{"id":31986,"date":"2019-02-13T16:30:53","date_gmt":"2019-02-13T16:30:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/?p=31986"},"modified":"2019-02-13T16:30:56","modified_gmt":"2019-02-13T16:30:56","slug":"verwandlungen-der-feuervogel-metamorphosen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/verwandlungen-der-feuervogel-metamorphosen\/","title":{"rendered":"Verwandlungen \u2013 Der Feuervogel\/Metamorphosen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ballett \u2013 Tanzabend von Guido Markowitz \u2013 Urauff\u00fchrung im Stadttheater Pforzheim<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Leidenschaft, Gier, Macht, Hingabe, Liebe,\nKummer, Abscheu, Hass, Z\u00e4rtlichkeit und am Ende ein Schrei aus vielerlei\nM\u00fcndern. Einer, bei dem der ganze K\u00f6rper ein einziger verzweifelter Schrei ist.\nDen muss man nicht h\u00f6ren, die Wucht kommt auch so beim Publikum im Gro\u00dfen Haus\ndes Pforzheimer Stadttheaters an. Zitternde K\u00f6rper liegen am Boden. Zeus hat\nganze Arbeit geleistet: seine Macht ausgekostet, Beziehungen zerst\u00f6rt, auch die\nHoffnung. Mit diesem Paukenschlag am Ende eines emotionsgeladenen und von Guido\nMarkowitz Ballettensemble vom Scheitel bis in den kleinen Zeh perfekt,\nkraftvoll und anmutig transportierten Aussagen wird der Besucher dieser\nUrauff\u00fchrung dann zur\u00fcck gelassen. Damit muss er alleine klar kommen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/THPF_Verwandlungen_DerFeuervogel_Bild1_Ensemble_FotoAndreaDAquino-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-31988\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/THPF_Verwandlungen_DerFeuervogel_Bild1_Ensemble_FotoAndreaDAquino-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/THPF_Verwandlungen_DerFeuervogel_Bild1_Ensemble_FotoAndreaDAquino-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/THPF_Verwandlungen_DerFeuervogel_Bild1_Ensemble_FotoAndreaDAquino-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/THPF_Verwandlungen_DerFeuervogel_Bild1_Ensemble_FotoAndreaDAquino-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>&#8216;Verwandlungen&#8217; &#8216;DerFeuervogel&#8217; Ensemble Foto Andrea D&#8217;Aquino<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Es ist ein Strudel, der einen fast hinab zieht,\nauf jeden Fall aber in Sekundenschnelle auch hinein zieht ins Geschehen auf der\nB\u00fchne. Die Auff\u00fchrung hei\u00dft nicht umsonst \u201eVerwandlungen\u201c: Guido Markowitz hat\nes gewagt, mit der Interpretation der klassischen Tanzerz\u00e4hlung \u201eDer\nFeuervogel\u201c, Ovids Metamorphosen und mit einer \u201eVersetzung\u201c des G\u00f6ttervater\nZeus in die Moderne seine eigene Verwandlung zu inszenieren und seinen eigenen Stil\nheraus zu sch\u00e4len. Das kleine, aus nur gut einem dutzend T\u00e4nzerinnen und\nT\u00e4nzern bestehende Ensemble vertraut ihm und geht diesen neuen Weg mit &#8211; tanzt\nihn mit, stampft ihn mit, windet sich, krallt sich aneinander, fliegt beseelt\n\u00fcber den Boden, selten l\u00f6st sich eine Figur aus der Masse. Man kann nicht\nmiteinander, aber auch nicht ohne einander. So sieht es aus.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/TH445E1-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-31989\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/TH445E1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/TH445E1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/TH445E1-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/TH445E1-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>&#8216;Verwandlungen&#8217; &#8216;Metamorphosen&#8217; Pennacchini, Damm, Martello, van Wieren, <br>Foto Andrea D&#8217;Aquino<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Man muss sie nicht gelesen haben, die\nMetamorphosen des ber\u00fchmten Dichters Publius Ovidius Naso (kurz: Ovid), die der\nam 20. M\u00e4rz 43 vor Christus Geborene vor \u00fcber 2000 Jahren geschrieben hat. Es\ngen\u00fcgt, dass man ann\u00e4hernd wei\u00df, wer sich auf der B\u00fchne im wilden Tanz tummelt:\nOrpheus und seine durch einen Schlangenbiss dahingeraffte Eurydike, das\nperfekte Liebespaar Venus und Adonis, der von der Jagdg\u00f6ttin Diana in einen\nHirsch verwandelte Aceton und die in eine B\u00e4rin verwandelte Nymphe Calisto. \u201eEs\nist\u201c, so sagt Ballettchef Guido Markowitz, \u201eein Blick in den Kopf von Ovid.