{"id":31162,"date":"2018-07-21T14:27:35","date_gmt":"2018-07-21T14:27:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/?p=31162"},"modified":"2018-09-17T07:46:01","modified_gmt":"2018-09-17T07:46:01","slug":"begeisterung-im-tanzland-in-waldkraiburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/begeisterung-im-tanzland-in-waldkraiburg\/","title":{"rendered":"Begeisterung im TANZLAND in Waldkraiburg"},"content":{"rendered":"<p><strong>Es gibt viel mehr Publikum f\u00fcr Tanz als man denkt. Nur sitzt es nicht in Hamburg, Berlin, Stuttgart oder M\u00fcnchen, sondern in den kleinen und mittelgro\u00dfen St\u00e4dten in ganz Deutschland. Seit einem Jahr k\u00fcmmert sich eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes gemeinsam mit dem Dachverband Tanz um dieses Publikum. 2,35 Millionen Euro umfasst der Fonds TANZLAND, mit dem bis 2021 19 Compagnien an Stadttheatern und frei schaffende Kollektive gef\u00f6rdert werden, ihre Tanzsprachen und -st\u00fccke in insgesamt 20 andere St\u00e4dte zu bringen. Die dabei entstehenden Tanz-Partnerschaften unterscheiden sich erheblich von jenen Experimenten, bei denen sich St\u00e4dte ein Tanzensemble geteilt haben. Denn im Zentrum der Kooperationen stehen neben Vorstellungen der Austausch \u00fcber das Tanzerlebnis und deren Vermittlung. Guido Markowitz, Direktor des Ballett Theater Pforzheim, genie\u00dft als Einziger das Gl\u00fcck, seinen Tanz in gleich zwei s\u00fcddeutsche St\u00e4dte bringen zu d\u00fcrfen: aktuell ins bayerische Waldkraiburg und ab Herbst 2019 nach Metzingen in Baden-W\u00fcrttemberg. Im Gespr\u00e4ch mit Alexandra Karabelas zieht er eine erste Zwischenbilanz.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_31164\" aria-describedby=\"caption-attachment-31164\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-31164 size-full\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/THPF_Gudio-Markowitz_Ballettdirektor_Sebastian-Seibel.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"960\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/THPF_Gudio-Markowitz_Ballettdirektor_Sebastian-Seibel.jpg 640w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/THPF_Gudio-Markowitz_Ballettdirektor_Sebastian-Seibel-300x450.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/THPF_Gudio-Markowitz_Ballettdirektor_Sebastian-Seibel-600x900.jpg 600w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/THPF_Gudio-Markowitz_Ballettdirektor_Sebastian-Seibel-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-31164\" class=\"wp-caption-text\">Guido Markowitz, Foto von Sebastian Seibel<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong><em>Nenne Sie mir eine unabdingbare Voraussetzung, damit eine solche TANZLAND-Kooperation funktioniert.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Nun, man braucht nat\u00fcrlich einen Intendanten, der das auch f\u00f6rdert, und in Thomas M\u00fcnstermann haben wir einen solchen Intendanten. Dar\u00fcber bin ich froh und gl\u00fccklich. Ich bin ja an das Theater Pforzheim gebunden und habe mit Waldkraiburg und Metzingen pl\u00f6tzlich mehrere Spielorte. Da m\u00fcssen alle mitmachen.