{"id":52135,"date":"2020-10-11T18:25:29","date_gmt":"2020-10-11T18:25:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/?p=52135"},"modified":"2026-04-16T11:33:39","modified_gmt":"2026-04-16T11:33:39","slug":"ludmilla-naranda-1936-2020-ein-nachruf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/ludmilla-naranda-1936-2020-ein-nachruf\/","title":{"rendered":"Ludmilla Naranda (1936-2020) \u2013 ein Nachruf"},"content":{"rendered":"<p>Die langj\u00e4hrige f\u00fchrende Solistin des Balletts des Staatstheaters am G\u00e4rtnerplatz ist am vergangenen Freitag den Folgen eines Schlaganfalls erlegen, den Sie Ende August beim Einkaufen auf dem M\u00fcnchner Viktualienmarkt erlitten hat. Ludmilla Naranda, die 1936 in der kroatischen Hauptstadt Zagreb geboren wurde, aber den Gro\u00dfteil ihres Lebens und ihre gesamte, jahrzehntelange B\u00fchnenkarriere in Deutschland verbrachte, war ein leuchtendes Beispiel k\u00fcnstlerischer Tugenden wie absoluter Verl\u00e4sslichkeit, ohne R\u00fccksicht auf sich selbst, und dem Mut, etwas Gutem zu dienen, das gr\u00f6\u00dfer ist als das eigene Ego. \u201eIch kann mich nicht erinnern, dass sie jemals krank wurde und eine Vorstellung absagte\u201c, hatte ihr ihr ehemaliger Ballettchef G\u00fcnter Pick zum 80. Geburtstag zurecht nachger\u00fchmt. Mit dessen Vorg\u00e4nger am G\u00e4rtnerplatz Ivan Serti\u0107 \u2013 ihrem choreografierenden Ehemann und Lebensmenschen \u2013 war sie nach Stationen in Frankfurt, Heidelberg, L\u00fcbeck und Wuppertal 1973 nach M\u00fcnchen gekommen.<\/p>\n<p>Als sie sich mit \u00fcber 40 von den Titelrollen verabschieden musste, re\u00fcssierte sie am G\u00e4rtnerplatz noch jahrelang in Charakterpartien und als Ballettmeisterin. Von ihrer urkomischen Stiefschwester in \u201eCinderella\u201c an der Seite von Uschi Heimerer \u2013 Ludmilla gro\u00df und schlank, ihre Partnerin eher klein und rund \u2013 schw\u00e4rmen noch heute alle, die das Gl\u00fcck hatten, diese Produktion in den Siebziger Jahren mitzuerleben. Es stellt eine seltene Ausnahme im T\u00e4nzerberuf dar, dass Ludmilla Naranda \u2013 nach 15 Jahren am Haus zwar unk\u00fcndbar geworden \u2013, dennoch bis zur Verrentung auf der B\u00fchne stehen konnte.<\/p>\n<figure id=\"attachment_52137\" aria-describedby=\"caption-attachment-52137\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-52137\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/ludmil.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/ludmil.jpg 1024w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/ludmil-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/ludmil-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/ludmil-600x400.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-52137\" class=\"wp-caption-text\">Ivan Serti\u0107 und Ehefrau Ludmilla Naranda Foto Christian PGO Zach G\u00e4rtnerplatztheater M\u00fcnchen<\/figcaption><\/figure>\n<p>Mit ihrer ruhigen Ernsthaftigkeit gepaart mit einem stillen, sich im Privaten immer wieder bahnbrechenden, geradezu verschmitzten Humor und viel Neugierde begegnete sie allem Zeitgen\u00f6ssischen in der Kunst \u2013 insbesondere bei Ballett und Tanz. Das Staunen hatte sie \u2013 trotz selbst ungemein Vielerlebtem und -erfahrenem \u2013 nie verloren. Neidlos bewunderte sie die heutigen T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzer f\u00fcr ihre fr\u00fcher f\u00fcr unvorstellbar gehaltenen technischen F\u00e4higkeiten und stimmte darin ein in das Statement der drei Jahre j\u00fcngeren Kollegin Konstanze Vernon (\u20202013): \u201eHeute muss jeder Gruppent\u00e4nzer an einem kleinen Theater das k\u00f6nnen, was zu unserer Zeit nur die Stars draufhatten.\u201c Vor allem von der ungeheuren Entwicklung bei den m\u00e4nnlichen T\u00e4nzern sprach Ludmilla Naranda stets mit gr\u00f6\u00dfter Bewunderung und Respekt. Und das, obwohl sie mit dem Ersten Solisten Erich Zschach \u2013 in Wuppertal und sp\u00e4ter in M\u00fcnchen \u2013 selbst einen herausragenden Partner an ihrer Seite haben durfte.<\/p>\n<p>Zum 150. Jubil\u00e4um des G\u00e4rtnerplatztheaters 2015 steuerte sie zur Videoinstallation im Deutschen Theatermuseum einen \u201eSpruch des Tages\u201c bei, der im Internet noch immer zu sehen und zu h\u00f6ren ist: \u201eIch dachte, nach dem Tanzen gibt es kein Leben mehr. Aber es gibt ein Leben \u2013 auch nach dem Tanzen und nach dem Theater.\u201c Mit steter Herzlichkeit hat Ludmilla Naranda es vorbildlich gelebt! Nun, da das gesamte Theatergenre in der Pandemie um sein Leben ringt, ist sie ihrem erst im Mai 93-j\u00e4hrig verstorbenen Ivan fr\u00fcher gefolgt als gedacht. So stirbt eine Primaballerina. So stirbt ein Mensch.<\/p>\n<p><em>Vesna Mlakar<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die langj\u00e4hrige f\u00fchrende Solistin des Balletts des Staatstheaters am G\u00e4rtnerplatz ist am vergangenen Freitag den Folgen eines Schlaganfalls erlegen, den Sie Ende August beim Einkaufen auf dem M\u00fcnchner Viktualienmarkt erlitten hat. 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