{"id":52555,"date":"2021-01-13T14:00:05","date_gmt":"2021-01-13T14:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/?p=52555"},"modified":"2026-04-16T11:33:37","modified_gmt":"2026-04-16T11:33:37","slug":"online-stream-paradigma-die-lang-erwartete-premiere-beim-bayerischen-staatsballett","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/online-stream-paradigma-die-lang-erwartete-premiere-beim-bayerischen-staatsballett\/","title":{"rendered":"Online Stream: \u201eParadigma\u201c &#8211; Premiere beim Bayerischen Staatsballett"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Das Warten hat sich gelohnt:\u00a0 Drei zeitgen\u00f6ssische Choreographien mit unterschiedlichen Stilen, jeweils aber spitzenm\u00e4\u00dfig getanzt<\/strong><\/h4>\n<p>Dieser Abend, als achte Fortsetzung der M\u00fcnchner Montagsreihe beim Staatsballett, mit jeweils zeitgen\u00f6ssischen Kreationen, beginnt mit der Wiederaufnahme \u201eBroken Fall\u201c von Russell Maliphant zur Musik von Richard Adams im Licht von Michael Hulls in der Einstudierung von Norbert Graf. Maliphants Kreation &#8211; vor 18 Jahren mit Sylvie Guillem uraufgef\u00fchrt &#8211; besticht jetzt grandios durch die Kraft gegenw\u00e4rtiger Pr\u00e4senz der T\u00e4nzerin Jeanette Kakareka und ihrer exzellenten Partner Jinhao Zhang und Jonah Cook. Wie sich hier aus Raum, Klang, Licht und Bewegung eine nahezu kosmisch anmutende Kommunikation in den so intensiven k\u00f6rperlichen Dialogen des Vertrauens, auch im Loslassen und in der somit zu gewinnenden Kraft, sich den Risiken existenzieller Erkundungen des Unbekannten auszusetzen, entwickelt, macht geradezu paradigmatisch erfahrbar, worin die besondere Kraft des Tanzes bestehen kann. In \u201eBroken Fall\u201c geht es um k\u00f6rperliche Dialoge des Vertrauens, N\u00e4he und Ferne. In Variationen der Zuneigung in den wechselnden Konstellationen geht es darum, sich gehalten zu wissen und daraus die Kraft zum Loslassen zu gewinnen. Sich zu erheben, bzw. im Tanz sich erheben zu lassen, sich gehalten zu wissen, selbst f\u00fcr Momente im freien Fall sich von solcher Erfahrung des Vertrauens gehalten zu wissen, solche Vorg\u00e4nnge wandelt diese Choreografie in erstaunliche Bilder kraftvoller Zartheit des Miteinanders dieses Trios, aus dem sich am Ende die T\u00e4nzerin im finalen Solo durch die so gewonnene, innere Kraft ihrer Erfahrungen entfernen kann.<\/p>\n<figure id=\"attachment_52557\" aria-describedby=\"caption-attachment-52557\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-52557\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/PB3_Paradigma_BedroomFolk_Ensemble_c__Wilfried_Hoesl7W1A6876-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/PB3_Paradigma_BedroomFolk_Ensemble_c__Wilfried_Hoesl7W1A6876-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/PB3_Paradigma_BedroomFolk_Ensemble_c__Wilfried_Hoesl7W1A6876-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/PB3_Paradigma_BedroomFolk_Ensemble_c__Wilfried_Hoesl7W1A6876-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/PB3_Paradigma_BedroomFolk_Ensemble_c__Wilfried_Hoesl7W1A6876-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/PB3_Paradigma_BedroomFolk_Ensemble_c__Wilfried_Hoesl7W1A6876-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/PB3_Paradigma_BedroomFolk_Ensemble_c__Wilfried_Hoesl7W1A6876-600x400.