{"id":31254,"date":"2018-05-13T08:50:31","date_gmt":"2018-05-13T08:50:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/?p=31254"},"modified":"2018-08-23T08:55:08","modified_gmt":"2018-08-23T08:55:08","slug":"wo-genau-treffen-sich-eigentlich-musik-und-tanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/wo-genau-treffen-sich-eigentlich-musik-und-tanz\/","title":{"rendered":"MUSIK UND TANZ? Wo genau treffen sich eigentlich Musik und Tanz?"},"content":{"rendered":"<p>Im gemeinsamen Rhythmus? Beim Einhalten von Takt und Metrum? Oder doch auf den B\u00f6gen einer Melodie? Auf mehreren Ebenen, sagen T\u00e4nzer und Choreografen. Im Unendlichen, w\u00fcrde <strong>Anne Teresa De Keersmaeker<\/strong> vermutlich antworten, aber zugleich eben auch konkret auf der B\u00fchne im Dialog. Das beweist ihr j\u00fcngstes Werk mit dem Titel \u201eMitten wir im Leben sind\u201c, der in seiner ungew\u00f6hnlichen Formulierung von einem Satz Martin Luthers inspiriert wurde, der ungek\u00fcrzt \u201eMitten im Leben sind wir vom Tod umfangen\u201c lautet.<\/p>\n<p>In den letzten August-Tagen bei der Ruhrtriennale in Gladbeck uraufgef\u00fchrt, bestritt der zweist\u00fcndige Abend nur wenige Tage sp\u00e4ter, am 3. September, die erste regul\u00e4re Spielzeit-Er\u00f6ffnung der Elbphilharmonie in Hamburg. Diese Tatsache ist im doppelten Sinn erstaunlich: Zum einen, weil De Keersmaekers Company \u201eRosas\u201c erstmalig in einem Konzerthaus auftritt; und zum anderen, weil es als mutiges Statement gelesen werden kann, wenn ein Tempel f\u00fcr (klassische) Musik mit zeitgen\u00f6ssischem Tanz in die erste Saison startet.<\/p>\n<p>Die offizielle Langfassung des Titels \u2013 \u201eMitten wir im Leben sind \/ Bach 6 Cellosuiten\u201c \u2013 verweist auf die Musik. Johann Sebastian Bachs Cellosuiten, entstanden um 1720, geh\u00f6ren zu den Meilensteinen westlicher Kompositionskunst. Die belgische Choreografin besch\u00e4ftigt sich zum wiederholten Mal mit dem bedeutendsten Musiker des Barock, doch bei dieser Kreation habe sie \u201esehr viel gelernt\u201c, es sei der bisherige H\u00f6hepunkt in ihrer Laufbahn, unter dem Aspekt der Zusammenarbeit mit einem Musiker. In diesem Fall ist es der kanadische Star-Cellist Jean-Guihen Queyras.<\/p>\n<figure id=\"attachment_31256\" aria-describedby=\"caption-attachment-31256\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-31256\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/170902_rosas_mitten_wir_im_leben_sind_probe_c_anne_van_aershot1-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/170902_rosas_mitten_wir_im_leben_sind_probe_c_anne_van_aershot1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/170902_rosas_mitten_wir_im_leben_sind_probe_c_anne_van_aershot1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/170902_rosas_mitten_wir_im_leben_sind_probe_c_anne_van_aershot1-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/170902_rosas_mitten_wir_im_leben_sind_probe_c_anne_van_aershot1-768x513.