{"id":32526,"date":"2019-05-20T16:15:08","date_gmt":"2019-05-20T16:15:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/?p=32526"},"modified":"2019-05-21T12:24:30","modified_gmt":"2019-05-21T12:24:30","slug":"jeder-muss-mal-im-ensemble-stehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/jeder-muss-mal-im-ensemble-stehen\/","title":{"rendered":"JEDER MUSS MAL IM ENSEMBLE STEHEN"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Stadttheater-T\u00e4nzer Johannes Blattner erz\u00e4hlt von seinem Alltag und seinem bevorstehenden Weggang aus Pforzheim<\/strong><\/h4>\n<p><strong>Es kommt nicht so h\u00e4ufig vor, dass man ein langes Interview mit einem T\u00e4nzer an einem Stadttheater f\u00fchrt. Johannes Blattner ist einer von ihnen. Seit vier Jahren tanzt er am Theater Pforzheim, einem Stadttheater zwischen den Balletthochburgen Stuttgart und Karlsruhe in Baden-W\u00fcrttemberg, und dort tanzt er, wie seine Kolleg\/innen, praktisch alles \u2013 sei es Falco im Erfolgsmusical\u201eFalco \u2013 the spirit never dies\u201c, Zeus in \u201eMetamorphosen\u201c, Orpheus in \u201eOvid \u2013 Verwandlungen\u201c oder als Gruppent\u00e4nzer in der Rockoper \u201eEveryman (Jedermann)\u201c. Jetzt soll an der Enz Schluss sein, entschied der charismatische K\u00fcnstler aus Guido Markowitz 12-k\u00f6pfiger Truppe. Grund genug, sich mit dem smarten 31<\/strong><strong>-j<\/strong><strong>\u00e4hrigen zu unterhalten.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Herr\u00a0Blattner, was ist das Sch\u00f6nste an Ihrem Beruf?<\/strong><\/p>\n<p>Das Sch\u00f6nste als T\u00e4nzer ist, dass man \u00fcber diese k\u00fcnstlerische Arbeit Menschen erreichen kann. Man kann sie ber\u00fchren und zum Nachdenken oder Mitempfinden bringen. Man kann Dinge sichtbar machen. Ich war nie ein T\u00e4nzer, dem es nur um Technik ging. Es geht mir mehr um Beziehungen, Geschichten und Emotionen und um die Frage, wie ich das als K\u00fcnstler transportiere.<\/p>\n<figure id=\"attachment_32528\" aria-describedby=\"caption-attachment-32528\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-32528\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/THPF_Verwandlungen_Metamorphosen_Bild8_Blattner_Pennacchini_FotoAndreaDAquino-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/THPF_Verwandlungen_Metamorphosen_Bild8_Blattner_Pennacchini_FotoAndreaDAquino-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/THPF_Verwandlungen_Metamorphosen_Bild8_Blattner_Pennacchini_FotoAndreaDAquino-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/THPF_Verwandlungen_Metamorphosen_Bild8_Blattner_Pennacchini_FotoAndreaDAquino-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/THPF_Verwandlungen_Metamorphosen_Bild8_Blattner_Pennacchini_FotoAndreaDAquino-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-32528\" class=\"wp-caption-text\">Johannes Blattner und Eleonora Pennacchini in &#8220;Verwandlungen&#8221; &#8220;Metamorphosen&#8221; Foto Andrea D\u00b4Aquino<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Und was ist das H\u00e4rteste?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Es ist schwierig, Familie, Beziehungen und Beruf unter einen Hut zu bringen. Als K\u00fcnstler arbeitet man meistens dann, wenn andere in anderen Berufen frei haben, und das hei\u00dft konkret: Man verpasst Familienfeste. Au\u00dferdem schl\u00e4gt man sich mindestens einmal im Leben mit einer Fernbeziehung herum. Es entgeht einem privat also manches \u2013 dennoch arbeitet man als T\u00e4nzer, weil man das m\u00f6chte, nicht weil man muss. Tanzen ist eine Leidenschaft.