{"id":54075,"date":"2022-01-04T16:36:44","date_gmt":"2022-01-04T16:36:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/?p=54075"},"modified":"2026-04-16T07:28:58","modified_gmt":"2026-04-16T07:28:58","slug":"im-pas-de-deux-mit-messersschneide","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/im-pas-de-deux-mit-messersschneide\/","title":{"rendered":"Im Pas de deux mit Messersschneide\u2026"},"content":{"rendered":"<h2>Tanzmedizin mit\u00a0 ta.med<\/h2>\n<p>Was Werkzeugpflege mit Profitanz zu tun hat:<\/p>\n<p>Stellen wir uns einen erfolgreichen Sternekoch vor: er ist leidenschaftlich und kreativ, begeistert seine G\u00e4ste mit feiner und edler K\u00fcche. Penibel geschnitten, millimetergenau drapiert, appetitlich angerichtet bilden diese Kreationen einen Augen- und Gaumenschmaus. Dies gelingt sicherlich durch hochwertige Produkte und mutig-neue Kompositionen. Doch ist eine der Essenzen in der Sternek\u00fcche die Art und Weise des Schnitts und der Verarbeitung. Ohne Zweifel ben\u00f6tigt dieser Koch professionelles und verl\u00e4ssliches Werkzeug. Messer, die gef\u00e4hrlich scharf jeden K\u00fcrbis in kleinste St\u00fcckchen schneiden k\u00f6nnten, bilden die Grundvoraussetzung f\u00fcr das Kochhandwerk. Nicht umsonst sagt man, die Messer eines Kochs sind sein Heiligtum und dabei nicht nur von materiellem Wert. Sie werden in eigenen Taschen aufbewahrt und transportiert, t\u00e4glich gereinigt und behutsam geschliffen. Mit einem minderwertigen Messer k\u00f6nnte er keine gute Arbeit verrichten, seinem Sch\u00f6pfertum keinen freien Lauf lassen. Mit einem schlechten Messer l\u00e4sst sich nun mal schwierig schneiden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_54077\" aria-describedby=\"caption-attachment-54077\" style=\"width: 2500px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-54077\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/AndreasStommel_0922.jpg\" alt=\"\" width=\"2500\" height=\"1667\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/AndreasStommel_0922.jpg 2500w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/AndreasStommel_0922-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/AndreasStommel_0922-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/AndreasStommel_0922-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/AndreasStommel_0922-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/AndreasStommel_0922-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/AndreasStommel_0922-600x400.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 2500px) 100vw, 2500px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-54077\" class=\"wp-caption-text\">Fotos: Andreas Stommel w\u00e4hrend der Behandlung<br \/>\u00a9 Bonner Zentrum f\u00fcr Ambulante Rehabilitation GmbH<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Langlebigkeit dieses Messers versiegt, sobald es falsch oder unzureichend gepflegt wurde. Jedes gute Werkzeug ben\u00f6tigt die entsprechende Pflege und Wartung. Doch wie behandeln wir \u201eWerkzeug\u201c aus Fleisch und Blut? Das ein schlagendes Herz in sich tr\u00e4gt und viele Muskeln, Sehnen und Knochen versorgt, die unerm\u00fcdlich funktionieren m\u00fcssen? Sportler*innen haben nur ein \u201eWerkzeug\u201c: ihren K\u00f6rper. Dabei denken wir schnell an fitte Fu\u00dfballer oder Athlet*innen bei Olympia. Ihre \u201eWerkstatt\u201c f\u00fchren sie stets mit sich; ein Team aus \u00c4rzt*innen, Therapeut*innen, Ern\u00e4hrungsberater*innen und Personal Coaches reist von Ort zu Ort mit, um die n\u00f6tige Rundum-Versorgung zu gew\u00e4hrleisten. Nur so k\u00f6nnen sie die entsprechenden Leistungen erbringen.<\/p>\n<p>T\u00e4nzer*innen sind ebenfalls Hochleistungssportler*innen, und auch ihre K\u00f6rper sind ihr einziges \u201eWerkzeug\u201c. Wie sieht es aber mit ihrer \u201eSchleifstatt\u201c aus? Andreas Stommel ist Physiotherapeut und betreut Tanz-TV-Produktionen wie \u201eLet\u2019s Dance\u201c oder \u201eDance Dance Dance\u201c, B\u00fchnenshows wie \u201eMagic of the Dance\u201c oder das Musical \u201eBeat it\u201c. Au\u00dferdem betreut er Ballettkompanien wie die der Deutschen Oper am Rhein und ehemals das Deutsche Fernsehballett. Er begleitet Tourneen von namenhaften S\u00e4nger*innen wie Helene Fischer, Andrea Berg oder Vanessa Mai und gibt dort auf ihre T\u00e4nzer*innen und deren