{"id":56539,"date":"2023-05-09T07:21:14","date_gmt":"2023-05-09T07:21:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/?p=56539"},"modified":"2026-04-16T07:25:47","modified_gmt":"2026-04-16T07:25:47","slug":"abendliche-taenze-beim-tanztheater-ulm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/abendliche-taenze-beim-tanztheater-ulm\/","title":{"rendered":"\u201eAbendliche T\u00e4nze\u201c beim Tanztheater Ulm"},"content":{"rendered":"<h3>Das gro\u00dfe Gl\u00fcck zum Abschied beim Tanztheater Ulm<\/h3>\n<p>Angekommen? Gestrandet? Am Ziel? Am Ende aller Irrungen und Wirrungen der gew\u00e4hlten und der nicht gew\u00e4hlten Lebenswege?<\/p>\n<p>Von Beginn an stellt der neue Abend des Tanztheaters Ulm unter dem Motto \u201eAbendliche T\u00e4nze\u201c von Reiner Feistel mit der gro\u00dfartigen Kompanie vor allem Fragen. Und das ist auch gut so. G\u00e4be es m\u00f6gliche Antworten, dann wohl vor allem in den Gedanken und Erinnerungen der Zusehenden, deren Horizonte individueller Wahrnehmung sich dadurch weit \u00f6ffnen. Und so durchzieht eine Abfolge sch\u00f6nster Gl\u00fccksmomente diese abendlichen T\u00e4nze.<\/p>\n<p>Da sind zun\u00e4chst vor allem drei Kompositionen, die jeweils h\u00f6chste Anforderungen an das Orchester stellen. Ganz zu schweigen von denen an den t\u00e4nzerischen Dialog in optischer Korrespondenz zu r\u00e4umlichen Assoziationen des choreografischen Zusammenklanges.<\/p>\n<p><em>Fotos: Sylvain Guillot<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-56541\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/5G3A0044-1024x617.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"617\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/5G3A0044-1024x617.jpg 1024w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/5G3A0044-300x181.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/5G3A0044-768x462.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/5G3A0044-600x361.jpg 600w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/5G3A0044.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p>Der Dirigent Felix Bender vermag es so grandios wie einf\u00fchlsam, dabei in h\u00f6chster Aufmerksamkeit f\u00fcr den Tanz, die Mitglieder des Philharmonischen Orchesters der Stadt Ulm bei der Auswahl so anspruchsvoller Werke zu f\u00fchren. Unterschiedlicher k\u00f6nnen sie kaum sein, vor allem in die\u00a0 erg\u00e4nzenden Dialoge der Kl\u00e4nge und des Tanzes. So werden selbst bei bet\u00f6renden Passagen au\u00dferordentlicher Klangsch\u00f6nheit auch Widerspr\u00fcche h\u00f6rbar. Zudem beschreitet diese Folge der drei Kompositionen einen Weg, dem es ja auch an klangexistenziellen Untiefen nicht fehlt. Was mit Sergej Rachmaninows sinfonischer Dichtung, \u201eDie Toteninsel\u201c &#8211; inspiriert durch das Gem\u00e4lde von Arnold B\u00f6cklin &#8211;\u00a0 beginnt, geht bei hoher Sensibilit\u00e4t des Streicherklanges \u00fcber in Charles Ives kurze Komposition mit programmatischem Titel, \u201eThe Unanswered Question\u201c. Nach der Pause, in g\u00e4nzlich anderen Dimensionen der Kl\u00e4nge, die \u201eVierte Sinfonie\u201c von Gustav Mahler. Im letzten Satz kommt die menschliche Stimme hinzu. Das Sopransolo der wunderbaren Solistin Maria Rosendorfsky mit einem Lied aus der Sammlung \u201eDes Knaben Wunderhorn\u201c. Der Gesang auf den Genuss \u201ehimmlischer Freuden\u201c, was aber hier, der Tanz macht es m\u00f6glich, ganz irdisch zu verstehen ist.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-56542\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/5G3A0249-1024x528.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"528\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/5G3A0249-1024x528.jpg 1024w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/5G3A0249-300x155.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/5G3A0249-768x396.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/5G3A0249-600x309.jpg 600w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/5G3A0249.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-56543\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/5G3A9978-1024x665.