{"id":53593,"date":"2021-09-29T15:17:07","date_gmt":"2021-09-29T15:17:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/?p=53593"},"modified":"2026-04-16T07:29:02","modified_gmt":"2026-04-16T07:29:02","slug":"eine-tanzreise-durch-das-welttheater-des-universums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/eine-tanzreise-durch-das-welttheater-des-universums\/","title":{"rendered":"Eine Tanzreise durch das Welttheater des Universums"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Ballett am Rhein in D\u00fcsseldorf hat die Gastchoreographinnen Twyla Tharp und Aszure Barton eingeladen, zwei St\u00fccke \u00fcber das Leben, Begegnungen und Menschlichkeit auf die B\u00fchne zu bringen.<\/strong><\/p>\n<p>Ein Trio tr\u00e4gt hoch \u00fcber dem Kopf menschengro\u00dfe, leichte Sternobjekte \u00fcber die B\u00fchne. Dazu eine sich steigernde Melodie mit einem klopfenden, monotonen Rhythmus. Alles flie\u00dft dahin und greift ineinander wie die Zahnr\u00e4der eines Uhrwerks. Es ist die Reise eines Helden, ausdrucksvoll verk\u00f6rpert von Eric White, der das Licht der Welt erblickt und sich durch Menschengruppen k\u00e4mpft, die ihm auf seinem Lebensweg begegnen. An seiner Seite steht ihm die bezaubernde Feline van Dijken als starke Begleiterin bei. Zeit und Jugend, getanzt von Dukin Seo und Evan L\u2019Hirondelle erinnern den Helden an seine Verg\u00e4nglichkeit. Die voller Lebensfreude tanzende Gemeinschaft wird erst gest\u00f6rt, als der Demagoge, ausdrucksstark umgesetzt von Orazio di Bella, auf die B\u00fchne tritt und die Weltordnung mit seinem Gefolge durcheinanderbringt und mit dem B\u00f6sen konfrontiert. Als Konstante gibt es den Nordstern als geographische Orientierung am hell erleuchteten Sternenhimmel. Der Nordstern, getanzt von Julio Morel, verl\u00e4sst die B\u00fchne nie, er k\u00e4mpft mit seiner inneren Welt und nimmt nicht an der B\u00fchnenhandlung teil. Meditativ versunken, nimmt der T\u00e4nzer die anderen um sich herum kaum wahr. W\u00e4hrend T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzer um ihn herumwirbeln, zeigt Morel mit enormer Ausdauer und Ausdruckskraft, tranceartige, pulsierende Bewegungen aus seiner K\u00f6rpermitte heraus. \u201eCommentaries on the Floating World\u201c von Twyla Tharp ist eine universelle Geschichte. Hier werden abstrakte und narrative Elemente miteinander verwoben. Die B\u00fchne wird zu einem Welttheater im gro\u00dfen Universum, das Zeit, Chaos und Raum beinhaltet. Die Harmonie bringen die H\u00fcter der Ordnung, getanzt von Lara Delfino, Nelson Lop\u00e9z Garlo und Kauan Soares, die stets versuchen, alles wieder ins Gleichgewicht zu bringen.<br \/>\nKurz vor ihrem 80. Geburtstag hat die immer noch quirlige Grande Dame f\u00fcr das Ballett am Rhein eine passende Urauff\u00fchrung kreiert. Per Video-Live-Schalte studierte Twyla Tharp von New York aus mit den T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzern der neu zusammengesetzten Compagnie die Choreographie ein. Zu Terry Rileys ber\u00fchmter Minimal Komposition \u201eIn C\u201c ist ein dynamisch belebtes St\u00fcck entstanden: eine universelle Geschichte \u00fcber das Leben, eine Heldenreise durch Chaos und Struktur, durch eine sich in Bewegung befindende Welt, in der jeder seinen Weg finden muss. Die Compagnie Ballett am Rhein hat diese Geschichte mitrei\u00dfend und voller Energie umgesetzt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_53594\" aria-describedby=\"caption-attachment-53594\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-53594 size-large\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Barton_Come_In_Foto_6_-Bettina_Stoess-1024x709.