Gesundheit Acht. Doch leider nur, soweit es die Umst\u00e4nde erlauben. Die Kompanie des Balletts am Rhein ist dankbar, dass es \u00fcberhaupt Physiotherapeuten vor Ort gibt; im 30-Minuten-Rhythmus sind Physiotherapeuten mindestens drei Mal die Woche zwischen 11 und 18 Uhr anwesend und versuchen die m\u00fcden und teilweise besch\u00e4digten \u201eWerkzeuge\u201c der Akteur*innen zu reparieren. Doch diese Zeit ist viel zu kurz, um eine fachlich fundierte Anamnese zu stellen und Krankheitszusammenh\u00e4nge ber\u00fccksichtigen zu k\u00f6nnen. Dass die Pflege des Werkzeugs entscheidend f\u00fcr seine erfolgreiche und langlebige Nutzung ist, haben wir bereits festgestellt. Und wenn wir nun einen menschlichen K\u00f6rper als Werkzeug betrachten, das t\u00e4glich Hochleistung vollbringt, sollte dieses lebende Instrument doch erst recht besonders viel Beachtung, Behandlung und Inspektion erhalten. Wieso besch\u00e4ftigen viele Tanzkompanien jedoch weder Physiotherapeut*innen noch erm\u00f6glichen sie ihren T\u00e4nzer*innen regelm\u00e4\u00dfige Kontrollbesuche bei medizinischem Fachpersonal? Nach wie vor sieht die T\u00e4nzer*innenlobby mager aus, und Vereine wie ta.med \u2013 Tanzmedizin Deutschland e. V. wollen ihnen ein Sprachrohr sein und Missst\u00e4nde sichtbar machen: Die T\u00e4nzer*innengesundheit steht \u2013 anders als in anderen Profi-Sportarten \u2013 nicht an erster Stelle. Der Druck der Intendant*innen, Choreograf*innen und Ballettmeister*innen setzt nicht nur ihnen zu. Auch Andreas Stommel sp\u00fcrt den stressigen Probenalltag eines Tanzensembles; zwischen Proben- und Trainingspausen k\u00f6nnen zwar kurze physiotherapeutische Behandlungen eingeschoben werden, um das schlimmste zu verhindern. Sehen Verletzungsfolgen aber Schonung und Belastungspausen vor, damit eine Heilung \u00fcberhaupt gelingen kann, st\u00f6\u00dft der Physiotherapeut an seine Grenzen. Den T\u00e4nzer*innen droht der Verlust ihrer Rolle oder sie f\u00fcrchten g\u00e4nzlich um ihre Engagements.<\/p>\n<p>Ihr Versicherungsstatus wird ihnen zus\u00e4tzlich zum Verh\u00e4ngnis, da sie meist \u00fcber die KSK (K\u00fcnstersozialkasse) versichert sind und lange auf Fach\u00e4rzt*innentermine f\u00fcr z.B. kurzfristig ben\u00f6tigte MRT-Bilder warten m\u00fcssen. (Bild s\/w T\u00e4nzerin R\u00fccken) Ihre Gesundheit steht wahrlich auf Messers Schneide, denn der hohe Anspruch der Choreografien belastet und \u00fcberlastet meist unvermeidbar ihren Bewegungsapparat; repetitive Beanspruchung durch unz\u00e4hlige Proben und Auff\u00fchrungen hinterlassen ihre Spuren, wenn Shows und St\u00fccke f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit gleichbleiben. Sind bereits vorher muskul\u00e4re Dysbalancen vorhanden, ist es fast unm\u00f6glich, echte Wiederherstellungsarbeit zu leisten \u2013 selbst f\u00fcr erfahrene Pysiotherapeut*innen wie Andreas Stommel. Was folgt, sind Schulter-Nacken-Verspannungen, H\u00fcftbeschwerden, Schmerzen in den F\u00fc\u00dfen, Knien und im Lendenwirbel-Bereich. Die h\u00e4ufigste Ursache ist dabei nach wie vor die fehlende Pr\u00e4vention: Das Messer muss geschliffen werden, bevor es \u201everstumpft\u201c \u2013 sonst ist dieses kostbare Werkzeug schnell zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Die physische Gesundheit von T\u00e4nzer*innen bedarf offensichtlich h\u00f6herer Priorisierung, eine Optimierung dieser Situation scheint mit Blick auf andere Profi-Sportarten nicht unerreichbar, sofern sich der Fokus endlich ver\u00e4ndert! Doch unser geliebter Tanz ist t\u00fcckisch, denn die fiktive M\u00fche- und Schwerelosigkeit, die uns daran so fasziniert, verschleiert die harte Wirklichkeit, die sich hinter den Schwei\u00dfperlen in den l\u00e4chelnden Gesichtern auf der B\u00fchne verbirgt.<\/p>\n<p>Sara Wankm\u00fcller<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tanzmedizin mit\u00a0 ta.med Was Werkzeugpflege mit Profitanz zu tun hat: Stellen wir uns einen erfolgreichen Sternekoch vor: er ist leidenschaftlich und kreativ, begeistert seine G\u00e4ste mit feiner und edler K\u00fcche. Penibel geschnitten, millimetergenau drapiert, appetitlich angerichtet bilden diese Kreationen einen Augen- und Gaumenschmaus. Dies gelingt sicherlich durch hochwertige Produkte und mutig-neue Kompositionen. 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