{"id":47746,"date":"2020-03-25T14:16:57","date_gmt":"2020-03-25T14:16:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/?p=47746"},"modified":"2026-04-16T11:33:47","modified_gmt":"2026-04-16T11:33:47","slug":"tanzen-in-zeiten-von-corona-ein-kommentar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/tanzen-in-zeiten-von-corona-ein-kommentar\/","title":{"rendered":"Tanzen in Zeiten von Corona &#8211; ein Kommentar"},"content":{"rendered":"<p>Das Corona-Kuratel trifft ausnahmslos alle Einzelpersonen und Berufsgruppen unserer Gesellschaft hart. Manche werden dabei zu stillen Helden, weil sie die \u00f6ffentlichen Grundfunktionen aufrecht erhalten, etwa im Gesundheitswesen, im Handel, bei Post, Banken, der Polizei. Schlimm erwischen die notwendigen Vorkehrungen den Kunstbetrieb und besonders die Theater. S\u00e4nger und Musiker k\u00f6nnen in \u201eHeimarbeit\u201c noch einigerma\u00dfen ihr Instrument trainieren, ob Stimme, Violine oder Trompete, und damit einem Verlust der beruflichen Basis entgegenwirken &#8211; wenngleich vielleicht zum Unbill h\u00f6rempfindlicher Nachbarn.\u00a0Anders steht es um T\u00e4nzer, denen nun ihre t\u00e4glichen Exerzitien weggebrochen sind. Der freiger\u00e4umte Wohnzimmerteppich eignet sich allenfalls f\u00fcr Dehn\u00fcbungen am Boden, der Stuhl als Ersatz f\u00fcr die Stange im Ballettsaal h\u00f6chstens f\u00fcr einige Formen des Battement. Spr\u00fcnge, wichtig f\u00fcr Beinkraft und Kondition,\u00a0fallen in normalen Mietwohnungen aus, und Bewegungen in den Raum hinein sind gleich ganz ausgeschlossen &#8211; es sei denn, jemand hat wie einst Rudolf Nurejew seinen eigenen, voll ausgestatteten Ballettsaal gleich nebenan.<\/p>\n<p>Das t\u00e4gliche Training ist jedoch nicht nur parallele Einzelaktion, sondern dient dem Gruppenempfinden, ist ein Gemeinschaftserlebnis und schwei\u00dft die Kompanie zusammen, nicht zuletzt durch gegenseitiges Lernen und anspornende Konkurrenz. Auch Raumgef\u00fchl und Partnergesp\u00fcr entwickeln sich auf diese Weise.<br \/>\nAuf all das m\u00fcssen B\u00fchnent\u00e4nzer derzeit aus triftigen Gr\u00fcnden verzichten, und niemand wei\u00df, wie lange dieser Zustand noch anh\u00e4lt. Dass sie hierdurch nicht ihre Form, die t\u00e4nzerisch-technische Funktionalit\u00e4t des K\u00f6rpers, verlieren d\u00fcrfen, versteht sich. Denn wenn eines hoffentlich nicht zu fernen Tages die Theater wieder \u00f6ffnen d\u00fcrfen, erwarten die Zuschauer rechtens von allen B\u00fchnenk\u00fcnstlern volle Leistungsf\u00e4higkeit. Bei T\u00e4nzern braucht das allerdings eine intensive Vorbereitungsphase, speziell nach einer l\u00e4ngeren Ruhezeit, wie sie gegenw\u00e4rtig verordnet ist. Ein Dilemma f\u00fcr die Betroffenen.<\/p>\n<p>Es ist daher l\u00f6blich, dass man beim Bayerischen Staatsballett (und m\u00f6glicherweise auch andernorts) nach Auswegen sucht &#8211; hier in Absprache mit dem Bayerischen Ministerium f\u00fcr Wissenschaft und Kunst, unter Einhaltung aller vorgeschriebenen Ma\u00dfnahmen zur Infektionsminimierung und f\u00fcr die T\u00e4nzer auf der Grundlage absoluter Freiwilligkeit. Das angebotene Training unter strengen Gesundheitskriterien lockte immerhin einen Teil der Kompanie, das live ausgestrahlte Konzert aus \u00fcberwiegend Variationen und Solopr\u00e4sentationen d\u00fcrfte dankbaren Zuspruch bei den Zuschauern gefunden haben. In jedem Fall festigt es die Verbundenheit des Publikums mit \u201eseinem\u201c Ballett und bietet den T\u00e4nzern Berufsaus\u00fcbung in kunstmageren Zeiten.<\/p>\n<p>Freilich sind beide, Training und Konzert, trotz allem physischen Abstand der Akteure voneinander mit einem gewissen Restrisiko verbunden. Niemand wei\u00df bisher noch ganz genau, wie die Ansteckung mit dem Virus vonstatten gehen kann. Deshalb k\u00fcndet die Teilnahme einiger T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzer an den Angeboten der Kompanie ebenso von Mut und Berufsethos wie etwa der t\u00e4gliche Dienst von Verk\u00e4uferinnen, Briefzustellern oder der vielen Ordnungsh\u00fcter, die aufkl\u00e4rend durch die Stra\u00dfen ziehen. Verdammenswert ist all das nicht, beruht es zumindest im Tanz ja grunds\u00e4tzlich auf Freiwilligkeit.