{"id":51642,"date":"2020-06-09T15:32:31","date_gmt":"2020-06-09T15:32:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/?p=51642"},"modified":"2026-04-16T11:33:42","modified_gmt":"2026-04-16T11:33:42","slug":"uber-tanz-ausbildung-heute-ein-beitrag-zum-diskurs-staatliche-ballettschule-berlin-von-arila-siegert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/uber-tanz-ausbildung-heute-ein-beitrag-zum-diskurs-staatliche-ballettschule-berlin-von-arila-siegert\/","title":{"rendered":"\u00dcber Tanz-Ausbildung heute &#8211; Ein Beitrag zum Diskurs Staatliche Ballettschule Berlin von Arila Siegert"},"content":{"rendered":"<p>Kunstmachen ist ein Akt, die innere, unsichtbare Welt sichtbar zu machen und sie ins Verh\u00e4ltnis zum Jetzt und Heute zu setzen.\u00a0 Dazu braucht es Mut, Selbstvertrauen und Ausdauer.<\/p>\n<p>Angst und Hemmungen zu \u00fcberwinden, aus sich herauszugehen, sich und damit sein Instrument, den eigenen K\u00f6rper, in st\u00e4ndiger Korrekturbereitschaft zu halten und sich einem hohen Leistungsanspruch auszusetzen, das bedeutet: T\u00e4nzer, K\u00fcnstler werden\/sein.<\/p>\n<p>Die Pers\u00f6nlichkeit spielt dabei eine entscheidende Rolle. Der T\u00e4nzer ist unzertrennlich mit seinem Instrument, dem K\u00f6rper, und seinem ganzen Sein verbunden. Mit allen zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln muss er ausdrucksvoll und inspiriert, auf professionellem Niveau tanzen und sich immer weiter vervollkommnen.<\/p>\n<p>Im Klassischen Ballett erlernt man einen Bewegungs-Kodex von Kunstbewegungen. Es ist eine eigene Sprache mit einem genialen Trainingssystem dahinter. Anfang des 20.Jahrhunderts kam der Freie Tanz dazu. Isadora Duncan machte den T\u00e4nzer*in zum Sch\u00f6pfer individueller, k\u00fcnstlerischer \u00c4u\u00dferung.<\/p>\n<p>Djagilew und seinen Ballets Russes gelang dann die Synthese von professioneller klassischer Technik mit dieser strengen K\u00f6rperschule, dem Belcanto gleich, und einem freien Umgang mit der Bewegung und den anderen K\u00fcnsten. Das klassische Training ist \u201enur\u201c die Voraussetzung f\u00fcr die Tanzkunst.<\/p>\n<p>Der T\u00e4nzer ist nicht das Werkzeug oder das \u201eMaterial\u201c des Lehrers oder des Choreographen, sondern ein K\u00fcnstler. Wenn das in einer Ballettschule oder einem Ballettensemble nicht vermittelt wird, dann fehlt etwas Grundlegendes.<\/p>\n<p>Heute im Zeitalter der #meToo-Debatte hat sich vieles in der Arbeits- und Kunstwelt gewandelt. Der alte Drill von oben herab ist nicht mehr gesellschaftsf\u00e4hig.<\/p>\n<p>So sind f\u00fcr mich drei Dinge zu befragen:<\/p>\n<ul>\n<li>Warum wurden die Probleme in der Staatlichen Ballettschule Berlin <strong>anonym angezeigt<\/strong> und nicht offen benannt und diskutiert, sowohl von den Sch\u00fclern und Studenten als auch von den P\u00e4dagogen.<\/li>\n<li>Gab es keine Streit-Kultur? Die Studenten und Sch\u00fcler m\u00fcssen auch lernen, sich gegen \u00fcberkommene Methoden zu wehren; das ben\u00f6tigen sie auch f\u00fcr ihr sp\u00e4teres Leben, an Theatern und in der freien Szene.<\/li>\n<li>Vielleicht fehlt das beschriebene k\u00fcnstlerische Herangehen in der Ausbildung und es geht zu sehr nur um klassische Tanztechnik? Das ist eine Beschneidung der Pers\u00f6nlichkeit und f\u00fchrt zu Aggression und Frust.<\/li>\n<\/ul>\n<p>(Selbst-)Disziplin und innere Freiheit sind grundlegend, damit der Tanz \u201elebt\u201c. Kadavergehorsam t\u00f6tet ihn. Gegen \u00dcbergriffigkeit muss man sich wehren.<\/p>\n<p>Die zwei Direktoren, Gregor Seyffert und Ralf Stabel, auf eine anonyme Meldung hin freizustellen, halte ich auch f\u00fcr eine Art \u201eAbschulung\u201c oder eine Form der \u201eAngstkultur\u201c von oben herab.<\/p>\n<p>Ich bin zwar in Dresden an der Palucca Schule ausgebildet worden, klassisch und modern. Aber viele Kolleg*innen, unter anderem Gregor Seyffert und mehrere P\u00e4dagog*innen der Staatlichen Ballettschule Berlin, waren meine gesch\u00e4tzten Partner*innen.<\/p>\n<p>Im offenen Diskurs m\u00fcssen wir uns alle, gemeinsam und mit Achtung vor der Lebensleistungen des jeweils anderen, produktiv auseinandersetzen. Wir sollten uns gegenseitig die Chance geben, voneinander zu lernen, k\u00fcnstlerisch, menschlich.<\/p>\n<p><span style=\"color: #993366;\"><em>Die Autorin dieses Beitrags, Arila Siegert, ist T\u00e4nzerin, Choreografin und Opernregisseurin. Sie ist Mitglied der Akademie der K\u00fcnste Berlin, der S\u00e4chsischen Akademie der K\u00fcnste sowie der Mitgliederversammlung des Goethe Instituts.<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kunstmachen ist ein Akt, die innere, unsichtbare Welt sichtbar zu machen und sie ins Verh\u00e4ltnis zum Jetzt und Heute zu setzen.\u00a0 Dazu braucht es Mut, Selbstvertrauen und Ausdauer. Angst und Hemmungen zu \u00fcberwinden, aus sich herauszugehen, sich und damit sein Instrument, den eigenen K\u00f6rper, in st\u00e4ndiger Korrekturbereitschaft zu halten und sich einem hohen Leistungsanspruch auszusetzen, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":51643,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[67],"tags":[],"class_list":["post-51642","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-newsroom"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/51642","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=51642"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/51642\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":51646,"href":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/51642\/revisions\/51646"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/51643"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=51642"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=51642"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=51642"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}