\u201c\nSeine Gedanken, denen die Verwandlungen (Metamorphosen) entsprungen sind stellt\nder erste Teil des Tanzabends dar. Hinter der raschelnden schwarzen Folie\ntaucht pickend und mit typisch ruckelnden Vogelbewegungen der \u201eFeuervogel\u201c auf,\ndie T\u00e4nzerin greift die zuvor auf den Vorhang projizierten Fl\u00fcgelbewegungen\nauf. Der 1910 zum ersten Mal aus dem Ei geschl\u00fcpfte Feuervogel von Igor\nStrawinsky soll den in die Prinzessin verliebten Mann ablenken. Das geschieht\ndurchaus mit klassischen Ballett-Elementen \u2013 auf Spitze getanzt. Faszinierend\nist es, die Verschmelzung von klassischen Ballettelementen mit moderner\nBewegung zu verfolgen. Das hat seinen Reiz und f\u00fchrt dazu, dass man jede\nBewegung mit Argus-Augen verfolgt. Michel Fokine hat das schon Anfang des 20.\nJahrhunderts gewagt und dem stumpf gewordenen Ballett damit die Spinnwegen von\nden Ballettschuhen gefegt. Auch Guido Markowitz bringt sein Ensemble dazu, die\nEmotionen mit jeder Faser des K\u00f6rpers f\u00fcr den Betrachter sichtbar werden zu\nlassen. K\u00f6rper, die man lesen kann. Die wie ein offenes Buch sind. Da sind\nkeine Pirouetten drehenden Marionetten auf der B\u00fchne, sondern Menschen aus\nFleisch und Blut.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/THPF_V4-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-31990\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/THPF_V4-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/THPF_V4-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/THPF_V4-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/THPF_V4-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption> <br>&#8216;Verwandlungen&#8217; &#8216;Metamorphosen&#8217; Pennacchini, Blattner, <br>Foto Andrea D&#8217;Aquino <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Klarheit, Leichtigkeit ist es, was Guido\nMarkowitz im zweiten Teil der Trilogie in den Vordergrund r\u00fcckt. Die Basis\nhierf\u00fcr bildet Strawinskys \u201eDumbarton Oacks\u201c aus dem Jahr 1937\/38. Episoden aus\nOvids \u201eMetamorphosen\u201c werden dazu getanzt. Mit goldenen Masken, mit\nHirschgeweih, Verwirrungen, Irrungen, mit einer raffinierten B\u00fchnenteilung mit\neinem erh\u00f6hten Tanzboden wird der Tanz auch in der Unterwelt sichtbar.\nVerbannung als Erl\u00f6sung? Tod als Befreiung? Die Themen sind so vielschichtig,\nwie der ausdrucksvolle Tanz. Ovid wird \u00fcbrigens nach Erscheinen der \u201eMetamorphosen\u201c\nvon Kaiser Augustus aus Rom verbannt. Ist sie zu schwer, die Kost? Es ist auf\njeden Fall aufw\u00fchlend, auch auf der Pforzheimer B\u00fchne. <\/p>\n\n\n\n<p>Im dritten und letzten Teil des Tanzabends\nr\u00fcckt der Pianist auf die B\u00fchne, bildet die Komposition \u201eMetamorphosis\u201c von\nPhilip Glass den musikalischen Hintergrund mit melodischen Wiederholungen, die\ngleichzeitig hoffnungsvoll und melancholisch klingen und das, was das\nBallettensemble tanzt noch tiefer in die Wahrnehmung eindringen l\u00e4sst. Hier\nwagt Markowitz den Spagat von der Antike in die Moderne. Die G\u00f6tter von damals\nals die G\u00f6tter von heute, im Anzug statt im goldenen Vlies. Die Probleme von\ndamals sind die Probleme von heute. Um gro\u00dfe Gef\u00fchle, gro\u00dfe Emotionen&nbsp; gut sichtbar zu machen braucht es ein auf das\nWesentliche reduziertes B\u00fchnenbild. Dem Stuttgarter Medienk\u00fcnstler Philip\nContag-Lada gelingt das: Videoinstallationen lassen Flammen z\u00fcngeln, 2000 Jahre\nalte G\u00f6tter- und Menschengestalten \u00fcber den Vorhang flimmern, das Wort Zeus ins\nAuge springen. Der Zauberwald ist eine schwarze Folie, die raschelnd dunkle\nGestalten geb\u00e4rt. Die G\u00f6tter und Menschen der Antike treiben es bunt zwischen\nunbunten, von der Decke h\u00e4ngenden Stoffbahnen. <\/p>\n\n\n\n<p>Nur, wie geht sie aus, die Geschichte von\nHera und dem seine Trieben mit aller List und T\u00fccke auslebenden Zeus? Kehrt der\nsich im dritten Teil in seiner Macht suhlende Zeus in den Scho\u00df Heras zur\u00fcck?\nL\u00e4sst er sie links liegen? Es ist beides und nichts davon. Alles ist m\u00f6glich.\nAuch heute. Und im Tanz erst recht. Daf\u00fcr ist die mutige Inszenierung von\n\u201eVerwandlungen\u201c ein lebendes, ein getanztes Beispiel. Der lang anhaltende\nApplaus spricht f\u00fcr sich. Er ist verdient.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Text und Fotos: Susanne Roth<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ballett \u2013 Tanzabend von Guido Markowitz \u2013 Urauff\u00fchrung im Stadttheater Pforzheim Leidenschaft, Gier, Macht, Hingabe, Liebe, Kummer, Abscheu, Hass, Z\u00e4rtlichkeit und am Ende ein Schrei aus vielerlei M\u00fcndern. Einer, bei dem der ganze K\u00f6rper ein einziger verzweifelter Schrei ist. 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