{"id":32543,"date":"2019-05-28T07:20:17","date_gmt":"2019-05-28T07:20:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/?p=32543"},"modified":"2019-05-28T07:25:16","modified_gmt":"2019-05-28T07:25:16","slug":"urauffuhrung-von-tanz-pur-4-in-der-unterwasserwelt-des-great-barrier-reef-im-weltweit-grosten-panoramabild-des-gasometer-pforzheim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/urauffuhrung-von-tanz-pur-4-in-der-unterwasserwelt-des-great-barrier-reef-im-weltweit-grosten-panoramabild-des-gasometer-pforzheim\/","title":{"rendered":"Urauff\u00fchrung von \u201eTanz pur 4\u201c in der Unterwasserwelt des Great Barrier Reef im weltweit gr\u00f6\u00dften Panoramabild des Gasometer Pforzheim"},"content":{"rendered":"<p>Man kann es sich aussuchen, ob man am sicheren Ufer bleiben, sich in seichtes Wasser wagen oder in die Tiefsee vorsto\u00dfen will. Fast sp\u00fcrt der Gast, wie das Wasser des Pazifischen Ozeans vor der Nordostk\u00fcste Australiens an den F\u00fc\u00dfen leckt. Wie die Touristenstr\u00f6me (etwa eine Million Besucher pro Jahr) am Great Barrier Reef \u2013 dem gro\u00dfen Barriere Riff &#8211; werden die Besucher bei \u201eTanz pur 4\u201c im Gasometer Pforzheim in Bahnen gelenkt. Zun\u00e4chst.<\/p>\n<p>Im Lauf des Abends wird das Publikum\u00a0 von der (Angel-)Leine gelassen, darf sich treiben lassen und w\u00e4hlt so die Perspektive auf den Tanzabend selbst. Kein Rollenwechsel, aber ein Rollenspiel mit einem \u201ebeweglichen\u201c Zuschauer. Der ist mittendrin und mal dabei, wird zum Regisseur seines eigenen St\u00fccks. Das sind die Zeichen der Zeit. Auch, dass man sich mit international agierenden Choreografen und Ensembles immer wieder eine \u201eFrischzellenkur\u201c verordnet. Das ist, was das \u201e\u00dcber-die-Ufer-Treten\u201c eines Ballettensembles wie das des Stadttheaters Pforzheim unter Leitung von Guido Markowitz ausmacht: dass das Narrative des Gewohnten, die bisher bekannten \u201eBretter, die die Welt bedeuten\u201c verlassen, der Rahnen gesprengt wird. In jeder Hinsicht: Ballett, das ist hier schon lange nicht mehr nur Spitzentanz &#8211; traditionelle Bewegungsmuster werden mit moderner Dynamik vermischt. Verrenkungen inklusive \u2013 den K\u00f6rpern der Ensemblemitglieder wird einiges abverlangt. So geschehen nicht nur im Schmuckmuseum und sogar im Wasser des damals noch betriebenen Emma-Jaeger-Bades und sogar im sakralen Raum eines Kirchenschiffs \u2013 nun eben auch quasi unter Wasser im derzeit weltweit gr\u00f6\u00dften Panoramabild des Gasometer Pforzheim: im Bild des nord\u00f6stlich vor Australien liegenden Great Barrier Reef \u2013 dem gr\u00f6\u00dften von Lebewesen erbauten Struktur des Gro\u00dfen Barriere (Korallen-)Riffs.<\/p>\n<p>Und da tauchen seltsame Wesen auf, eine Art wei\u00dfe Krake kriecht die Metalltreppe empor, begibt sich bald wild geb\u00e4rdend, forsch erforschend zwischen und unter das Publikum, spielt Ball. Dann h\u00e4utet sich das Wesen, entschwindet mit dem Queen-Musik verstr\u00f6menden Smartphone im Dunkel \u2013 die gr\u00f6\u00dftenteils improvisierte \u201eIntro\u201c des Choreografen-Kollektivs Link\u00f6ping Schweden ist beendet.