{"id":30985,"date":"2018-07-09T09:00:16","date_gmt":"2018-07-09T09:00:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/?p=30985"},"modified":"2018-07-10T07:16:20","modified_gmt":"2018-07-10T07:16:20","slug":"auf-wiedersehen-tigran-mikayelyan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/auf-wiedersehen-tigran-mikayelyan\/","title":{"rendered":"Die Zukunft wartet: Interview mit Tigran Mikayelyan"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Endlich frei! <\/strong><\/h4>\n<p><strong>Ende Juni verabschiedete sich Tigran Mikayelyan in der Rolle des Stiwa aus Christian Spucks \u201eAnna Karenina\u201c vom Bayerischen Staatsballett. <\/strong><\/p>\n<p><strong>DANCE FOR YOU: Als Erster Solist verlassen Sie nach 13 Jahren die Kompanie. Wie f\u00fchlen Sie sich, wenn Sie an die Endg\u00fcltigkeit dieser Entscheidung denken?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Tigran Mikayelyan<\/strong>: Gut! Meine Frau Mia [Staatsballett-Halbsolistin Mia Rudic] und ich erwarten im August unser erstes Kind. Wir sind sehr gl\u00fccklich. Das Wichtigste ist Gesundheit. Hat man sie, kann man viel im Leben erreichen. M\u00fcnchen war und wird f\u00fcr mich meine Heimat bleiben \u2013 ich bin einfach nur raus aus der Bayerischen Staatsoper. Hier habe ich den letzten 13 Jahren zahlreiche Rollen getanzt, aber auch viele Verletzungen gehabt.<\/p>\n<p><strong>Seit Igor Zelensky Chef des Ensembles ist, hat man Sie h\u00e4ufig in Produktionen vermisst \u2026<\/strong><\/p>\n<p>Ich mich auch! Aber es ist, wie es ist! Die Situation w\u00e4re heute vielleicht eine andere, h\u00e4tte ich vergangene Spielzeit nicht zwei Verletzungen gehabt \u2026 Niemand hat mir meine Karriere weggenommen \u2013 es hat sich so ergeben. Selbst wenn ich in allerbester Topform w\u00e4re, w\u00fcrde ich nicht sehr viel l\u00e4nger als Mitglied einer gro\u00dfen Kompanie weitertanzen. Das Leben <em>nach<\/em> dem Ballett ist nicht weniger kurz \u2013 und seit Kindertagen habe ich jede Menge Zeit mit Tanzen verbracht. Man sollte besser fr\u00fch damit beginnen, in einen neuen Lebensabschnitt zu wechseln und neue Perspektiven aufzutun \u2013 ohne die alte Besch\u00e4ftigung bis zum letzten Moment mitzuziehen.<\/p>\n<p><strong>Sie geh\u00f6ren offenbar nicht zu denjenigen, die sich schwer von ihrer aktiven B\u00fchnenkarriere l\u00f6sen. Oder doch?<\/strong><\/p>\n<p>Bei vielen gro\u00dfen T\u00e4nzern konnte ich erleben, wie sie mehr und mehr ihre Form verloren haben. Eines meiner fr\u00fchesten Vorhaben war, dass ich so keinesfalls noch auf die B\u00fchne gehen werde. Wenn ich mich heute in Trainingskleidung im Spiegel betrachte, denke ich: okay, bis 45 k\u00f6nnte ich es locker schaffen. Freilich darf ich nicht vergessen, dass ich bereits 17 Wadenverletzungen hatte \u2013 immer an verschiedenen Stellen. 20 Jahre lang war ich mit vollem Einsatz und Hingabe Profi und K\u00fcnstler. Trotzdem bin ich Realist geblieben. Es war ein M\u00e4rchen \u2013 aber nicht so \u00fcberirdisch, wie manch anderer T\u00e4nzer das vielleicht empfindet.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-30993\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Onegin_1481-1024x678.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"678\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Onegin_1481-1024x678.jpg 1024w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Onegin_1481-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Onegin_1481-600x397.jpg 600w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Onegin_1481-768x508.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Onegin_1481-100x65.jpg 100w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Onegin_1481.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p><strong>Wie haben Sie es geschafft, dass man Ihnen das Pausieren nie angemerkt hat?