<\/p>\n<p><strong><em>Inwieweit beeinflusst Ihre TANZLAND-Arbeit Ihre Arbeit in Pforzheim konkret? <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst beeinflusst sie organisatorisch das ganze Haus. Oper, Schauspiel und das Kinder- und Jugendtheater unternehmen sehr viele Gastspiele. Neu war, dass nun auch das Ballett ausw\u00e4rts spielt und zudem verbindlich in eine andere Stadt geht. Daran gew\u00f6hnen sich zur Zeit alle. Ganze Abteilungen, von der Verwaltung bis zur Maske, unterst\u00fctzen uns mit voller Kraft und Energie und arbeiten konkret daran mit, dass unsere TANZLAND-Kooperation gelingt. Daf\u00fcr bin ich sehr dankbar. Die Kollegen sp\u00fcren die Begeisterung, die das Ballett Theater Pforzheim in Waldkraiburg ausgel\u00f6st hat. Sie merken, dass die Menschen uns dort wollen. Sie erhalten f\u00fcr \u00a0ihre Arbeit viel Positives zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong><em>In Waldkraiburg war bis zu Eurem Engagement sehr wenig Tanz. Was am Tanz war dadurch f\u00fcr Sie sp\u00fcrbar geworden, was Tanz mit Menschen macht oder kann? <\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong>Ab der ersten Minute haben wir eine gro\u00dfe Neugierde auf Tanz wahrgenommen. Viel mehr Menschen als gedacht kamen zu unseren Veranstaltungen. Selbst die Organisatoren in Waldkraiburg haben nicht damit gerechnet. Die Bereitschaft ist in Waldkraiburg da, Neues zu sehen.<\/p>\n<p><strong><em>Wie sind Sie bei der Entwicklung des Spielplans f\u00fcr Waldkraiburg vorgegangen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong>Wir haben in Waldkraiburg mit einem \u201eMeet &amp; Greet\u201c angefangen. Wir brachten Ausschnitte aus dem ganzen Programm der Spielzeit auf die B\u00fchne, einfach um zu zeigen, was es gibt \u2013 die ganze Vielfalt. Jedes meiner St\u00fccke weist andere Einfl\u00fcsse auf, auch wenn ich nat\u00fcrlich meinen Stil in jedes hineinbringe. Aber Vielf\u00e4ltigkeit ist mir sehr wichtig. Das Interesse war dann sehr gro\u00df, etwas Passendes f\u00fcr Waldkraiburg zusammenzustellen. Auch an Workshops \u00fcbrigens. Ich bin in die Schulen mitgefahren und habe mit den Lehrern und Rektoren gesprochen und so den Bedarf ermittelt. Dann gaben wir unsere erste Vorstellung von \u201eTanz Pur\u201c \u2013 ein Programm, das wir seit drei Jahren haben. Junge Gastchoreographen erarbeiten neue Bewegungssprachen und St\u00fccke f\u00fcr uns. Erg\u00e4nzt haben wir die Performances um Einf\u00fchrungen und Workshops. Dadurch wurde der Kontakt zur Vorstellung noch intensiver. Gemeinsam mit dem Publikum schauten wir die Tanzvorstellung an, und lernten in den Workshops einzelne Passagen selbst. So hatten wir Kontakt zu den Zuschauern und Teilnehmern, zu den Kritikern auch, und auch den k\u00fcnstlerischen Austausch. Vieles habe ich nat\u00fcrlich auch offen gelassen, weil ich es wichtig finde, dass die Menschen ihre eigene Interpretation des Erlebten einbringen.<\/p>\n<p><strong><em>Wie haben die Zuschauer auf Ihre Arbeit reagiert? Die Kritiken waren ja sehr gut.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Produktionen, die wir bislang gezeigt haben, eben \u201eMozart-Requiem \u2013 Feiert das Leben!\u201c und den Abend \u201eTanz Pur\u201c mit neuen St\u00fccken von Eduardo Novelli, Damian Gm\u00fcr und Moritz Ostruschnjak, haben starke Gef\u00fchle ausgel\u00f6st. So habe ich das wahrgenommen. Zuschauer haben mir danach begeistert gesagt, es sei so emotional und beeindruckend gewesen. Mich hat eine Dame sehr ber\u00fchrt. Sie kam nach der Vorstellung von \u201eMozart-Requiem \u2013 Feiert das Leben!