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"665\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/5G3A9978-1024x665.jpg 1024w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/5G3A9978-300x195.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/5G3A9978-768x499.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/5G3A9978-370x240.jpg 370w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/5G3A9978-600x390.jpg 600w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/5G3A9978.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p>Frank Fellmanns Raumkomposition im Licht von Marcus Denk und Grebing ist zun\u00e4chst in gewisser Anlehnung an B\u00f6cklins Gem\u00e4lde die bildhafte Assoziation einer Insel. Un\u00fcbersehbar, hier aber die Boote angekommener Menschen, deren Entscheidung aussteht: Bleiben oder Ablegen. Dann, zu den Kl\u00e4ngen nicht zu beantwortender Fragen menschlicher Existenzen, leuchtet eine ferne Landschaft auf. Das Licht ist tr\u00fcgerisch. Zu Gustav Mahlers Musik kann sich die Landschaft verdunkeln, unergr\u00fcndliche Weite und Tiefe assoziieren, und doch gleich darauf wieder \u00fcppig bl\u00fchende Zeichen der Hoffnung setzten. Und dennoch, bald werden sich \u00fcber den T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzern, zum Gesang jener \u201eHimmlischen Freuden\u201c, nur f\u00fcr sie einsehbare B\u00fccher an seidenen F\u00e4den senken. Dar\u00fcber dann, in dunkler Bedrohlichkeit, ein alle und alles umschlie\u00dfendes Haus. Angekommen, zu Hause? Oder, auch das ist m\u00f6glich, noch einmal davon gekommen? Der Vorhang senkt sich. Der Tanz geht weiter. So bleiben diesen abendlichen T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzern alle Wege offen.<br \/>\nT\u00e4nzerisch \u00fcberzeugen die vier T\u00e4nzerinnen und f\u00fcnf T\u00e4nzer dieses Tanztheaters von Reiner Feistel vor allem durch die hohe Sensibilit\u00e4t ihrer sehr individuellen Musikalit\u00e4t, die jeweils \u00fcbergeht in die bewegende Melodik der K\u00f6rper.<\/p>\n<p>Ber\u00fchrend erwachen die Bewegungen aus Stille und Dunkel, werden zu intensiven Dialogen der Einzelnen, untereinander oder mit der Gruppe. Immer wieder ergeben sich t\u00e4nzerische Bewegungen individuellen Widerstandes, auch im \u00dcbergang zu Szenen der Heiterkeit, des Humors, faunischer Freude, vor allem gro\u00dfer Lust am Spiel. Wer hat hier den Hut auf, wer tr\u00e4gt den Rock, wer hat die Hosen an. Auf Momente des t\u00e4nzerischen \u00dcberschwanges folgen auch jene der stillen Poesie des Abschiedes,\u00a0 in t\u00e4nzerischer Auseinandersetzung\u00a0 mit sich selbst. Als verinnerlichten sie die Ferne der Landschaft im Dialog mit den Kl\u00e4ngen, gerade bei Mahlers Musik, mit den Erkundungen eigener Landschaften pers\u00f6nlicher Existenzen. Immer aber, das ist bestimmend f\u00fcr diese abendlichen T\u00e4nze, geerdet, auf blo\u00dfen F\u00fc\u00dfen. Und immer wieder Humor, etwa wenn T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzer, jeweils bei feinstem Augenzwinkern, einander die R\u00e4ume \u00fcberlassen. Mitunter aber, in so ber\u00fchrenden wie verst\u00f6renden Bildern der sich aufreihenden Gruppe, kommen Erinnerungen an steinerne Bilder mittelalterlicher Totent\u00e4nze. Hier aber l\u00f6sen sie sich auf, in T\u00e4nze des Lebens, jener abendlichen T\u00e4nze eben, mit denen sich nach f\u00fcnf Jahren Reiner Feistel als Direktor des Tanztheaters Ulm verabschiedet: Und wie gesch\u00e4he dies besser, als in der Poesie des Zusammenklanges der Musik, des Tanzes und der R\u00e4ume in wechselndem Licht, immer im Sinne jener letztlich nie zu beantwortenden Fragen, wer bin ich, wer bist du, bist du ich, bin ich du, wer und was sind wir.<\/p>\n<p>Fragen, wie geschaffen f\u00fcr den Tanz, denn der Tanz gibt letztlich keine Antworten, sonst beg\u00e4nne der Stillstand. Ja nat\u00fcrlich, auf die T\u00e4nze des Abends und des Abschieds folgen die des Morgens und des Neubeginns, auch beim Tanztheater in Ulm.<\/p>\n<p>Boris Gruhl<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das gro\u00dfe Gl\u00fcck zum Abschied beim Tanztheater Ulm Angekommen? Gestrandet? Am Ziel? 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