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn ich nach einer Verletzung zur\u00fcckgekommen bin, war ich wieder absolut fit. Es ist ja nicht so, dass man bestimmte Dinge gar nicht mehr tun kann. Man wei\u00df jedoch nie, wann es wieder eine b\u00f6se \u00dcberraschung gibt. Deshalb \u2013 und weil ich wichtige Vorstellungen der letzten Spielzeit nicht getanzt habe \u2013 f\u00fchle ich mich nicht in H\u00f6chstform. Gesundheitlich, von der Muskulatur her, f\u00fcrs normale Training und im Hinblick auf meine Zukunft als Physiotherapeut geht es mir toll.<\/p>\n<p><strong>Sie befinden sich also schon auf dem Weg in einen neuen Lebensabschnitt?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, schon im letzten Sommer habe ich an der IFAA (Internationale Fitness Akademie) mit \u201eKinesthetic Optimum Recovery &amp; Enhancement\u201c (K.O.R.E.) eine Ausbildung zum Therapeuten begonnen. Auf dieser Grundlage habe ich angefangen, einigen T\u00e4nzern zu helfen. Und mir selbst hilft es auch. Obwohl ich den Schnitt jetzt brauche, will ich weiterhin mit bzw. in der N\u00e4he von T\u00e4nzern arbeiten. Zudem bin ich mit s\u00e4mtlichen Rehabilitations-Methoden vertraut. Es gibt heute so viele auf dem Markt, dass man schnell den \u00dcberblick verliert. Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen wei\u00df ich, was tats\u00e4chlich hilft.<\/p>\n<p><strong>Ihr neues Berufsumfeld auf dem Gebiet der therapeutischen Kin\u00e4sthesie scheint Sie zu begeistern \u2026 <\/strong><\/p>\n<p>So ist es! Ich empfinde daf\u00fcr genau so viel Leidenschaft wie vor 30 Jahren f\u00fcr das Ballett. Bereits vor meiner T\u00e4nzerkarriere war das irgendwie meine Richtung: Training geben, jemanden coachen. Ich war noch in der Schule, da habe ich die \u00e4lteren Jungs trainiert (lacht). Nun f\u00fcgt sich alles zusammen.<\/p>\n<p><strong>Ein Job als Ballettmeister w\u00e4re nichts f\u00fcr Sie? <\/strong><\/p>\n<p>Nee! Ich m\u00f6chte diese Br\u00fccke haben: ein Bindeglied sein zwischen dem Ballett und der allt\u00e4glichen Welt. Mit normalen Menschen will ich genauso arbeiten wie mit Sportlern, deren Mentalit\u00e4t ganz anders ist. Letztlich war ich 38 Jahre lang Teil dieser Hochleistungsszene. Jetzt m\u00f6chte ich mich davon ein bisschen distanzieren \u2013 durch eine andere Besch\u00e4ftigung, anderswo sein und trotzdem noch mit T\u00e4nzern arbeiten.<\/p>\n<p><strong>Wie kam es vor einigen Monaten zu Ihrer Mitwirkung bei Richard Siegals Ballet of Difference in der M\u00fcnchner Muffathalle?<\/strong><\/p>\n<p>Aus Siegals Gruppe hatte sich jemand am R\u00fccken verletzt. \u201eUnitxt\u201c kannte ich seit der Urauff\u00fchrung beim Bayerischen Staatsballett \u2013 dar\u00fcber hinaus als ehemalige Kollegin Zuzana Zahradn\u00edkov\u00e1, deren Partner ausfiel. Da haben sie in der Kompanie beraten und entschieden, mich anzurufen \u2013 als Aushilfe. Gut m\u00f6glich, dass ich in den n\u00e4chsten Jahren noch weitere solcher Projekte mache. In ein paar Tagen geht es nach Italien. Mal schauen \u2026 Ich stoppe das Tanzen jedenfalls noch nicht ganz.<\/p>\n<p><strong>Hei\u00dft das, Sie trainieren weiterhin?<\/strong><\/p>\n<p>Ich will sehen, wie alles l\u00e4uft und wie viel nebenher machbar ist, sobald ich mehr Arbeit in meinem neuen Besch\u00e4ftigungsfeld habe. L\u00e4sst das Tanzen das Studium nicht zu, h\u00f6re ich auf. Wenn genug Freir\u00e4ume bleiben, kann ich mich f\u00fcr kleinere Produktionen ganz gut in Form halten. Gro\u00dfe Solopartien wie Siegfried in \u201eSchwanensee\u201c oder Abendf\u00fcller wie \u201eLe Corsaire\u201c sind nat\u00fcrlich pass\u00e9. Zu 100 Prozent ist klar, dass ich in keine andere Kompanie mehr wechseln wollen w\u00fcrde. Die Zeit und Lust, Mitglied in einem gro\u00dfen Ensemble zu sein, ist f\u00fcr mich nach 20 Jahren definitiv vorbei. Es geht mir darum, mich st\u00e4rker auf anderes als immer nur auf Ballett zu konzentrieren.