusetzen. Matthew Wyon stellt dabei folgende Aspekte aus seiner Forschung im professionellen Tanztraining heraus: Innerhalb eines Trainingszeitraums von mehreren Wochen m\u00fcssen sich der Stundenumfang und die Trainingsintensit\u00e4t abwechseln zwischen Phasen der Belastung und der Entlastung. Auch ein einzelner Trainingstag sollte nach diesem Schema aufgebaut sein, damit kein \u201eworking overload\u201c entsteht. Unmittelbar vor einer Performance sollte der Trainingsumfang ebenfalls heruntergefahren werden, um eine optimale Leistung auf der B\u00fchne erbringen zu k\u00f6nnen. In einem periodisierten Tanztraining kommt es auf Qualit\u00e4t statt Quantit\u00e4t an. Diese Trainingsplanung verlangt viel Austausch zwischen allen Beteiligten und muss regelm\u00e4\u00dfig an die T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzer angepasst werden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-56564\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/pexels-tim-gouw-1398622-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/pexels-tim-gouw-1398622-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/pexels-tim-gouw-1398622-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/pexels-tim-gouw-1398622-768x513.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/pexels-tim-gouw-1398622-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/pexels-tim-gouw-1398622-2048x1367.jpg 2048w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/pexels-tim-gouw-1398622-600x400.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p>Die Verantwortung liegt also nicht nur bei den T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzern selbst, sondern auch bei P\u00e4dagoginnen und P\u00e4dagogen, Choreografinnen und Choreografen. Denn sie haben nicht nur die Aufgabe, herauszufordern und zu motivieren, sondern m\u00fcssen auch das Risiko gut einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen und ihre Trainings- und Probenplanung dementsprechend gestalten.<\/p>\n<p>Es ist wie ein Tanz auf der Rasierklinge, das richtige Ma\u00df an gesunder und effektiver Trainingsbelastung zu finden, aber diese Weitsicht und methodische Planung lohnt sich f\u00fcr die Tanzszene und das Publikum.<\/p>\n<p>Tatjana BASOW<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Professionelles Niveau oder chronische \u00dcberbelastung? Etwa zwei Drittel aller Tanzverletzungen sind auf eine \u00dcberbeanspruchung zur\u00fcckzuf\u00fchren, so Jacqui Greene Haas in ihrem Buch \u201eDance Anatomy\u201c. Diese Tatsache verwundert kaum, schlie\u00dflich trainieren T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzer regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber ihre Belastungsgrenze hinaus. 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