\u201c, das wir mit Chor und Orchester in Waldkraiburg umgesetzt haben, zu mir und sagte, sie sei \u00f6fter in M\u00fcnchen, um sich dort klassische St\u00fccke anzusehen. Sie sei nun aber extrem begeistert von unserer Vorstellung und werde mehr Zeitgen\u00f6ssischen Tanz anschauen. Und das ist der Weg, den man gehen muss, denke ich. Dass man den Menschen zeigt, wie vielf\u00e4ltig Tanz sein kann. Dass man das ganze Spektrum im Tanz bewusst macht \u2013 vom Tanztheater \u00fcber Zeitgen\u00f6ssischen Tanz bis zu Klassischem Tanz oder Volkstanz und dass alle Arten zu tanzen gleichwertig sind. Wir als Ballett Theater Pforzheim pr\u00e4sentieren nat\u00fcrlich Zeitgen\u00f6ssischen Tanz, das Zeitgen\u00f6sssiche Tanztheater, und in dem Bereich sind wir sehr stark.<\/p>\n<p><strong><em>F\u00fcr Sie als K\u00fcnstler bedeutet das auch, neue Plattformen zu haben und sich anders ausprobieren zu k\u00f6nnen.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Absolut. Es ist f\u00fcr mich spannend zu sehen, wo die Leute wie unterschiedlich auf meine St\u00fccke reagieren. Einige Male habe ich erwartet, dass das eine oder andere komisch ankommt, und dann wurden die St\u00fccke so gut aufgenommen.<\/p>\n<p><strong><em>In der kommenden Spielzeit starten Sie zudem die Kooperation mit Metzingen. Wie gehen Sie hier bei der Programmentwicklung vor? Was wird der Ansatz sein?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ja, wir sind nach Metzingen gefahren und ich dachte, oh, was Tanz angeht, kennen die schon ganz viel. Es gibt dort viele Tanzgastspiele, es gibt Tanzinteressierte vor Ort. Wir sahen dann, dass die Stadt gro\u00dfe Lust hat, Neues zu entwickeln und Neues entstehen zu lassen. Deswegen haben wir auch ein Programm aufgebaut, das dem Bed\u00fcrfnis der Stadt entspricht. Wir werden hier keine gro\u00dfen Programme zeigen, aber daf\u00fcr mehrere kleinere und vor allem Workshops, so dass wir dort auch Zeitgen\u00f6ssischen Tanz etablieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong><em>Wie lautet Ihre erste Bilanz nach einem Jahr TANZLAND-Kooperation? W\u00fcrden Sie eine solche Kooperation mit einer Stadt, die keine Tanzhochburg ist, bei allen Verpflichtungen in Pforzheim nochmal eingehen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>Eindeutig ja. Jedes Mal, wenn ich nach Waldkraiburg komme, ist es toll f\u00fcr mich zu sehen, wie viele begeisterte Menschen dort im Publikum sitzen und dass sie einen Bezug zu uns, dem Ballett Theater Pforzheim, haben. Uns hat sich deutlich gezeigt, dass das Potenzial f\u00fcr den Tanz gerade auf dem sogenannten \u201eLand\u201c riesig ist. Das hochqualitative Potenzial von Tanz in Deutschland wird dadurch auch nochmal gegen\u00fcber den INTHEGA-H\u00e4usern, also den St\u00e4dten mit Theatergastspielen, sichtbar gemacht. Darauf lenkt das TANZLAND-Programm die Aufmerksamkeit. Das finde ich sehr wichtig. Wenn eine Kritikerin schreibt, wir sind Tanzland, dann ist das ein Wegweiser, hier weiter zu machen. Man sollte diese Dinge unbedingt weiter f\u00f6rdern, die sich gerade etablieren.<\/p>\n<p>Alexandra Karabelas<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt viel mehr Publikum f\u00fcr Tanz als man denkt. Nur sitzt es nicht in Hamburg, Berlin, Stuttgart oder M\u00fcnchen, sondern in den kleinen und mittelgro\u00dfen St\u00e4dten in ganz Deutschland. 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