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-52557\" class=\"wp-caption-text\">\u201eBedroom Folk\u201c Ch. Sharon Eyal und Gai Behar, Foto Wilfried Hoesl<\/figcaption><\/figure>\n<p>Es folgt \u201eBedroom Folk\u201c von Sharon Eyal und Gai Behar zu minimalistischen Klangvariationen mit herrlichen Anleihen aus der Electro-Club-Dance-\u00c4sthetik im optischen Dialog zu den immer wieder wahrzunehmenden Bewegungszitaten der Street-Art-Dance-Scene ohne in vordergr\u00fcndige, modische breakende Hip-Hoperei zu verfallen. in dieser 2015 beim Nederlands Dans Theater uraufgef\u00fchrten Choreografie zeigt sich geradezu paradigmatisch, welche Chancen zu entdecken sind, wenn exzellent klassisch grundierte T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzer sich in die Bereiche minimalistischer Dynamik t\u00e4nzerischer Exaktheit begeben k\u00f6nnen. So gewinnen hier in der aktuellen M\u00fcnchner Besetzung die vier Paare mit Carollina Bastos, Elisa Mestres, Marta Navarrete Villalba, Verga Segova, Severin Brunhuber, Matteo Dilaghi, Nicholas Losada und Robin Strona eben genau jene Dynamik der Kraft im optischen Zusammenklang der jeweiligen Kraft individueller, t\u00e4nzerischer Pers\u00f6nlichkeit. Erstaunlich, wie sich immer wieder Einzelne aus der Kraft der Gruppe l\u00f6sen um &#8211; vor allem in jenen f\u00fcr die Choreografin so typischen, minimalistischen Exaktheitsvarianten &#8211; so etwas wie immer neue Chancen des t\u00e4nzerischen Selbstvertrauens bei kreativem Ausreizen t\u00e4nzerischer Haltungen zu gewinnen. Die T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzer bestechen durch ihre Eleganz der Exaktheit ohne auch nur im Entferntesten tanztechnisches K\u00f6nnen zu demonstrieren. So k\u00f6nnen einzelne Bildsequenzen auch verst\u00f6rend sein, zudem fehlt es auch nicht an freundlicher Ironie und immer wieder an gewinnendem Humor.<\/p>\n<figure id=\"attachment_52558\" aria-describedby=\"caption-attachment-52558\" style=\"width: 732px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-52558\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/PB9_Paradigma_Chance_of_Rain_Ensemble_c__W._Hoesl_LM0A0096a-732x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"732\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/PB9_Paradigma_Chance_of_Rain_Ensemble_c__W._Hoesl_LM0A0096a-732x1024.jpg 732w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/PB9_Paradigma_Chance_of_Rain_Ensemble_c__W._Hoesl_LM0A0096a-215x300.jpg 215w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/PB9_Paradigma_Chance_of_Rain_Ensemble_c__W._Hoesl_LM0A0096a-768x1074.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/PB9_Paradigma_Chance_of_Rain_Ensemble_c__W._Hoesl_LM0A0096a-1098x1536.jpg 1098w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/PB9_Paradigma_Chance_of_Rain_Ensemble_c__W._Hoesl_LM0A0096a-1465x2048.jpg 1465w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/PB9_Paradigma_Chance_of_Rain_Ensemble_c__W._Hoesl_LM0A0096a-300x419.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/PB9_Paradigma_Chance_of_Rain_Ensemble_c__W._Hoesl_LM0A0096a-600x839.jpg 600w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/PB9_Paradigma_Chance_of_Rain_Ensemble_c__W._Hoesl_LM0A0096a-scaled.jpg 1831w\" sizes=\"auto, (max-width: 732px) 100vw, 732px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-52558\" class=\"wp-caption-text\">\u201eWith a Chance of Rain\u201c Ch. Liam Scarlett, Foto Wilfried Hoesl<\/figcaption><\/figure>\n<p>F\u00fcr ein dramaturgisches Paradigma spricht nicht zuletzt die immer wieder aufblitzende M\u00f6glichkeit assoziativer Verbindungen zum ersten Teil des Abends. Dass zudem die Abfolge der drei St\u00fccke nicht nur unter dem Gesichtspunkt eines m\u00f6glichen Spannungsaufbaus gew\u00e4hlt ist spricht ebenfalls f\u00fcr die St\u00e4rke dramaturgischer Grundierung dieses Abends.