<\/p>\n<p><strong>Wenn sie zur\u00fcckblicken, was war ein H\u00f6hepunkt Ihrer M\u00fcnchner Zeit?<\/strong><\/p>\n<p>Es gab f\u00fcr mich einige spannende Rollen. Hier habe ich aber die Figur gefunden, die zum Top-Highlight meiner Karriere wurde: In der bayerischen Landeshauptstadt K\u00f6nig Ludwig II. zu tanzen, war Herausforderung und zugleich Spitze meiner professionellen Laufbahn. Nicht nur aufgrund der Geschichte hinter \u201eIllusionen \u2013 wie Schwanensee\u201c, sondern auch wegen der Arbeit mit John Neumeier, der mich f\u00fcr die M\u00fcnchner Premiere besetzte. So viele Dinge sind damals zusammengekommen! Die Zeit, die ich unter die Direktion von\u00a0 Ivan Li\u0161ka erleben konnte, war eigentlich meine beste. Deswegen hatte ich nie das Gef\u00fchl, ich m\u00fcsste mich noch woanders umsehen. Die Kompanie, das Essen, das Bier, die Stadt als Ganzes und der Fu\u00dfball \u2013 in M\u00fcnchen hat einfach alles gepasst!<\/p>\n<p><strong>2005 deb\u00fctierten Sie als \u201eGoldenes Idol\u201c in Patrice Barts \u201eLa Bayad\u00e8re\u201c und wurden 2007 zum Ersten Solisten des Bayerischen Staatsballetts ernannt. Wie kamen Sie \u00fcberhaupt nach M\u00fcnchen?<\/strong><\/p>\n<p>Dirk Segers und Amilcar Moret Gonzales wechselten beide von M\u00fcnchen nach Z\u00fcrich. Dort war ich f\u00fcnf Jahre engagiert, nachdem ich als Stipendiat der Nurejew-Stiftung 1997 aus Armenien an der Schweizerischen Ballettberufsschule aufgenommen wurde. Mit beiden Kollegen hatte ich viel \u00fcber das Repertoire und die Stadt gesprochen. M\u00fcnchen war damals \u2013 und ist bis heute \u2013 die einzige Metropole in Deutschland, f\u00fcr die ich mich von Z\u00fcrich trennen w\u00fcrde. Gern w\u00e4re ich auch zum ABT gegangen, dort war die Situation jedoch schwieriger, man h\u00e4tte l\u00e4nger warten m\u00fcssen. Die Entscheidung f\u00fcr das Bayerische Staatsballett fiel, weil man dessen breites Repertoire nirgendwo sonst fand.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-30991\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Le-Corsaire_Tigran-Mikayelyan_Foto-Wilfried-H\u00f6sl-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Le-Corsaire_Tigran-Mikayelyan_Foto-Wilfried-H\u00f6sl-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Le-Corsaire_Tigran-Mikayelyan_Foto-Wilfried-H\u00f6sl-300x450.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Le-Corsaire_Tigran-Mikayelyan_Foto-Wilfried-H\u00f6sl-600x900.jpg 600w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Le-Corsaire_Tigran-Mikayelyan_Foto-Wilfried-H\u00f6sl-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Le-Corsaire_Tigran-Mikayelyan_Foto-Wilfried-H\u00f6sl-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Le-Corsaire_Tigran-Mikayelyan_Foto-Wilfried-H\u00f6sl-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/p>\n<p><strong>Gab es je Grund zur Reue?<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin der gl\u00fccklichste Mensch, weil ich mich seinerzeit f\u00fcr M\u00fcnchen entschieden habe. Es war gro\u00dfartig \u2013 vom Repertoire her und auch von den Kollegen sowie dem Ballettmeisterteam. Die Arbeit mit Ivan Li\u0161ka bedeutete f\u00fcr mich zugleich einen neuen Schritt in eine andere k\u00fcnstlerische Richtung \u2013 im Sinn, K\u00fcnstler und nicht mehr nur T\u00e4nzer zu sein. In nur eineinhalb Jahren habe ich eine erstaunliche Verwandlung durchgemacht. Die klassischen Variationen besitzen eigentlich immer dieselbe Struktur: Du f\u00e4ngst mit dem Sprung an, gehst in den Mittelteil mit den Pirouetten, dann kommt eine Diagonale oder Manege im Finalpart. Technik ist da eine Sache. Aber was passiert in all diesen Schritten zwischen den Kombinationen? Hier entsteht der Charakter der jeweiligen Rolle!