{"id":53231,"date":"2021-05-25T17:44:03","date_gmt":"2021-05-25T17:44:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/?p=53231"},"modified":"2026-04-16T07:29:05","modified_gmt":"2026-04-16T07:29:05","slug":"corona-als-chance-fuer-die-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/corona-als-chance-fuer-die-zukunft\/","title":{"rendered":"Corona als Chance f\u00fcr die Zukunft?"},"content":{"rendered":"<p>Je l\u00e4nger das Coronavirus unsere Gesellschaft lahmlegt und alle Kulturtempel, B\u00fchnen und Tanzparketts geschlossen bleiben, desto klarer zeichnet sich ab, dass es nicht um ein \u201eWeiter so\u201d gehen kann, wann immer auch die Epidemie dank Impfstrategie es zulassen sollte. Was unterschwellig schon l\u00e4nger sp\u00fcrbar war, tritt nun als gro\u00dfer Riss zutage: t\u00e4nzerisches Business als usual trifft nicht mehr den Nerv der Zeit.<\/p>\n<p>Wenn auf dem Ballroom-Sektor die gro\u00dfen Weltverb\u00e4nde seit Jahren einen verbitterten Streit miteinander f\u00fchren, nur um bei sinkenden Turniert\u00e4nzer-Zahlen ihren Besitzstand zu wahren, gef\u00e4hrdet das die gesamte Tanzszene und dient keineswegs einer besseren Akzeptanz bei den begehrten Jugendlichen. Wer will sich schon auf Gedeih und Verderb Institutionen ausliefern, die geifernd mit immer mehr Regelwerk ihre T\u00e4nzer ma\u00dfregeln und sich untertan machen, die gar Tanzverbote aussprechen, die nichts mit dem Wesen des Tanzens an sich zu tun haben, wie das leider &#8211; wir haben wiederholt dar\u00fcber berichtet &#8211; bei einem der Welttanzverb\u00e4nde, der World Dancesport Federation, vorgekommen ist.<\/p>\n<p>Wenn nun zwar endlich eine Tanzart, der Breakdance, wirklich olympische Weihen bekommt und nicht wie Standard- und Lateintanzen bei den World Games ausgetragen wird, so zahlt diese doch als alternativ und extrem innovativ angetretene Tanzart einen hohen Preis. Sie muss sich in Clubs und Verb\u00e4nden organisieren und einem Reglement beugen &#8211; wie sonst g\u00e4be es denn internationale Vergleichbarkeit. Das ist das Ende der Freiheit von Breakdance.<\/p>\n<p>Passen die Vorgaben des letzten Jahrhunderts denn noch in eine sich wandelnde Zeit? Die Antwort darauf kann nur Nein lauten. Tanz hat sich im Laufe der Geschichte immer wieder gewandelt und neu erfunden. Vom sakralen Urgrund der rauschhaften Bacchanalien hat die k\u00fcnstlerische Bewegungsfreude ihren religi\u00f6sen Bezug \u00fcberwunden und ist zu einem gesellschaftlichen Ph\u00e4nomen geworden. Sie hat sich vom h\u00f6fischen Leben eines Sonnengottes bescheinen lassen und ist im Ballett zu einer H\u00f6chstform gediehen, von der wir immer noch fasziniert sind.<\/p>\n<p>Petipa und sein \u201eSchwanensee\u201c sind zu einem Synonym f\u00fcr eine Tanzwelt geworden, die bis in unsere Tage reicht. Doch nach der extremen Entwicklung des Balletts durch Petipa in die h\u00f6chste Spitzentanz-Verfeinerung hinein gehen Ballett und Tanz zunehmend neue Wege. Man verliert sich heute nicht mehr in m\u00e4rchenhafter Romantik. Es werden auch nicht immer Geschichten erz\u00e4hlt, sondern Tanz wird zunehmend als \u201eErkenntnis-Instrument\u201c begriffen.<\/p>\n<p>Man sucht sich Themen, die auch der Verstand nicht zwingend ergr\u00fcnden kann, von der anderen Seite her &#8211; vom K\u00f6rpergef\u00fchl &#8211; zu n\u00e4hern. Jeder Schritt l\u00f6st ja im Tanzenden und im aufmerksamen Betrachter Gef\u00fchle aus. So m\u00f6chte man das Unsagbare f\u00fchlbar machen. Dann hat Tanz eine \u201ekathartische\u201c Wirkung, wie weiland das klassische Theater. Es verwundert nicht, dass sich in einer zunehmend s\u00e4kularisierten Welt viele Choreografien auf die Suche nach Gott begeben.<\/p>\n<p>Tanz kann mehr als nur das Auge erfreuen. Er kann moderne Zerrissenheit schmerzlich f\u00fchlbar machen. Der Normalfall ist heutzutage der vereinzelte Mensch, der darauf getrimmt ist, nur den eigenen Vorteil wahrzunehmen, und durch seine Gier zum berechenbaren Wesen wird, zum Futter f\u00fcr Algorithmen. Auch das thematisiert moderner Tanz. Menschen werden zu Pixelm\u00e4nnchen. An die Stelle von Gef\u00fchlen tritt Brutalit\u00e4t, vor allem, wenn es um Zwischenmenschliches geht.<\/p>\n<p>Aber in und mit dem Tanz kann man auch das Ideal einer Harmonie erleben. Ballroom-Paare &#8211; wir wissen das &#8211; k\u00f6nnen fliegen. Die Sehnsucht, zur\u00fcckzukehren zu einem magischen Idealzustand, ist gro\u00df und begl\u00fcckend.<\/p>\n<p>Doch warum sollte man gezwungen sein, sich zu entscheiden? Es kann doch alles zugleich stattfinden. Und es kann zus\u00e4tzlich etwas ganz Neues entstehen, wenn man es denn zul\u00e4sst, dass die Genres und Formen durchl\u00e4ssig werden. Statt gegeneinander sollte man miteinander antreten. Warum sollten sich nicht Performance-K\u00fcnstler, die die virtuellen Welten schon viel weiter durchdrungen haben als die B\u00fchnen- und Tanzparkettk\u00fcnstler, zusammentun und neue M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen?<\/p>\n<p>Man sollte sich neuen Segmenten \u00f6ffnen und nicht Besitzstand wahrend auf \u201emindere\u201c Tanzarten herabblicken. \u00dcberall gibt es Spannendes zu entdecken, das sich dann durchaus auch wieder k\u00fcnstlerisch veredeln l\u00e4sst. So gesehen ist Petipa auch nur die Spitze des Tanzschuhs.<\/p>\n<p><em>Ute Fischbach-Kirchgraber<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Je l\u00e4nger das Coronavirus unsere Gesellschaft lahmlegt und alle Kulturtempel, B\u00fchnen und Tanzparketts geschlossen bleiben, desto klarer zeichnet sich ab, dass es nicht um ein \u201eWeiter so\u201d gehen kann, wann immer auch die Epidemie dank Impfstrategie es zulassen sollte. 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