<\/p>\n<p>Und wie sich am Ende aber doch so erfreulich wie erstaunlich ergibt, dass die Ausdrucksm\u00f6glichkeiten des Balletts mit seinen unverzichtbaren Techniken l\u00e4ngst nicht ausgesch\u00f6pft sind, zeigt als kr\u00f6nendes Finale Liam Scarletts 2014 in New York beim American Ballet Theatre uraufgef\u00fchrte Choreografie \u201eWith a Chance of Rain\u201c zu sechs Pr\u00e4ludien sowie der Elegie in es-Moll von Sergei Rachmaninov.<\/p>\n<p>Liam Scarlett schuf Raum und Kost\u00fcme, Brad Fields das Licht, Dmitri Mayboroda ist der Pianist, Kirsten McGarrity und Liam Scarlett verantworten die M\u00fcnchner Einstudierung. Die ist gelungen, ohne Wenn und Aber. Ganz aus dem Geist der Musik l\u00e4sst Scarlett f\u00fcr vier Paare poetische Varianten der Zweisamkeit entstehen, immer wieder auf den Grundlagen klassischer Techniken der Variationen, die sich ganz organisch in Dialoge mit gegenw\u00e4rtigen Ausdrucksweisen des Tanzes f\u00fchren lassen. Immer wieder, bei einem H\u00f6chstma\u00df an k\u00f6rperlicher Musikalit\u00e4t, gibt diese wunderbare Leichtigkeit des Tanzes auf der Spitze, der Hebungen, der Variationen von Drehungen und Spr\u00fcngen, ohne auch nur im geringsten Ansatz etwas von unangemessener K\u00fcnstlichkeit erkennen zu lassen. Es gibt ber\u00fchrende Varianten der Einsamkeit zu zweit, des sich Findens und Verlierens in zitierenden Varianten der Kunst des Pas de deux. Es kommt zu \u00fcberraschenden Erfahrungen, etwa zweier T\u00e4nzer, die sich aus dem Dialog mit ihren Partnerinnen l\u00f6sen um \u00fcberraschende Momente gl\u00fccklicher Zuneigung untereinander zu erfahren, aus denen sie mit neu gewonnener Kraft vertrauensvoller Selbsterkenntnis gest\u00e4rkt hervorgehen.<\/p>\n<p>Die so hoffnungsvolle wie erwartungsvolle Poesie des Titels dieser Kreation, \u201eWith a Chance of Rain\u201c,\u00a0 gewinnt ihre Kraft nicht zuletzt durch den Zusammenklang der Melancholie dieser Musik mit jener der wunderbaren T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzer: Elvina Ibraimova, Ksenia Ryzhkova, Lauretta Summerscales und Madison Young, sowie Jonah Cook, Ariel Merkuri, Emilio Pavan und Jinhao Zhang.<\/p>\n<p>Und so erschlie\u00dft sich auch mit dieser Choreografie die Titel des Abends: \u201eParadigma\u201c.<\/p>\n<p>Unbedingt zu erw\u00e4hnen aber die grunds\u00e4tzlich insgesamt doch, trotz einiger St\u00f6rungen der Bildtechnik im ersten Teil, gelungene Umsetzung Bild-, Licht- und klangtechnischer Kunst der online-Wiedergabe. Hier k\u00fcndigen sich paradigmatische Ma\u00dfst\u00e4be an. Und das gilt auch f\u00fcr die so freundliche wie gewinnende und jeweils einladende Moderation dieser Bildschirmpremiere durch den Dramaturgen Serge Honegger.<\/p>\n<p><em>Boris Gruhl\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Warten hat sich gelohnt:\u00a0 Drei zeitgen\u00f6ssische Choreographien mit unterschiedlichen Stilen, jeweils aber spitzenm\u00e4\u00dfig getanzt Dieser Abend, als achte Fortsetzung der M\u00fcnchner Montagsreihe beim Staatsballett, mit jeweils zeitgen\u00f6ssischen Kreationen, beginnt mit der Wiederaufnahme \u201eBroken Fall\u201c von Russell Maliphant zur Musik von Richard Adams im Licht von Michael Hulls in der Einstudierung von Norbert Graf. 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