<\/p>\n<p><strong>Wieso verlassen Sie dann im besten Alter ihre Pforzheimer Wirkungsst\u00e4tte, wo Ballettdirektor Guido Markowitz Sie bestimmt noch gerne behalten h\u00e4tte? Gibt es einen konkreten Grund?<\/strong><\/p>\n<p>Nein, (lacht), das hat sich langsam entwickelt. Ich bin grunds\u00e4tzlich ein Mensch, der viel in sich hinein horcht und reflektiert, und ich habe seit einigen Monaten gemerkt, dass sich f\u00fcr mich die Art der Arbeit nach vier Jahren nun ver\u00e4ndern muss. Ich habe die Arbeit mit Guido Markowitz sehr genossen und in der Tiefe verstanden.<\/p>\n<p><strong>Welche Ver\u00e4nderung streben Sie an?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe gro\u00dfe Lust, mit reiferen Kolleginnen und Kollegen zu arbeiten und von ihnen zu lernen. Unsere Ballettcompagnie ist ein sehr junges Team, und ich merke dass ich einer der \u00e4ltesten bin. Das ist auch in Ordnung, nur m\u00f6chte ich wieder st\u00e4rker derjenige sein, der lernt, und nicht derjenige, der weiter gibt. Und damit Raum f\u00fcr Neues entsteht, m\u00fcssen sich K\u00fcnstler einfach aus der Komfortzone werfen, denke ich. Dahin geht gerade der Weg f\u00fcr mich.<\/p>\n<figure id=\"attachment_32527\" aria-describedby=\"caption-attachment-32527\" style=\"width: 682px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-32527\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/1-682x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"682\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/1-682x1024.jpg 682w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/1-300x450.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/1-600x901.jpg 600w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/1-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/1-768x1153.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/1.jpg 963w\" sizes=\"auto, (max-width: 682px) 100vw, 682px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-32527\" class=\"wp-caption-text\">Johannes Blattner Foto Nora Kirschmeier<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Wird das Theater Pforzheim f\u00fcr Sie ein guter Ort gewesen sein?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin angekommen in Pforzheim.\u00a0 Ich genie\u00dfe es sehr hier zu arbeiten und f\u00fchle mich gesehen und anerkannt. Au\u00dferdem blicke ich auf vier sch\u00f6ne und erf\u00fcllende Jahre zur\u00fcck. Mir wurden viele Chancen gegeben und ich habe meine Vielseitigkeit als meine St\u00e4rke wertsch\u00e4tzen gelernt. Ich bin da sehr dankbar. Ich konnte viele verschiedene Sachen ausprobieren, und ich wurde auch immer durchgetragen. Das Publikum hat mich sogar als Spieler im Schauspiel akzeptiert. Das war sehr sch\u00f6n. Jetzt m\u00f6chte ich mich neu erfinden.<\/p>\n<p><strong>Hat die Rolle des Falco eine besondere Bedeutung f\u00fcr Sie? Am Wochenende haben Sie sie zum letzten Mal getanzt.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Falco ist eine besondere Rolle f\u00fcr mich, ja. Er war in meinem Leben die erste Rolle, die sehr viele Dinge vereint hat, die zu mir geh\u00f6ren. Der schauspielerische Aspekt, der t\u00e4nzerische Aspekt, dann sogar der Jazzdance wo meine Wurzeln liegen. Falco ist ein Charakter, den ich sehr spannend finde und seine Geschichte ist sehr ber\u00fchrend. Falco spricht viele Facetten meines inneren K\u00fcnstlers an.