{"id":40675,"date":"2019-11-28T10:43:13","date_gmt":"2019-11-28T10:43:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/?p=40675"},"modified":"2026-04-16T11:33:50","modified_gmt":"2026-04-16T11:33:50","slug":"was-vom-original-ubrig-bleibt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/was-vom-original-ubrig-bleibt\/","title":{"rendered":"Was vom Original \u00fcbrig bleibt \u2026"},"content":{"rendered":"<p>Das Typische an Klassikern ist ihre Zeitlosigkeit, besser noch: eine gewisse \u00dcberzeitlichkeit. Eine Definition bringt es auf den Punkt: \u201eDas Klassische bildet den zeitlosen Kontrapunkt zur zeitabh\u00e4ngigen Mode.\u201c Doch was bleibt in Tanzkunstwerken, die als Klassiker gelten, tats\u00e4chlich zeitlos g\u00fcltig und damit erhaltenswert? Die Musik? Eine bestimmte Technik? Die Kernaussage der Handlung? Oder die Choreografie, sofern sie \u00fcberhaupt \u2013 in welcher Form auch immer \u2013 erhalten und \u00fcberliefert wurde?<\/p>\n<p>Eine Reihe bekannter Ballettklassiker des 19. Jahrhunderts verdankt ihre \u00dcberzeitlichkeit in erster Linie der Unsterblichkeit von Peter Tschaikowskis Musik. \u201eDornr\u00f6schen\u201c beispielsweise, 1890 in St. Petersburg uraufgef\u00fchrt, begann als Feerie in drei Akten. 1921 feierten die \u201eBallets Russes\u201c mit einer eigenen Fassung Erfolge, die zun\u00e4chst als Rekonstruktion gedacht war, doch um neue T\u00e4nze, andere Kost\u00fcme und ein ver\u00e4ndertes B\u00fchnenbild von L\u00e9on Bakst sowie Musikst\u00fccke aus dem \u201eNussknacker\u201c erg\u00e4nzt wurde. Als wenig sp\u00e4ter gespart werden musste, tourte die bekannte Truppe unter Diaghilew mit einer gek\u00fcrzten, auf einen Akt reduzierten Version unter dem Titel \u201eLe Marriage de la Belle au Bois Dormant\u201c. Unter den choreografierenden H\u00e4nden des Schweden Mats Ek mutierte \u201eDornr\u00f6schen\u201c rund 70 Jahre sp\u00e4ter zum drogenabh\u00e4ngigen Teenager, die gef\u00e4hrliche Nadel geh\u00f6rte nun zu einer Spritze, und das moderne Bewegungsvokabular bezieht sich auf den urspr\u00fcnglichen Choreografen Marius Petipa nur noch durch sparsam eingeflochtene Zitate.<\/p>\n<figure id=\"attachment_40677\" aria-describedby=\"caption-attachment-40677\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-40677\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/O_02_T1-1024x681.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"681\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/O_02_T1-1024x681.jpg 1024w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/O_02_T1-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/O_02_T1-600x399.jpg 600w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/O_02_T1-768x511.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-40677\" class=\"wp-caption-text\">Foto Daniel Ohlsson<\/figcaption><\/figure>\n<p>Und im 20. Jahrhundert? Scheitern junge Liebespaare immer noch an gesellschaftlichen Konventionen zu Prokofjews ber\u00fchmter Komposition \u201eRomeo und Julia\u201c, doch das Schicksal der beiden kann an unterschiedlichste Orte und in verschiedene Zeiten verlegt werden.<br \/>\nJohn Neumeier zum Beispiel vermied es, sich in seiner Interpretation \u201edurch Ballettklischees einengen zu lassen\u201c, seine Julia kommt mit nassen Haaren in ein Handtuch gewickelt auf die B\u00fchne. Und aus dem Bereich Tanztheater: Pina Bauschs \u201eLe Sacre du Printemps\u201c hat mit dem skandaltr\u00e4chtigen Original nur die Musik und den Rahmen eines Rituals gemein.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-40678\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/O_04_T1-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/O_04_T1-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/O_04_T1-300x450.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/O_04_T1-600x900.jpg 600w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/O_04_T1-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/O_04_T1-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/O_04_T1.jpg 1654w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/p>\n<p>Fazit? Es gibt keinen Leitfaden, wie sich tradierte und innovative Anteile eines Klassikers miteinander ins Verh\u00e4ltnis setzen sollen. Es l\u00e4uft darauf hinaus, dass eine Reihe von Variablen \u2013 Partitur, Tanzstil(e), B\u00fchnenbild, Kost\u00fcme, Figuren, Handlungsger\u00fcst \u2013 neu und frei gemischt werden k\u00f6nnen, Geschmack und Stilsicherheit in k\u00fcnstlerischen Fragen entscheiden.<\/p>\n<p>\u00dcber Bord mit allem unn\u00f6tigen Ballast, denkt sich ein\/e Choreograf\/in. Fredrik Rydman aus Schweden entstaubte das popul\u00e4re Nussknacker-Ballett sehr gr\u00fcndlich: \u201eThe Nutcracker Reloaded\u201c seziert Tschaikowskis Musik, verwandelt die Protagonistin Clara in ein Kind armer Bettler und Drosselmeier \u2013 sonst netter Onkel \u2013 in einen skrupellosen Organh\u00e4ndler. Was \u00fcberzogen klingt, ist im Ergebnis indes \u00fcberzeugend \u2013 es kommt auf den Einsatz der gew\u00e4hlten Mittel an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dagmar Ellen Fischer<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Typische an Klassikern ist ihre Zeitlosigkeit, besser noch: eine gewisse \u00dcberzeitlichkeit. Eine Definition bringt es auf den Punkt: \u201eDas Klassische bildet den zeitlosen Kontrapunkt zur zeitabh\u00e4ngigen Mode.\u201c Doch was bleibt in Tanzkunstwerken, die als Klassiker gelten, tats\u00e4chlich zeitlos g\u00fcltig und damit erhaltenswert? Die Musik? Eine bestimmte Technik? Die Kernaussage der Handlung? 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