{"id":31374,"date":"2018-09-28T09:14:56","date_gmt":"2018-09-28T09:14:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/?p=31374"},"modified":"2018-09-30T17:00:18","modified_gmt":"2018-09-30T17:00:18","slug":"die-spielzeit-2017-18-ein-ruckblick-von-hartmut-regitz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/die-spielzeit-2017-18-ein-ruckblick-von-hartmut-regitz\/","title":{"rendered":"Die Spielzeit 2017\/18: ein R\u00fcckblick von Hartmut Regitz"},"content":{"rendered":"<p>So gigantisch ist Deutschland eigentlich nicht. Aber wenn man sich zwischen den Spielzeiten anhand der Theaterprospekte eine \u00dcbersicht \u00fcber die sich vorbereitende Saison verschaffen will, kann man leicht einen anderen Gr\u00f6\u00dfeneindruck gewinnen. Kaum zu z\u00e4hlen sind die Theater zwischen Aachen (wo die Tanzsparte allerdings schon vor l\u00e4ngerer Zeit abgewickelt wurde) und G\u00f6rlitz, zwischen Flensburg und Friedrichshafen (wo im Graf-Zeppelin-Haus zwischendurch immerhin das Hamburg Ballett gastiert). Und einige davon bieten nicht blo\u00df eine Ballettpremiere an, sondern deren zwei, drei, bisweilen sogar vier.<\/p>\n<p>Also f\u00fcllt man Seiten um Seiten damit, was einem trotz reicher Erfahrung neu vorkommt, was auf den ersten Blick eigenwillig erscheint, was m\u00f6glicherweise Tendenzen erkennen l\u00e4sst. Man notiert sich die Termine, obwohl man wei\u00df, dass die Zeiten vorbei sind, in denen man noch in einer s\u00fcddeutschen Zeitung beispielsweise \u00fcber eine Premiere in Kassel berichten konnte, Zeiten, in denen einen der Rundfunk zu einer Urauff\u00fchrung des Balletts \u201eDer Rattenf\u00e4nger von Hameln\u201c nach Detmold schickte. Und vermerkt auf seiner Liste ein Programm in Cottbus mit dem vielversprechenden Titel \u201eMenschenkinder\u201c, weil nach langer Zeit wieder Birgit Scherzer am Werk ist, die auch noch f\u00fcr das Th\u00fcringer Staatsballett einen nagelneuen \u201eNussknacker\u201c ank\u00fcndigt. Man fragt sich, wie eine \u201eGr\u00e4fin Cosel\u201c ausschauen k\u00f6nnte, der Carlos Matos in Dresden-Radebeul Reverenz erweisen will. Wei\u00df, dass Mario Schr\u00f6der am Leipziger Ballett nicht der erste Choreograf ist, der sich mit Bachs \u201eJohannes-Passion\u201c besch\u00e4ftigt. Und konstatiert, dass wieder einmal \u201eSchwanensee\u201c zu <strong>dem<\/strong> Ballett der Spielzeit 2017\/18 wird. Neufassungen und Neueinstudierungen gab\u2019s nicht nur in Augsburg, Radebeul, Stuttgart, Leipzig, D\u00fcsseldorf. Auch in Basel, London und Z\u00fcrich stand das Ballett der Ballette zur Diskussion.<\/p>\n<p>Ansonsten versprach die Spielzeit kaum eine Klassiker-Produktion, von ein paar \u201eDornr\u00f6schen\u201c-Neufassungen in Saarbr\u00fccken, Meiningen und Ulm abgesehen. Das abendf\u00fcllende Ballett war dennoch weithin angesagt: \u201eRomeo und Julia\u201c vor allem, jeweils von Bridget Breiner, Simone Sandroni, Ivan Alboresi oder Luciano Cannito choreografiert, Shakespeares \u201eSommernachtstraum\u201c in den unterschiedlichsten Versionen, aber auch eine neue \u201eKameliendame\u201c (von Ralf Rossa in Halle), \u201eDie kleine Meerjungfrau\u201c (von Annett G\u00f6hre in Zwickau), \u201eD\u00fcrer\u2019s Dog\u201c (von Goyo Montero in N\u00fcrnberg), die \u201eSch\u00f6pfung\u201c (von Jutta Ebnother in Schwerin) oder ganz einfach ein so genannter \u201eHeimatabend\u201c wie der von Gregor Z\u00f6llig am Staatstheater Braunschweig. Dazu unz\u00e4hlige Mischprogramme, die oft unter einem thematischen Titel ein vielschichtiges Erlebnis verhei\u00dfen.<\/p>\n<p>Niemand kann das alles sehen \u2013 nicht einmal die Vertreter der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit, die st\u00e4ndig auf Achse sind. Jeder Beobachter muss sich entscheiden. Auch setzen einem die finanziellen M\u00f6glichkeiten gewisse Grenzen. Und wenn, wie am 11. November geschehen, gleich f\u00fcnf Premieren auf denselben Tag fallen, kann sich ein Kritiker nicht klonen: Gibt er dem \u201eRachmaninow\u201c von Xin Peng Wang nun den Vorzug vor der \u201eKameliendame\u201c von Ralf Rossa, weil man vielleicht mit der von John Neumeier vergleichen k\u00f6nnte? Oder l\u00e4sst er sich lieber von dem Dreier-Abend \u201eFrom the Lighthouse\u201c von Antoine Jully, Lester Ren\u00e9 \u00c1lvarez und Alwin Nikolais locken, von \u201eDusk\u201c von Nanine Linning in Heidelberg oder dem Ballett \u201eDer Tod und das M\u00e4dchen\u201c von Stephan Thoss im benachbarten Mannheim?