{"id":31154,"date":"2018-07-16T10:14:58","date_gmt":"2018-07-16T10:14:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/?p=31154"},"modified":"2018-07-16T10:21:18","modified_gmt":"2018-07-16T10:21:18","slug":"wuppertal-ekalt-die-stadt-trennt-sich-von-adolphe-binder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/wuppertal-ekalt-die-stadt-trennt-sich-von-adolphe-binder\/","title":{"rendered":"Wuppertal Ekalt: Die Stadt trennt sich von Adolphe Binder"},"content":{"rendered":"<p><em>Das Tanztheater Wuppertal kommt nicht zu Ruhe. Am Wochenende erreichte uns eine traurige Nachricht: <\/em><br \/>\n<em>Adolphe Binder,\u00a0 seit 2017 erfolgreich als Intendantin des Tanztheaters Wuppertal-Pina Bausch t\u00e4tig, wurde \u00fcberraschend au\u00dferordentlich gek\u00fcndigt.\u00a0Offenbar seit l\u00e4ngerer Zeit brodelte hinter die T\u00fcren in Wuppertal.\u00a0 Adolphe Binder schwieg auch. Bis zu diesem Wochenende. Doch nur einen Tag nachdem der Beirat die Entscheidung bekannt gab, wehrt sie sich gegen die Vorw\u00fcrfe und\u00a0 ver\u00f6ffentlicht einen &#8220;Offenen Brief&#8221; (siehe Text unten). Zahlreiche internationale Tanzschaffende und Kollegen meldeten sich sofort auf allen Sozialen Netzwerken zu Wort und gaben ihr R\u00fcckhalt und Mut. Die T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzer des Tanztheaters Wuppertal, am Freitag erst aus einem Gastspiel in Paris zur\u00fcckgekehrt, wurden nur kurzfristig bei einer Versammlung informiert. Alle sind\u00a0&#8220;Bedr\u00fcckt, ernst und betroffen&#8221; wie der Stadtdirektor Johannes Slawig berichtet. Und wie soll das jetzt in Wuppertal weitergehen? Die Weiterentwicklung des <span class=\"rtr-schema-org\">Tanztheaters<\/span> soll nun ein Expertengremium k\u00fcnftig entscheiden. Alistair Spalding, der Leiter des Sadler&#8217;s Wells Theaters in London h\u00e4tte sich bereits zur Mitwirkung bereit erkl\u00e4rt.\u00a0<\/em><\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Arial',sans-serif; color: #333333;\">&#8220;Die Entscheidung des Beirates, mich mit sofortiger Wirkung von meinen Aufgaben als K\u00fcnstlerische Leiterin und Intendantin des Tanztheaters Wuppertal-Pina Bausch zu entbinden, von der ich zuerst \u00fcber Pressevertreter erfuhr, habe ich mit gro\u00dfem Bedauern zur Kenntnis genommen. Dieser Entschluss dient nicht der Zukunft des Tanztheaters. Die von der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung (GF) gegen mich erhobenen -mir nur teils offiziell bekannten- Vorw\u00fcrfe sind unhaltbar und rechtfertigen keine K\u00fcndigung.<\/span><\/p>\n<p>Der Vollst\u00e4ndigkeit halber m\u00f6chte ich erg\u00e4nzen, dass ich bereits im vergangenen Jahr unter Einbeziehung der verschiedenen Abteilungen des Tanztheaters einen Spielplan f\u00fcr die Spielzeit 2018\/19 erstellt habe, der der GF seit Monaten und auch dem Beirat seit Juni vorliegt. Schwerpunktist das 10. Todesjahr von Pina Bausch mit diversen Wiederaufnahmen von Pina Bausch und anderen Choreographen, Neueinstudierungen l\u00e4nger nicht gezeigter St\u00fccke und die Fortsetzung des in dieser Spielzeit begonnen Feuer &amp; Flamme Partizipationsprojektes. Die Vorstellungen sind von den Veranstaltern teilweise angek\u00fcndigt und Karten werden aktuell f\u00fcr Wuppertal, Tel Aviv, Sao Paulo, London, Paris und Antwerpen verkauft. Gastvertr\u00e4ge f\u00fcr diverse Highlights in Wuppertal sind lange fest verabredet und von der GF best\u00e4tigt.<\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Arial',sans-serif; color: #333333;\">Seit meiner Berufung haben die T\u00e4nzer*innen, das Team und ich erfolgreich und mit gro\u00dfem Respekt f\u00fcreinander zusammengearbeitet. Trotz enormer Hindernisse und fehlender Unterst\u00fctzung durch die GF ist es gelungen, zwei Urauff\u00fchrungen zu entwickeln, die national und international gro\u00dfe Beachtung gefunden haben, in Wuppertal, Oslo und Amsterdam mit \u201eStanding Ovations\u201c gefeiert wurden\u00a0und bei den Koproduzenten und der internationalen Szene gro\u00dfen Zuspruch gefunden haben.\u00a0Hinzu kommen Neueinstudierungen, neue Formate und Programmreihen, die Gewinnung neuer Partner und Mittel.\u00a0Die Arbeit und das Werk der Choreographin Pina Bausch lebt, ist vital und wird nun bereichert. Das Ensemble hat seine Weltgeltung behauptet. Es war stets mein Ziel den K\u00fcnstlern und der Kunst einen ehrlichen Echo Raum und eine produktive Plattform zu bauen. Neues schaffen, teilhaben lassen hei\u00dft auch unsicheres Terrain betreten: Eine Neubegegnung und ein Kraftakt, der nach Transparenz und Inspiration verlangt.\u00a0 Die Auslastung liegt \u00fcber 90 Prozent, wir haben uns der n\u00e4chsten Generation zugewandt, uns der Stadt ge\u00f6ffnet, internationale Metropolen begeistert, sind diverse Kooperationen eingegangen, haben neue Partner und frische Mittel gefunden. Die Sichtbarmachung unserer Prozesse, auch im Hinblick auf neue Publika, unsere Exzellenz-F\u00f6rderung bei gleichzeitiger Verfolgung experimenteller und innovativer Ans\u00e4tze wurden in der interkulturellen Arbeit neu verankert.