<\/p>\n<p><em>Redaktion \u201eDance for You Magazine\u201c\u00a0<\/em><br \/>\n<em>Volkmar Draeger und Mihaela Vieru<\/em><\/p>\n<h3>Pressestatement des Bayerischen Staatsballetts:<\/h3>\n<p><em>Zur Arbeitssituation des Bayerischen Staatsballetts in Zeiten von Corona, Stand 24.3.2020:<\/em><\/p>\n<p>Der Probenbetrieb des Bayerischen Staatsballetts ist seit neun Tagen komplett eingestellt. Die Sicherheit und Gesundheit der T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzer steht an oberster Stelle. Die Teilnahme an den von der Staatsoper eingef\u00fchrten, live gestreamten Montagskonzerten erfolgt nach R\u00fccksprache und ausschlie\u00dflich auf freiwilliger Basis. Im Falle des Konzerts vom 23. M\u00e4rz waren ein Ehepaar beteiligt, das im gleichen Haushalt lebt, sowie ein Pianist und zwei weitere T\u00e4nzer, die nicht als Paar, sondern nacheinander in einer gemeinsamen Szene aufgetreten sind. Die gezeigten Ausschnitte sind Teil des Repertoires und den T\u00e4nzern bekannt, so dass lediglich zwei individuelle Proben mit ein bis zwei T\u00e4nzern, einem Pianisten und einem Ballettmeister durchgef\u00fchrt wurden. Hierbei wurden alle Sicherheitsvorkehrungen wie Mindestabst\u00e4nde, H\u00e4ndedesinfektion etc. eingehalten. Lediglich bei dem verheirateten P\u00e4rchen wurde in punkto K\u00f6rperabstand eine Ausnahme gemacht. Und jedes Ballettstudio besitzt, seit langem und unabh\u00e4ngig von Corona, am Eingang einen H\u00e4ndedesinfektionsspender. Das Konzert selbst wurde ohne Anwesenheit von Masken- und Kost\u00fcmbildnern durchgef\u00fchrt, um weiteren Kontakt zwischen Mitarbeitern zu vermeiden. Ein regul\u00e4rer Probenbetrieb mit dem Ensemble findet dar\u00fcber hinaus nicht statt und wird auch weiterhin bis voraussichtlich 19. April 2020 nicht stattfinden.<br \/>\nHiervon abgesehen bietet das Bayerische Staatsballett lediglich ein freiwilliges Training an, das den T\u00e4nzern die M\u00f6glichkeit gibt, sich in der momentanen Situation fit zu halten. K\u00f6rperliches Training ist f\u00fcr T\u00e4nzer Grundvoraussetzung um zu einem sp\u00e4teren, hoffentlich baldigen Zeitpunkt wieder auf der B\u00fchne arbeiten zu k\u00f6nnen. Auch hierbei gilt ein Mindestabstand von zwei bis drei Metern zwischen den T\u00e4nzern, trainiert wird in kleinen Gruppen, K\u00f6rperkontakt findet nicht statt. Zudem trainieren die Mitglieder des Bayerischen Staatsballetts derzeit ausschlie\u00dflich im Ballettprobenhaus am Platzl, um Kontakte mit dem Personal im Nationaltheater zu vermeiden. <strong>Sowohl Training als auch die Teilnahme an den Montagskonzerten sind f\u00fcr die T\u00e4nzer v\u00f6llig freiwillig.<br \/>\n<\/strong>Bei allen derzeit noch m\u00f6glichen Aktivit\u00e4ten handeln das Bayerische Staatsballett und die Bayerische Staatsoper in enger Abstimmung und gem\u00e4\u00df aller Vorgaben des Bayerischen Ministeriums f\u00fcr Wissenschaft und Kunst. Es wurden letzte Woche und werden auch weiterhin alle n\u00f6tigen und m\u00f6glichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen (Sicherheitsabst\u00e4nde, Gruppenanzahl beschr\u00e4nken, Desinfektionsm\u00f6glichkeiten etc). Zwar ist das Theater f\u00fcr den Publikumsverkehr geschlossen, es wurde aber bisher ausdr\u00fccklich kein Arbeitsverbot f\u00fcr die Bayerischen Staatstheater ausgesprochen. Die K\u00fcnstler hoffen, den Menschen mit Formaten wie den live gestreamten Montagskonzerten Zuversicht vermitteln zu k\u00f6nnen; und ein deutliches Signal nach au\u00dfen zu senden: Kunst geh\u00f6rt zum Leben dazu, auch in einer Krise.<br \/>\nSollten die Vorgaben weiter versch\u00e4rft werden, werden diese nat\u00fcrlich mit sofortiger Wirkung umgesetzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Corona-Kuratel trifft ausnahmslos alle Einzelpersonen und Berufsgruppen unserer Gesellschaft hart. Manche werden dabei zu stillen Helden, weil sie die \u00f6ffentlichen Grundfunktionen aufrecht erhalten, etwa im Gesundheitswesen, im Handel, bei Post, Banken, der Polizei. Schlimm erwischen die notwendigen Vorkehrungen den Kunstbetrieb und besonders die Theater. 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