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"709\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Barton_Come_In_Foto_6_-Bettina_Stoess-1024x709.jpg 1024w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Barton_Come_In_Foto_6_-Bettina_Stoess-300x208.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Barton_Come_In_Foto_6_-Bettina_Stoess-768x532.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Barton_Come_In_Foto_6_-Bettina_Stoess-1536x1064.jpg 1536w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Barton_Come_In_Foto_6_-Bettina_Stoess-2048x1419.jpg 2048w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Barton_Come_In_Foto_6_-Bettina_Stoess-600x416.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-53594\" class=\"wp-caption-text\">Aszure Barton \u201eCome In\u201c: Gustavo Carvalho \u00a9 Bettina St\u00f6\u00df<\/figcaption><\/figure>\n<p>In dem zweiten St\u00fcck des Abends \u201eCome in\u201c von der kanadischen Choreographin Aszure Barton geht es sanfter zu. Eine erhobene Hand, ein suchender Zeigefinger, der Griff an die Kehle oder unters Kinn. Zw\u00f6lf T\u00e4nzer sitzen auf St\u00fchlen oder stehen, schauen sich achtsam an oder blicken gemeinsam in eine Richtung. Die T\u00e4nzer strahlen Ruhe aus. Sie kommen und gehen in einem flie\u00dfendem Rhythmus. So wie im Leben, das von Ankommen und Fortgehen, Geburt und Tod gepr\u00e4gt ist. \u201eCome in\u201c wirkt wie eine Einladung, Menschen sowie sich selbst achtsam kennenzulernen. Das St\u00fcck l\u00e4sst Raum f\u00fcr individuellen Ausdruck und ein harmonisches Miteinander. Jeder Charakter f\u00fcgt sich wie ein Steinchen in das gro\u00dfe Tanzmosaik ein und macht es zu einem gro\u00dfartigen Gesamtbild. Ganz leicht und authentisch darf sich hier jeder T\u00e4nzer aus \u00fcber 20 Nationen der noch jungen Compagnie von Demis Volpi pr\u00e4sentieren und tr\u00e4gt somit seine individuelle Handschrift zum St\u00fcck bei. Die gemeinsame Sprache, die hier gesprochen wird, ist der Tanz. Es gibt viele Wiederholungen in dieser Choreographie, die bewegt und sowohl musikalisch als auch t\u00e4nzerisch das Herz ber\u00fchrt. Franziska Fr\u00fch spielt die Violine mit Ausdauer und viel Gef\u00fchl. Die kanadische Choreographin Aszure Barton schuf als erste \u201eChoreographer in Residence\u201c am Baryshnikov Art Center in New York das St\u00fcck \u201eCome In\u201c 2006 f\u00fcr den Ballettstar Mikhail Baryshnikov und die Hell\u2019s Kitchen Dance Company. Die Choreographie wurde f\u00fcr das Ballett am Rhein adaptiert. Zur Musik von Vladimir Martynov hat Barton eine poetisch leise, aber dringlich nachwirkende Arbeit in die Welt gesetzt. Die zw\u00f6lf T\u00e4nzer vom Ballett am Rhein zeigen in diesem St\u00fcck keine t\u00e4nzerische Hochakrobatik, aber sie schreiben mit ihrem individuellen Ausdruck Poesie, die im Herzen bleibt.<\/p>\n<p>Viola Gr\u00e4fenstein<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Ballett am Rhein in D\u00fcsseldorf hat die Gastchoreographinnen Twyla Tharp und Aszure Barton eingeladen, zwei St\u00fccke \u00fcber das Leben, Begegnungen und Menschlichkeit auf die B\u00fchne zu bringen. Ein Trio tr\u00e4gt hoch \u00fcber dem Kopf menschengro\u00dfe, leichte Sternobjekte \u00fcber die B\u00fchne. Dazu eine sich steigernde Melodie mit einem klopfenden, monotonen Rhythmus. 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