{"id":32396,"date":"2019-04-25T14:40:27","date_gmt":"2019-04-25T14:40:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/?p=32396"},"modified":"2019-04-25T14:41:16","modified_gmt":"2019-04-25T14:41:16","slug":"dustere-elegie-auf-einen-getriebenen-asthetischer-hochgenusss-gonzalo-galgueras-dracula-in-magdeburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/dustere-elegie-auf-einen-getriebenen-asthetischer-hochgenusss-gonzalo-galgueras-dracula-in-magdeburg\/","title":{"rendered":"D\u00fcstere Elegie auf einen Getriebenen \u00c4sthetischer Hochgenusss: Gonzalo Galgueras \u201eDracula\u201c in Magdeburg"},"content":{"rendered":"<p>Dunkles Blech ert\u00f6nt, auf der Leinwand kriechen Wanderwolken, formen sich zu Bildern, Gestalten, hohl\u00e4ugigen Wesen, die sich im Nebel sofort wieder aufl\u00f6sen. Vor den verschatteten Videos verabschiedet sich ein junges Paar: Der Mann, Jonathan Harker, muss verreisen, sie, seine Braut Mina, sorgt sich. In einer schroffen Kristallwelt kommt er an, erwartet vom unter Stoffen verh\u00fcllten Kutscher und gewarnt von \u00e4ngstlichen Dorfbewohnern.\u00a0 Dann trifft Rechtsanwalt Harker auf seinen Klienten: in einem weit nach hinten sich dehnenden Schloss, dessen B\u00f6gen drohend lasten und das eine gewaltige Apsis beschlie\u00dft. Gro\u00dfartig dies B\u00fchnenbild von Darko Petrovic! Es schafft die rechte gespenstische Atmosph\u00e4re f\u00fcr ein Ballett um den legend\u00e4ren Dracula. Seit Bram Stokers 1897 publiziertem Roman geistert der wohl ber\u00fchmteste Vampir der Weltgeschichte \u00fcber B\u00fchnen, durch Filme und Opern. Auch Magdeburgs Ballettdirektor Gonzalo Galguera zeigt sich angetan von der Figur dieses tragischen Untoten und hat ihn in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt nun zu neuerlichem Leben erweckt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_32398\" aria-describedby=\"caption-attachment-32398\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-32398\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/03_Dracula_Mihael-Belilov-Anastasia-Gavrilenkova_HPO_01329-179_c_Nilz-B\u00f6hme-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/03_Dracula_Mihael-Belilov-Anastasia-Gavrilenkova_HPO_01329-179_c_Nilz-B\u00f6hme-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/03_Dracula_Mihael-Belilov-Anastasia-Gavrilenkova_HPO_01329-179_c_Nilz-B\u00f6hme-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/03_Dracula_Mihael-Belilov-Anastasia-Gavrilenkova_HPO_01329-179_c_Nilz-B\u00f6hme-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/03_Dracula_Mihael-Belilov-Anastasia-Gavrilenkova_HPO_01329-179_c_Nilz-B\u00f6hme-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/03_Dracula_Mihael-Belilov-Anastasia-Gavrilenkova_HPO_01329-179_c_Nilz-B\u00f6hme.jpg 1486w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-32398\" class=\"wp-caption-text\">DRACULA Mihael Beliov, Anastasia Gavrilenkova (Ch. Gonzalo Galguera) Foto Nilz B\u00f6hme<\/figcaption><\/figure>\n<p>Was man indes nach den zahlreichen Schauerlichtspielen von den 1920ern bis ins laufende Jahrtausend vermuten w\u00fcrde, das tritt hier eben nicht ein. Galgueras \u201eDracula\u201c ist keine r\u00fcde Blutsudelorgie, der transsilvanische Graf kein fieser Sauger mit Frankenstein-Grusel, sondern ein Getriebener, am Ende ein vom Bann des Bei\u00dfens Erl\u00f6ster. Dracula als ein mit sich, ja gegen sich k\u00e4mpfender Mensch, das Ballett fast die Elegie auf einen Gehetzten &#8211; das hat man so noch nicht gesehen. Unheimlich geht es auf der Szene dennoch zu, aber mit welcher Delikatesse!<\/p>\n<p>In sechs Szenen, gerahmt von Prolog und Epilog, l\u00e4uft die Geschichte ab, personell gegen\u00fcber der Vorlage etwas reduziert und auf die wesentlichen Figuren konzentriert. Wie der biedere Engl\u00e4nder Harker auf den gebieterischen siebenb\u00fcrgischen Grafen in Lederjacke und Langrock trifft, den Unber\u00fchrbaren, ist in der angstvollen Jagd auf und unter einem Tisch, dann im Gefesseltsein R\u00fccken und R\u00fccken ein erster choreografischer H\u00f6hepunkt. In einem Duett aus Harkers Fantasie ist auch Mina von dem r\u00e4tselhaft schwerm\u00fctigen Mann gebannt. Harker selbst suchen in einer Art Bacchanal drei Vampirinnen heim, \u00fcber denen sich immer wieder gierig drei Lichtstrahlen verschlingen.