<\/p>\n<p><strong>Hat Heinz Spoerli, Ihr Chef in Z\u00fcrich, nicht auch an der Rollencharakterisierung gearbeitet?<\/strong><\/p>\n<p>Spoerli hat neoklassisch choreografiert, also weniger Geschichten in den St\u00fccken erz\u00e4hlt. Wir hatten zun\u00e4chst nur \u201eGiselle\u201c und \u201eNussknacker\u201c. Erst sp\u00e4ter kamen \u201ePeer Gynt\u201c, \u201eDon Quixote\u201c und \u201eSchwanensee\u201c. Seine Cello-Variationen [\u201eIn den Winden im Nichts\u201c] handeln eher von seiner eigenen Pers\u00f6nlichkeit. Alle m\u00fcssen zusammen sein \u2013 die 12 M\u00e4nner ganz synchron \u2013 und technische Perfektion zeigen. Bei Spoerli braucht man die Disziplin, sich physisch zu konzentrieren \u2013 vielleicht etwas too much. In M\u00fcnchen herrschte ein anderes Gef\u00fchl auf der B\u00fchne. Man sollte nat\u00fcrlicher sein, die Rolle erst ganz verstehen und dann in die Proben gehen. So wusste man, was man interpretiert.<\/p>\n<p><strong>Bevorzugen Sie Klassisches oder Modernes?<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich bin ich der klassische T\u00e4nzer \u2013 keine Ahnung warum. Vielleicht wegen meiner Ausbildung in Armenien. Modernes mag ich gleichfalls. In M\u00fcnchen habe ich mit allen gro\u00dfen Choreografen zusammengearbeitet und es genossen. Bei zeitgen\u00f6ssischen St\u00fccken ist man, wie man ist. Aber ich liebe es, Geschichten zu erz\u00e4hlen. Einfach wunderbar, in unterschiedliche Rollen zu schl\u00fcpfen: Siegfried, Basilio, Albrecht \u2026 In \u201eRomeo und Julia\u201c habe ich Mercutio, Tybalt und Romeo getanzt \u2013 also alle drei gro\u00dfen M\u00e4nnerpartien! Dem Publikum das Drama aus drei verschiedenen Blickwinkeln n\u00e4herzubringen, ist fantastisch.<\/p>\n<figure id=\"attachment_30992\" aria-describedby=\"caption-attachment-30992\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-30992\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Romeo-und-JulaIvy-AmistaMikayelyanCharles-Tandy-1024x721.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"721\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Romeo-und-JulaIvy-AmistaMikayelyanCharles-Tandy-1024x721.jpg 1024w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Romeo-und-JulaIvy-AmistaMikayelyanCharles-Tandy-300x211.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Romeo-und-JulaIvy-AmistaMikayelyanCharles-Tandy-600x423.jpg 600w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Romeo-und-JulaIvy-AmistaMikayelyanCharles-Tandy-768x541.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-30992\" class=\"wp-caption-text\">Romeo und Julia, Amista Mikayelyan, Foto von Charles Tandy<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Gibt es eine Rolle, die Sie noch gereizt h\u00e4tte<\/strong>?<\/p>\n<p>Ich habe es nicht geschafft, Armand und Onegin zu verk\u00f6rpern. Daf\u00fcr konnte ich in anderen St\u00fccken sogar mehrere Partien \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p><strong>Wie steht es mit Spartacus? Hat es Sie nicht ge\u00e4rgert, dass Sie Ihre Deutung dieser Partie nicht mehr zeigen konnten?<\/strong><\/p>\n<p>Spartacus habe ich schon 2013 in Armenien getanzt. Nat\u00fcrlich war es schmerzhaft, damit nicht auch auf der B\u00fchne des M\u00fcnchner Nationaltheaters aufzutreten. Man muss allerdings die Gr\u00fcnde und Umst\u00e4nde verstehen: Neue Solisten und junge T\u00e4nzer kamen zur Kompanie, und ich konnte verletzungsbedingt nicht in meinem \u201eFlame de Paris\u201c-Pas de deux und auch nicht als Wei\u00dfes Kaninchen in der Premiere von Wheeldons \u201eAlice im Wunderland\u201c auftreten. Weiter an dieser Geschichte h\u00e4ngen zu bleiben, davon schmerzhafte Nachwirkungen im eigenen Kopf zur\u00fcckzubehalten, w\u00e4re kontraproduktiv. Ballett im wirklichen Leben entspricht nicht der M\u00e4rchenwelt, die das Publikum oft sieht. Und egal wo, es gibt immer Probleme \u2013 bei jedem T\u00e4nzer und mit jedem Direktor.