<\/p>\n<p><strong>Gibt es noch andere Lieblingsrollen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe fast jedes St\u00fcck zu lieben gelernt. Momentan liebe ich Zeus in \u201eMetamorphosen\u201c. Es ist wundersch\u00f6n mit meiner Kollegin Eleonora Pennacchini zu tanzen. Wir haben \u00fcber die Jahre eine intensive Freundschaft und Tanzpartnerschaft aufgebaut. Ich mochte aber auch Dick McCain in der Musicalszene von \u201eStreet Scene\u201c sehr. Das war pure Lebensfreude.<\/p>\n<p><strong>Wie war denn die Zusammenarbeit mit ihrem Chef, Guido Markowitz, der Ihnen unl\u00e4ngst \u201eZeus\u201c auf den Leib schrieb?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>An ihm fasziniert mich, dass er mit viel Liebe an die Arbeit geht. Er bringt einem viel Wertsch\u00e4tzung entgegen und gibt viel Freiraum. Dadurch lernt man, Verantwortung zu tragen. Er hat uns alle als Individuen gecastet und l\u00e4sst uns dann auch so wie wir sind. Darin war und ist er konsequent. Und ich habe gesehen, welchen Erfolg man mit dieser sanften Art zu f\u00fchren haben kann, welche St\u00e4rke das Ensemble bekommen hat, welche besondere Energie wir haben und wie gut das bei den\u00a0 Zuschauern ankommt. Man muss nicht den Tyrannen spielen und die Leute durch die Gegend peitschen. Sollte ich ich einmal choreografisch arbeiten, werde ich das bestimmt einflie\u00dfen lassen.<\/p>\n<p><strong>Als T\u00e4nzer in einem kleinen Ensemble an einem Stadttheater arbeitet man anders als in gro\u00dfen Compagnien.\u00a0 Worin liegen hier die Herausforderungen?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Um einen gl\u00fccklichen Alltag zu haben, muss man offen, produktiv und flexibel sein. Die Arbeit ist viel\u00a0 und die Zeit knapp. Man muss sich als T\u00e4nzer v\u00f6llig verschiedene Produktionen zu eigen machen, um sie ausf\u00fcllen zu k\u00f6nnen \u2013 von der Oper \u00fcber das Musical hin zum Ballettabend oder einem zeitgen\u00f6ssischen Abend im Podium.<\/p>\n<p><strong>Kommt man da nicht in Konflikte?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ich denke es ist wichtig Herausforderungen zu umarmen, daran w\u00e4chst man. Zudem sind wir ein Ensembletheater und das hei\u00dft, dass man auch mal im Ensemble stehen muss. Es kann nicht jeder die Hauptrolle \u00fcbernehmen. Als T\u00e4nzer sind wir trotzdem wichtig, auch wenn wir zum Beispiel in einer Oper oder einem Musical nicht im Vordergrund stehen. Ohne uns w\u00e4re der energetische Ablauf anders. Au\u00dferdem machen wir auf unsere Arbeit als Ballett aufmerksam, wenn wir uns zeigen. Die Menschen sehen uns und einige kommen dann auch in unsere Produktionen.<\/p>\n<p><strong>Stellen Sie sich vor, Sie haben Sie haben einen Wunsch f\u00fcr Ballettcompagnien an Stadttheatern frei. Wie lautet dieser?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Physiotherapeutische Begleitung! Das f\u00e4nde ich am wichtigsten und am notwendigsten. Jemanden zu haben, der sich auskennt und der auch mit uns T\u00e4nzern pr\u00e4ventiv arbeitet. Bislang muss man sich diese besondere physische Betreuung, die T\u00e4nzer brauchen, \u00fcber Umwege selbst erarbeiten und dann ist es auch noch meistens zu sp\u00e4t, wenn man sie dringend braucht.<\/p>\n<p><em>Interview von Alexandra Karabelas<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stadttheater-T\u00e4nzer Johannes Blattner erz\u00e4hlt von seinem Alltag und seinem bevorstehenden Weggang aus Pforzheim Es kommt nicht so h\u00e4ufig vor, dass man ein langes Interview mit einem T\u00e4nzer an einem Stadttheater f\u00fchrt. 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