<\/p>\n<p>Daheim in London gibt Minas Freundin Lucy ein Fest, auf dem als fremder Gast Dracula erscheint. Dessen sonderbarem Charme verf\u00e4llt die lebensfroh neugierige, somnambule Lucy und wird durch dessen Biss zur saugenden Gef\u00e4hrtin. Mina versucht in diesem spannungsgeladenen Trio vergebens, die Freundin zur\u00fcckzuhalten. Doch auch Mina bleibt nicht unbeeindruckt von Draculas stolzer Erscheinung. Der qu\u00e4lt sich in einem intensiven Solo voller geduckter Bodenpassagen mit seiner Bestimmung, anderen Menschen Ungl\u00fcck zu bringen, und erweist sich so als ein Mensch im latenten Zwiespalt. Lucy ist nicht mehr zu retten; Professor van Helsing befreit sie mit einem Stich ins Herz von ihrer n\u00e4chtlichen Umtriebigkeit. Bei Mina versagt sich Dracula den Zwang zum Biss, verleitet sie allerdings, sein Blut zu trinken, was immer das bewirken mag. Fulminant dann in dessen transsilvanischem Schloss, durchtanzt von einem Reigen unseliger Geister, das finale, akrobatisch aufsch\u00e4umende Ringen auf\u00a0 dem Henkertisch: Nach z\u00e4hem Hin und Her rammt Harker dem Grafen ein Messer in die Brust; dessen letzter, wohl liebender Fingerzeig richtet sich auf Mina. Ob das plagbefreite Paar nun eine neue Chance hat, bleibt offen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_32399\" aria-describedby=\"caption-attachment-32399\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-32399\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/07_Dracula_Adri\u00e1n-Rom\u00e1n-Ventura-Grettel-Morej\u00f2n-Mihael-Belilov_HPO_01834-259_c_Nilz-B\u00f6hme-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/07_Dracula_Adri\u00e1n-Rom\u00e1n-Ventura-Grettel-Morej\u00f2n-Mihael-Belilov_HPO_01834-259_c_Nilz-B\u00f6hme-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/07_Dracula_Adri\u00e1n-Rom\u00e1n-Ventura-Grettel-Morej\u00f2n-Mihael-Belilov_HPO_01834-259_c_Nilz-B\u00f6hme-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/07_Dracula_Adri\u00e1n-Rom\u00e1n-Ventura-Grettel-Morej\u00f2n-Mihael-Belilov_HPO_01834-259_c_Nilz-B\u00f6hme-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/07_Dracula_Adri\u00e1n-Rom\u00e1n-Ventura-Grettel-Morej\u00f2n-Mihael-Belilov_HPO_01834-259_c_Nilz-B\u00f6hme-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/07_Dracula_Adri\u00e1n-Rom\u00e1n-Ventura-Grettel-Morej\u00f2n-Mihael-Belilov_HPO_01834-259_c_Nilz-B\u00f6hme.jpg 1486w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-32399\" class=\"wp-caption-text\">DRACULA Adri\u00e1n Rom\u00e1n-Ventura; Grettel Morej\u00f2n, Mihael Belilo (Ch. Gonzalo Galguera) Foto Nilz B\u00f6hme<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ereignet sich die Schlussszene zu wunderbar friedvoller Musik aus Edward Elgars \u201eEnigma Variations\u201c, so geben den anderen Bildern haupts\u00e4chlich Kompositionen von Sibelius und Rachmaninow Kraft, aber auch von weniger bekannten Engl\u00e4ndern wie Elizabeth Maconchy und George Lloyd. Gonzalo Galguera legt keine bilderst\u00fcrmerisch revolution\u00e4re Fassung des Stoffes vor, erzeugt beim Betrachter durch sein \u00e4sthetisches Gesp\u00fcr und seine choreografische Erfindungskraft jedoch ein nicht abrei\u00dfendes Zusehvergn\u00fcgen. Er punktet mit einem Abend wie aus einem Guss und baut Magdeburgs singul\u00e4re Position als Hochburg des neuen Handlungsballetts weiter aus.<\/p>\n<p>Getragen wird die gediegene Produktion von einem \u00fcberragenden Mihael Belilov in der Hauptrolle, technisch m\u00fchelos, mit plastischem K\u00f6rper und der darstellerischen Feinnervigkeit f\u00fcr diesen kniffligen Part. In Grettel Morej\u00f3ns Mina und Anastasia Gavrilenkovas Lucy stehen ihm zwei brillante Partnerinnen zur Seite, in der Magdeburgischen Philharmonie unter Svetoslav Borisov dem gesamten Ensemble ein dramatisch stark aufspielender Klangk\u00f6rper. \u201eDracula\u201c hat das Zeug zu einem echten Repertoirest\u00fcck.<\/p>\n<p><em>Volkmar Draeger\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Wieder 23.5., 2.6., Tickettelefon 0391-40 490 490, www.theater-magdeburg.de<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dunkles Blech ert\u00f6nt, auf der Leinwand kriechen Wanderwolken, formen sich zu Bildern, Gestalten, hohl\u00e4ugigen Wesen, die sich im Nebel sofort wieder aufl\u00f6sen. Vor den verschatteten Videos verabschiedet sich ein junges Paar: Der Mann, Jonathan Harker, muss verreisen, sie, seine Braut Mina, sorgt sich. 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