<\/p>\n<p>Was von einer Spielzeit bleibt, was sich dem Ged\u00e4chtnis m\u00f6glicherweise sogar als Tendenz einpr\u00e4gt, ist von Mensch zu Mensch verschieden und deshalb nur bedingt repr\u00e4sentativ. Ich beispielsweise habe schweren Herzens auf Besuche in D\u00fcsseldorf und Wuppertal verzichtet und mich stattdessen auf jene Kompanien kapriziert, die vor einem Wechsel stehen. Das ist in erster Linie nat\u00fcrlich das Staatsballett Berlin, das sich vorzeitig von einem Nacho Duato verabschiedet, der keinerlei Spuren im Repertoire hinterlassen wird. Und das, obwohl sich Polina Semionova mit Aplomb aus ihrer Mutterschaft zur\u00fcckgemeldet hat. Sie verk\u00f6rperte eine Kitri in der \u201eDon Quixote\u201c-Einstudierung von Victor Ullate, war noch einmal Duatos \u201eDornr\u00f6schen\u201c, wurde zuletzt sogar zu seiner \u201eJulia\u201c \u2013 und das alles so sinnlich-sch\u00f6n und mit so stupender Technik, dass man eigentlich nur bedauern kann, sie in diesen Auff\u00fchrungen nicht mehr erleben zu k\u00f6nnen. Doch daf\u00fcr soll es andere Rollen geben, sagen Johannes \u00d6hman und Sasha Waltz, die Schritt um Schritt die Staatsballett-Intendanz \u00fcbernehmen. Versprochen ist versprochen.<\/p>\n<p>Auch Nanine Linning geht. Mit bildkr\u00e4ftigen, ungew\u00f6hnlichen, manchmal sogar haptischen Inszenierungen hat sie sich in Heidelberg nicht nur viele Freunde schaffen k\u00f6nnen, sondern \u00fcberhaupt der Tanzsparte einen Boden bereitet, auf dem ihr Nachfolger Iv\u00e1n P\u00e9rez aufbauen kann. \u201eDusk\u201c, ihre letzte Urauff\u00fchrung, handelt vom Verlust eines geliebten Menschen, und das auf eine schlichte, sehr stille, ganz und gar konzentrierte Bewegungsart, die so ganz anders war als die sonst gewohnte Opulenz. Umso neugieriger darf man auf ihren Beitrag zum Bauhaus-Jubil\u00e4um sein, den Tamas Detrich als Intendant des Stuttgarter Balletts f\u00fcr M\u00e4rz 2019 bei ihr in Auftrag gab. Er l\u00f6st Ende dieser Spielzeit Reid Anderson ab, der nach 22 Jahren noch einmal aus dem Vollen sch\u00f6pfte, die \u201eLulu\u201c seines langj\u00e4hrigen Hauschoreografen Christian Spuck wieder ins Programm nahm, ein paar herausfordernde St\u00fcck-Kombinationen wagte und ein letztes Mal die Kreativit\u00e4t seiner \u201eFantastischen F\u00fcnf\u201c erprobte, als da sind: Fabio Adorisio, Katarzyna Kozielska, Roman Novitzky, Louis Stiens und nat\u00fcrlich vor allen anderen Marco Goecke, der auch andernorts das Ballettrepertoire geh\u00f6rig aufmischte.<\/p>\n<p>Iv\u00e1n P\u00e9rez und Tamas Detrich haben k\u00fcnftig im S\u00fcdwesten das Sagen. Es sind nicht die Einzigen: Neu im \u201eL\u00e4ndle\u201c ist Reiner Feistel, der zuletzt in Chemnitz gearbeitet hat und jetzt am Stadttheater Ulm Roberto Scafati beerbt. Nicht ganz so neu wird Bridget Breiner sein, wenn sie 2019 am Badischen Staatsballett Karlsruhe die Nachfolge von Birgit Keil antritt. In Stuttgart kann man sich noch gut an die starke B\u00fchnenpers\u00f6nlichkeit erinnern, die vor sechs Jahren zur \u00dcberraschung aller als Choreografin ans Musiktheater im Revier wechselte \u2013 und, Frau muss man eben sein, das Ballett in Gelsenkirchen auf Vordermann brachte.<\/p>\n<p>Tiefgreifende Ver\u00e4nderungen deuten sich an, und das ist gut so. Nur wer die Neugier weckt, wird wahrgenommen. Also greift man nach den Theatervorschauen, auf das eine oder andere Ereignis hoffend, notiert sich erste Termine und gewinnt beim Bl\u00e4ttern den Eindruck: Es kann spannend werden 2018\/19, selbst wenn man angesichts der F\u00fclle leicht die \u00dcbersicht verliert. Noch spannender als in der laufenden Saison, die nun am Ende ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So gigantisch ist Deutschland eigentlich nicht. Aber wenn man sich zwischen den Spielzeiten anhand der Theaterprospekte eine \u00dcbersicht \u00fcber die sich vorbereitende Saison verschaffen will, kann man leicht einen anderen Gr\u00f6\u00dfeneindruck gewinnen. Kaum zu z\u00e4hlen sind die Theater zwischen Aachen (wo die Tanzsparte allerdings schon vor l\u00e4ngerer Zeit abgewickelt wurde) und G\u00f6rlitz, zwischen Flensburg und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":31375,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[72],"tags":[],"class_list":["post-31374","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-performance"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31374","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=31374"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31374\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31376,"href":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31374\/revisions\/31376"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/31375"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=31374"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=31374"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=31374"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}