<\/p>\n<p>Dann: Wieder wei\u00dfe Gestalten. Um sich und die Bewegung vom bewegten und doch starren Unterwasserbild des Riffs abzuheben? Die flie\u00dfenden Gew\u00e4nder verbergen nicht, wie sehr die Str\u00f6mung an den K\u00f6rpern rei\u00dft in dem vom stellvertretenden Ballettchef Damian Gm\u00fcr choreografierten Teil \u201eWolken die uns nicht tragen\u201c. Eine faszinierende, gleichzeitig verst\u00f6rende Kraft rei\u00dft an ihnen. Tr\u00e4gt sie, l\u00e4sst sie fallen, rei\u00dft sie mit sich. Ein Mensch \u2013 die Menschheit? \u2013 h\u00e4ngt am Seil. Ergeben, dann wieder verzweifelt (und \u00e4sthetisch) strampelnd, verzweifelt rudernd, sich hingebend ans Schicksal. An seinem Leib h\u00e4ngen die T\u00e4nzer wie Schiffbr\u00fcchige.<\/p>\n<p>Mal klingt die Musik wie ein Aufbrechen von Krusten, sich gewaltsam ans Licht bahnendes Leben. Dann wieder beschw\u00f6rt sie ein Bild von quietschenden Tauen, die m\u00fchsam das tropfende Schiff halten. Mit metallenem Klang schl\u00e4gt es doch auf dem Meeresboden auf. T\u00e4nzer fallen zuckend zu Boden. Der Abend lebt \u00fcbrigens auch von einem Innehalten in Stille. Da wiederum hat man Zeit, den Raum zu sp\u00fcren.<\/p>\n<p>Dem geb\u00fcrtigen Israeli Edan Gorlicki obliegt es, das Schiff des Abends in den dritten Teil zu lenken \u2013 \u201eDiving the Yongala\u201c. Fast eine Mischform aus Theater und Tanz. Und etwas Slapstick. Ein Taucher in Montur geleitet die G\u00e4ste flossenplatschend zum Ort des Geschehens, dem Aussichtsturm. Der wird sozusagen um Ausguck der \u201eYongala\u201c. Der Kapit\u00e4n und seine Crew, koffertragende Touristen an Bord, bewegen sich in Zeitlupe auf verschiedenen Ebenen. Die Zuschauer mittendrin. An Bord des 1911 durch einen Taifun vor der Ostk\u00fcste gesunkenen Schiffs.\u00a0 Es wird hektisch, \u201ethe ship is sinking\u201c! Der Masten h\u00e4ngt schr\u00e4g, das Schiff kippt, man sp\u00fcrt den Sog nach unten, die Verzweiflung ist greifbar, am eigenen K\u00f6rper sp\u00fcrbar. Wie ein Lauffeuer breitet sich vom Scheitel bis zur Sohle eine G\u00e4nsehaut aus. Es kommt der Moment, in dem sich der Kapit\u00e4n verzweifelt an sein Steuerrad klammert. Und letztlich in schlangenhaften Bewegungen die Treppe hinuntergleitet, man h\u00f6rt das Wasser rauschen.<\/p>\n<p>Und man kann gar nicht anders, als der Besatzung der \u201eYongala\u201c in die Tiefen zu folgen. Der Sog ist zu stark. Doch kurz vor der \u201eBewusst-losigkeit\u201c erreichen einen akustische Schimmer der Hoffnung. Die Crew der \u201eYongala\u201c hat sich ihrer Alltagskleidung entledigt und mutiert in dunkel gl\u00e4nzenden Anz\u00fcgen schuppenhaft zu einem Fischschwarm. In der Tat ist die gesunkene \u201eYolanga\u201c heute eine der wichtigsten \u00f6kologischen Lebensr\u00e4ume.<\/p>\n<p>Vielleicht haben die etwa 120 G\u00e4ste der Premiere anfangs noch irritiert im Tr\u00fcben gefischt, nicht ahnend, was in den Tiefen des Great Barrier Reef auf sie warten w\u00fcrde. Herausgezogen haben sie eine Schatztruhe voller Sinnesfreude und mitrei\u00dfender Emotionen. Im Wellenschlag eines emotionalen Tanzabends mit existenziellen Themen.<\/p>\n<p>Text und Foto\u00a0 von Susanne Roth<\/p>\n<p>Weitere Vorstellungen von \u201eTanz pur 4\u201c im Gasometer Pforzheim: am 18., 25. und 31. Mai, 2. Juni \u2013 jeweils ab 20 Uhr und Einf\u00fchrung 20 Minuten vor Beginn.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man kann es sich aussuchen, ob man am sicheren Ufer bleiben, sich in seichtes Wasser wagen oder in die Tiefsee vorsto\u00dfen will. Fast sp\u00fcrt der Gast, wie das Wasser des Pazifischen Ozeans vor der Nordostk\u00fcste Australiens an den F\u00fc\u00dfen leckt. 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