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-31256\" class=\"wp-caption-text\">Rosas\/Probe<br \/>\u00a9 Anne Van Aerschot<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Musik zu analysieren, war f\u00fcr beide Ausgangspunkt. Bei dieser Ann\u00e4herung gab es einen gemeinsamen Nenner: Demut vor dem musikalischen Genie Bachs und dessen Werk. \u201eEs liegt zu viel Sch\u00f6nheit darin\u201c, versucht De Keersmaeker ihre Haltung zu benennen, also hie\u00df es, zun\u00e4chst klein anfangen. \u201eWie hat der Komponist begonnen? An diesem zu findenden Nullpunkt wollten auch wir ansetzen,\u201c so De Keersmaeker \u00fcber die Kooperation mit dem Cellisten.<br \/>\nBeide ringen um eine Balance zwischen den Emotionen der Musik und der Strenge, wie sie komponiert wurde. Gibt es einen Charakter, der alle sechs Suiten verbindet, so etwas wie eine musikalische Dramaturgie? Immerhin haben die sechs Suiten allesamt sechs S\u00e4tze und den gleichen Aufbau: Nach einer einf\u00fchrenden Pr\u00e9lude folgen \u2013 immer in der gleichen Reihenfolge \u2013 als zweites eine\u00a0Allemande, dann eine Courante, viertens eine Sarabande und eine Gigue an sechster Stelle; der vorletzte, f\u00fcnfte Satz bildet die Ausnahme, er wechselt zwischen Menuett, Bourree und Gavotte. Und so wie der f\u00fcnfte von sechs S\u00e4tzen abweicht, so auch die f\u00fcnfte von den insgesamt sechs Suiten. Und auch darauf reagiert die Choreografin: Sie verzichtete bei der Ausnahme auf eine t\u00e4nzerische Ebene!<\/p>\n<p>L\u00e4sst man die Pr\u00e9ludes au\u00dfer acht, so verweisen alle anderen Namen auf T\u00e4nze, die vor bzw. im Barock zum beliebten h\u00f6fischen Zeitvertreib z\u00e4hlten. In Bachs Kompositionen sind die Charakteristika der jeweiligen T\u00e4nze noch h\u00f6rbar \u2013 tanzbar indes ist die Musik mit den \u00fcberlieferten Schritten nicht mehr, daf\u00fcr ist sie zu kunstvoll bearbeitet und zu rasant im Tempo. \u201eBach entfernte sich von der Tanzmusik, aber seine Suiten haben noch dieselbe DNA wie die urspr\u00fcnglichen T\u00e4nze\u201c, beschreibt De Keersmaeker die historische Entwicklung, auf die sie entsprechend mit Bewegungen reagiert. So wie sie auch auf formaler Ebene eine t\u00e4nzerische Entsprechung f\u00fcr kompositorische Prinzipien findet: Sie ordnet jede der ersten vier Suiten einem Mitglied ihrer Company zu. In den Pr\u00e4ludien stellt sich die jeweilige Pers\u00f6nlichkeit individuell vor. Im zweiten Satz, den Allemanden, entert die Choreografin die B\u00fchne und begleitet ihre Protagonisten. F\u00fcr sie ist es von gro\u00dfer Bedeutung, dass sie diese vier Menschen seit Jahren kennt und \u00fcber die Zusammenarbeit Vertrauen wachsen konnte. Das besteht offenbar auch zwischen ihr und Jean-Guihen Queyras, den sie integriert: Nach jeder Suite verl\u00e4sst er die B\u00fchne, um zu Beginn der n\u00e4chsten an einem anderen Ort Platz zu nehmen und auf diese Weise unterschiedliche Perspektiven auf die T\u00e4nzer zu erhalten. In der letzten Suite steigert sich die Musik in einen Taumel, und De Keersmaeker l\u00e4sst die gesamte Gruppe auftreten. \u201eIch versuche, die Musik sichtbar zu machen, Kl\u00e4nge zu verk\u00f6rpern. Das ist ein heilender Vorgang.\u201c<\/p>\n<p>Dagmar Ellen Fischer<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im gemeinsamen Rhythmus? Beim Einhalten von Takt und Metrum? Oder doch auf den B\u00f6gen einer Melodie? Auf mehreren Ebenen, sagen T\u00e4nzer und Choreografen. 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