\u00a0Am 12. Juli wurde das Ensemble f\u00fcr die Bessie Awards f\u00fcr die neubesetzte Fr\u00fchlingsopfer- Produktion in New York nominiert, andere saison-relevante Nominierungen werden demn\u00e4chst publiziert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Arial',sans-serif; color: #333333;\">Es erstaunt schon, dass der Beirat in seiner Erkl\u00e4rung lediglich bereit ist, diese Arbeit als \u201ek\u00fcnstlerische Impulse\u201c der Intendantin zu w\u00fcrdigen. Der k\u00fcnstlerische und kommerzielle Erfolg hat aber offenbar bei der Entscheidung, mich zu entlassen, keine Rolle gespielt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Arial',sans-serif; color: #333333;\">Auch unter den schwierigsten Bedingungen hat das Ensemble bis zur letzten Vorstellung der Spielsaison (12. Juli) in Paris Leistungen auf h\u00f6chstem k\u00fcnstlerischen Niveau erbracht. Es war immer und ist auch weiterhin handlungsf\u00e4hig. Tanzkunst ist nur als Ensemblekunst denkbar. Ich bin stolz darauf, dass es mir gelungen ist, gemeinsam mit der T\u00e4nzerschaft, dem Repertoireteam und den Probeleitern eine Atmosph\u00e4re zu schaffen, in der sich F\u00fchrungskompetenz mit kreativer Teamarbeit verbunden hat.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Arial',sans-serif; color: #333333;\">Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Dirk Hesse hat sich von Beginn an geweigert, die durch die Berufung einer Intendantin neu-geschaffene k\u00fcnstlerische Leitung zu akzeptieren und diese transparent in die Entscheidungsprozesse mit einzubeziehen. Statt die k\u00fcnstlerische Qualit\u00e4t und die k\u00fcnstlerische Weiterentwicklung des Tanztheaters in den Vordergrund zu stellen, wurde die Demonstration des Weisungsrechts des mir vorgesetzten Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers zum zentralen Handlungsmotiv. Meine Arbeit wurde laufend behindert, Ausk\u00fcnfte zum Etat sowie eine Kooperation wurden mir verweigert und ich wurde pers\u00f6nlich u.a. diffamiert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Arial',sans-serif; color: #333333;\">Der ungeregelte, sich widersprechende Zustand, dass n\u00e4mlich die Intendanz zwar das alleinige Entscheidungsrecht in allen k\u00fcnstlerischen Angelegenheiten haben soll, w\u00e4hrend doch s\u00e4mtliche Kompetenzen unbegrenzt nur bei der GF liegen, wird leider bis heute von der Stadt als Eigent\u00fcmerin des Tanztheaters geduldet. Eine die Leitungsaufgaben klarstellende Gesch\u00e4ftsordnung, die an jedem Theater \u00fcblich ist und die es auch bei der Tanztheater Wuppertal Pina Bausch GmbH fr\u00fcher gegeben hatte, wurde ohne Begr\u00fcndung seitens der Stadt und des Beirats nicht erlassen. Es kann wohl angenommen werden, dass eine angemessene Gesch\u00e4ftsordnung sowohl der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung als auch der Intendanz in der Leitung des Tanztheaters geholfen h\u00e4tte.\u00a0Die vom Beirat und dem Kulturdezernenten Herrn Nocke in Aussicht gestellte Neustrukturierung des Tanztheaters ist zu begr\u00fc\u00dfen. Sie h\u00e4tte aber vor der Schaffung der Position einer Intendanz und meiner Berufung erfolgen m\u00fcssen und war von mir als Intendantin seit Fr\u00fchjahr 2016 immer wieder gefordert worden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Arial',sans-serif; color: #333333;\">Der Beirat setzt mit der Entscheidung sich von mir zu trennen, ein fatales Zeichen. Nicht die Kunst, also die T\u00e4nzer*innen und die k\u00fcnstlerische Leitung und Intendanz sollen den erfolgreich begonnenen Weg fortsetzen, sondern die kaufm\u00e4nnische Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung bestimmt die k\u00fcnstlerische Zukunft des Tanztheaters. Ein Schelm, wer B\u00f6ses dabei denkt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Arial',sans-serif; color: #333333;\">Seit meiner Berufung im Februar 2016, zu der es aufgrund des Vorschlages einer Findungskommission, der auch Alistair Spalding angeh\u00f6rte, kam, habe ich alles getan, um gemeinsam mit den T\u00e4nzer*innen und den anderen Mitarbeiter*innen des Tanztheaters Neues zu erarbeiten und Altes lebendig und auf h\u00f6chstem Niveau zu bewahren.<\/span><\/p>\n<p>Diese Arbeit mit dem gro\u00dfartigen Ensemble und f\u00fcr das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch GmbH wollte ich fortf\u00fchren und bin deshalb nicht auf das Verlangen der Stadt und der GF, die schon seit Monaten eine Vertragsaufl\u00f6sung von mir fordern, eingegangen.&#8221;<\/p>\n<p><em>Quelle: Adolphe Binder\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Tanztheater Wuppertal kommt nicht zu Ruhe. 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