{"id":53150,"date":"2021-05-20T10:12:29","date_gmt":"2021-05-20T10:12:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/?p=53150"},"modified":"2026-04-16T07:29:06","modified_gmt":"2026-04-16T07:29:06","slug":"solitude-von-mario-schroeder-das-leipziger-ballett-im-live-stream","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/solitude-von-mario-schroeder-das-leipziger-ballett-im-live-stream\/","title":{"rendered":"\u201eSolitude\u201c von Mario Schr\u00f6der: Das Leipziger Ballett im Live-Stream"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich war die Premiere im vergangenen Herbst. Aber erlebt haben \u201eSolitude\u201c wohl nur die wenigsten, zumindest nicht in der Interpretation des Leipziger Balletts. Pandemiebedingt, war die Platzangebot ohnehin schon reduziert, und als kurz darauf der n\u00e4chste Lockdown folgte, war an eine weitere Auff\u00fchrung der Choreografie nicht mehr zu denken. Eigentlich eine Situation zum Verzweifeln, f\u00fcr Mario Schr\u00f6der indes ein Ansporn, es allen Widrigkeiten zum Trotz ein weiteres Mal zu versuchen. Eine zweite Premiere also, diesmal als Livestream, eine Premiere, die sich immerhin 48 Stunden lang sehen lassen konnte.<\/p>\n<p><em>Alle Fotos \u00a9 Ida Zenna<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-53153\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/SOLITUDE_GP\u00a9zenna_FB_85A2462.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"667\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/SOLITUDE_GP\u00a9zenna_FB_85A2462.jpg 1000w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/SOLITUDE_GP\u00a9zenna_FB_85A2462-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/SOLITUDE_GP\u00a9zenna_FB_85A2462-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/SOLITUDE_GP\u00a9zenna_FB_85A2462-600x400.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p>Bei \u201eSolitude\u201c handelt es sich nicht um die Schlossanlage unweit von Stuttgart, auf der sich in herzoglichen Zeiten einst eine erste Ballettschule befunden hat. \u201eSolitude\u201c meint hier im urspr\u00fcnglichen Sinne des Wortes \u201eEinsamkeit\u201c \u2013 ob ungewollt oder selbstgew\u00e4hlt, das ist hier die Frage. Kaum dass sich der Vorhang hebt, wird sie auch schon beantwortet. Das Gitterwerk von Paul Zoller, einsch\u00fcchternd in seiner Zellenhaftigkeit, l\u00e4sst einen immer wieder den Lockdown sp\u00fcren, selbst wenn es sich hebt wie zun\u00e4chst in dieser Auff\u00fchrung. Einheitlich gekleidet in wei\u00dfe Overalls und Maskenschutz, zeigt sich das Ensemble als ein wogendes Ganzes, bevor es sich selbst erst die Grenzen setzt, die es sp\u00e4ter gesondert zu \u00fcberwinden gilt: ein beeindruckendes Bild, aus der Schn\u00fcrbodenperspektive vorgestellt, das so wohl nur im Stream seine ornamentale Sch\u00f6nheit ganz entfalten kann.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-53152\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/SOLITUDE_GP\u00a9zenna_FB_85A2568.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"667\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/SOLITUDE_GP\u00a9zenna_FB_85A2568.jpg 1000w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/SOLITUDE_GP\u00a9zenna_FB_85A2568-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/SOLITUDE_GP\u00a9zenna_FB_85A2568-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/SOLITUDE_GP\u00a9zenna_FB_85A2568-600x400.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p>Anderes bleibt bei der Aufzeichnung dagegen eher im Dunkel, und die Totale vermittelt allenfalls andeutend den Eindruck, den man im Theater gewinnen kann. Das ist nat\u00fcrlich schade, weil Schr\u00f6der die Einsamkeit eher im Verlust von Gemeinsamkeit bespiegelt. Sicher, es gibt Soli in \u201eSolitude\u201c. Soweit erlaubt: auch Duette, um das Ber\u00fchrende sichtbar zu machen. Doch eigentlich ist das Ballett eine Gruppenchoreografie in der Nachfolge von Uwe Scholz, der an diesem Abend immer wieder sp\u00fcrbar wird, selbst wenn Mario Schr\u00f6der auf seine Weise choreografiert: weniger klassisch durchgeformt als sein Lehrmeister, daf\u00fcr aber symbolkr\u00e4ftig aufgeladen und geradezu spektakul\u00e4r zwischendurch in seinen Massenformationen vornehmlich zu S\u00e4tzen aus dem \u201eStabat mater\u201c von Antonio Vivaldi, der Schr\u00f6der Musik von Johann Sebastian Bach und Peteris Vasks entgegen setzt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-53154\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/SOLITUDE_GP\u00a9zenna_FB_85A1622.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"667\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/SOLITUDE_GP\u00a9zenna_FB_85A1622.jpg 1000w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/SOLITUDE_GP\u00a9zenna_FB_85A1622-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/SOLITUDE_GP\u00a9zenna_FB_85A1622-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/SOLITUDE_GP\u00a9zenna_FB_85A1622-600x400.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-53155\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/SOLITUDE_GP\u00a9zenna_FB_85A1933.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"667\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/SOLITUDE_GP\u00a9zenna_FB_85A1933.jpg 1000w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/SOLITUDE_GP\u00a9zenna_FB_85A1933-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/SOLITUDE_GP\u00a9zenna_FB_85A1933-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/SOLITUDE_GP\u00a9zenna_FB_85A1933-600x400.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p>Mit der Sinfonie Nr. 5 von Galina Ustvolskaya endet das St\u00fcck nach gut einer Stunde: kein \u201eAmen\u201c, das man so in der Kirche h\u00f6rt; auch kein Schluss, den man so nach dem Vorangegangenen erwarten w\u00fcrde. Schr\u00f6der platziert die f\u00fcnf Musiker, die hier das Gewandhausorchester repr\u00e4sentieren, auf der B\u00fchne &#8211; und Yuriy Mynenko, der wunderbar feine Countertenor aus der Ukraine, singt hier nicht, sondern schleudert sprechend die Gebetworte verzweifelt in den Raum, als wollte er auch akustisch eine Z\u00e4sur setzen. So wie das Mario Schr\u00f6der zuvor sichtbar getan hat, der mit seinem Schreckensszenario die M\u00f6glichkeit nicht ausschlie\u00dft, dass nach dem Ende der Corona-Krise die Situation unserer Gesellschaft anders ist als zuvor.<\/p>\n<p>Hartmut Regitz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich war die Premiere im vergangenen Herbst. Aber erlebt haben \u201eSolitude\u201c wohl nur die wenigsten, zumindest nicht in der Interpretation des Leipziger Balletts. Pandemiebedingt, war die Platzangebot ohnehin schon reduziert, und als kurz darauf der n\u00e4chste Lockdown folgte, war an eine weitere Auff\u00fchrung der Choreografie nicht mehr zu denken. 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