<\/p>\n<p><strong>Was nehmen Sie in die Zukunft mit?<\/strong><\/p>\n<p>Alle positiven Erinnerungen. Stress hat mich nie gest\u00f6rt, aber dieser unglaubliche Zeitaufwand, den einem das Tanzen abverlangt, wurde mir zu viel. Die Dauer, die man als T\u00e4nzer im Ballettsaal und Theater verbringt, ist \u00fcber die Jahre hinweg einfach enorm. Es gibt Kollegen, die sp\u00fcren das nicht und haben noch Spa\u00df dabei. Ich pers\u00f6nlich habe genug von stundenlanger Warterei vor gro\u00dfen Premieren, wenn bei Proben die Reihenfolge ge\u00e4ndert wird und man sich st\u00e4ndig warm halten muss. Ich habe 30 Jahre lang physisch so intensiv an mir gearbeitet, dass ich keine kleine Labormaus mehr sein m\u00f6chte. Als Junge habe ich in Armenien einige Monate gleichzeitig Boxen und Ballett gemacht. Jetzt stehe ich mehr auf Fu\u00dfball und kann nun endlich mitspielen. Und vielleicht auch snowboarden. Seit 21 Jahren lebe ich in der N\u00e4he der Alpen \u2013 da wird es Zeit, mit dem Wintersport anzufangen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-30994\" style=\"font-weight: bold; color: #777777; font-size: 12px; text-align: right;\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/tigran.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/tigran.jpg 600w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/tigran-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p><strong>Das klingt, als laute Ihr neues Motto \u201eEndlich frei!\u201c \u2026<\/strong><\/p>\n<p>Genau das ist mein momentanes Gef\u00fchl. Ich m\u00f6chte wie jeder normale Mensch das Wochenende f\u00fcr mich haben, so dass man sich schon Monate im Voraus etwas vornehmen und arrangieren kann. Als Mitglied einer Kompanie gibt es diese M\u00f6glichkeit nicht. Es kann passieren, dass man zwar nicht in der Vorstellung eingesetzt ist, sich aber jemand verletzten k\u00f6nnte und man einspringen muss.<\/p>\n<p><strong>Das erste Kind wird ein M\u00e4dchen. Soll sie sp\u00e4ter tanzen oder lieber nicht?<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich m\u00f6chte ich nicht, dass sie Ballett macht. Au\u00dfer sie will es unbedingt, dann w\u00e4re ich der beste Helfer, den sie sich w\u00fcnschen kann. Wenn sie lieber ein Instrument spielen oder singen m\u00f6chte, ist das auch in Ordnung. Sie darf tun, was ihr Freude bereitet. Die Hauptsache ist, dass man sein eigenes Interesse herausfindet \u2013 und dann genau in der Richtung weitergeht.<\/p>\n<p><strong><em>Interview: Vesna Mlakar<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em><br \/>\nDance for You Magazine interviewte Tigran Mikayelian auch 2015. Cover der Ausgabe 1\/2015 (Januar).<br \/>\nLesen Sie das Interview <a href=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/2016\/04\/27\/tigran-mikayelyan\/\"><strong>hier\u00a0<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/2016\/04\/27\/tigran-mikayelyan\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-30989 size-full\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Cover-DFY-no64-X3-1-300x425-1.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"425\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Cover-DFY-no64-X3-1-300x425-1.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Cover-DFY-no64-X3-1-300x425-1-212x300.jpg 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Quelle Bayerisches Staatsballett<\/p>\n<pre><\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich frei! Ende Juni verabschiedete sich Tigran Mikayelyan in der Rolle des Stiwa aus Christian Spucks \u201eAnna Karenina\u201c vom Bayerischen Staatsballett. DANCE FOR YOU: Als Erster Solist verlassen Sie nach 13 Jahren die Kompanie. Wie f\u00fchlen Sie sich, wenn Sie an die Endg\u00fcltigkeit dieser Entscheidung denken? Tigran Mikayelyan: Gut! 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