{"id":30612,"date":"2018-04-16T10:59:48","date_gmt":"2018-04-16T10:59:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/?p=30612"},"modified":"2018-05-15T16:23:18","modified_gmt":"2018-05-15T16:23:18","slug":"das-bayerische-staatsballett-prasentiert-portrait-wayne-mcgregor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/en\/das-bayerische-staatsballett-prasentiert-portrait-wayne-mcgregor\/","title":{"rendered":"Das Bayerische Staatsballett pr\u00e4sentiert: Portrait Wayne McGregor"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sprechende Schultern, schreiende Ellbogen und fl\u00fcsternde Knie<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das Bayerische Staatsballett pr\u00e4sentiert sich im zeitgen\u00f6ssischen Dreiteiler \u201ePortrait Wayne McGregor\u201c in ungewohntem Look: turbobiegsam, aus der Balance gekippt und mordsm\u00e4\u00dfig verschraubt. Emotionen, Grenz\u00fcberschreitungen und Sinnlichkeit sind bei \u201eKairos\u201c (2014), \u201eBorderlands\u201c (2013) und der Urauff\u00fchrung \u201eSunyata\u201c nicht nur inbegriffen, sondern Grundvoraussetzung.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_30614\" aria-describedby=\"caption-attachment-30614\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-30614\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/mcgregor.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"413\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/mcgregor.jpg 620w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/mcgregor-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/mcgregor-600x400.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-30614\" class=\"wp-caption-text\">Wayne McGregor, Foto privat<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wayne McGregors zeitgen\u00f6ssische Ballettkreationen sind physisch anspruchsvolle Powerwerke, die mit ausgesuchten Themenideen oder spirituell aufgeladenen sind. Der Betrachter wird nicht durch konkrete Handlungsstr\u00e4nge in Bann gezogen, sondern im besten Fall durch ein unwiderstehliches Fluidum aus extremen Bewegungsfindungen. Geschmeidig und zackig zugleich. Freilich klappen t\u00e4nzerisch derart hochkomplexe Evolutionen der K\u00f6rper im Raum nicht stets auf Anhieb.<\/p>\n<p>Die Stimmung im Probensaal des Bayerischen Staatsballetts am Platzl ist dennoch relaxed. Ksenia Ryzhkova lacht. Tief in einen Halbspagat abgesunken, steckt die 24-j\u00e4hrige Erste Solistin pl\u00f6tzlich in einer Position fest, aus der sie nur ihr Partner Jonah Cook befreien kann. Mit einem Ruck soll er sie zu sich hoch und in eine Arabesque rei\u00dfen. Typisches McGregor-Charakteristikum: T\u00e4nzer auf technisch pr\u00e4zise Artikulation trimmen, dann ab- und auseinanderdriften lassen, nur um sie kurz darauf neu miteinander zu verfugen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_30809\" aria-describedby=\"caption-attachment-30809\" style=\"width: 909px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-30809\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/WMcG-TK_3923-909x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"909\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/WMcG-TK_3923-909x1024.jpg 909w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/WMcG-TK_3923-300x338.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/WMcG-TK_3923-600x676.jpg 600w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/WMcG-TK_3923-266x300.jpg 266w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/WMcG-TK_3923-768x866.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/WMcG-TK_3923.jpg 1331w\" sizes=\"auto, (max-width: 909px) 100vw, 909px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-30809\" class=\"wp-caption-text\">Fotos zum dreiteiligen Wayne McGregor-Abend des Bayerischen Stattsballets:<br \/>Impressionen aus KAIROS, wo es um den Augenblick und Zeiterfahrung geht:<br \/>Foto Ute Fischbach-Kirchgraber<\/figcaption><\/figure>\n<p>Selbst bei rasantem Tanzfluss wird st\u00e4ndig weiter an Richtungswechseln, zerkl\u00fcfteten Linienf\u00fchrungen, butterweichen Schw\u00fcngen und Tempo\u00e4nderungen geschraubt. Diese Streckung des Beines bitte bis ultimo auskosten, signalisiert der britische Choreograf mit weiten Armgesten. Dann presst er \u2013 fast ununterbrochen um seine Interpreten herumtwistend und wie ein Bildhauer mal hier, mal dorthin greifend \u2013 Luft durch seine Z\u00e4hne. Es zischt. Zum Umgreifen, Rotieren und um sich neu aufeinander auszurichten, hat das Paar eine knappe Sekunde\u2026<\/p>\n<p>Solch energetische Ausdruckskraft im Spannungsfeld von Slow Motion und H\u00f6chstgeschwindigkeit macht neugierig auf den Premierenabend, der seit langem wieder einer Choreografenpers\u00f6nlichkeit gewidmet ist. Eine klare \u00c4sthetik aus Set- und Lichtdesign verleiht jedem McGregor-St\u00fcck seine ganz eigene Pr\u00e4gung. B\u00fchnenlandschaften, wie gemacht f\u00fcr T\u00e4nzer, die ganz in der Herausforderung aufgehen, Grenzen der eigenen k\u00f6rperlichen M\u00f6glichkeiten weiter auszuloten.<\/p>\n<p><strong>Herr McGregor, seit 25 Jahren leiten Sie Ihre eigene Kompanie. Zudem haben Sie ein eigenes Tanzzentrum in East London, sind seit 2006 Hauschoreograf des Royal Ballet, Professor f\u00fcr Choreografie, arbeiten international, brennen f\u00fcr wissenschaftliche Forschungen, interdisziplin\u00e4re Kollaborationen und technische Innovationen. Ein Megapensum. Wie konnte Igor Zelensky Sie f\u00fcr M\u00fcnchen gewinnen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wayne McGregor<\/strong>: <em>Wir kennen uns seit den 1990er Jahren. Als Igor hier Ballettdirektor wurde, bat er mich gleich zu kommen. Er will die Kompanie auch auf ein stilistisch andersartiges Terrain f\u00fchren. Und von mir hat er sich ein neues Werk gew\u00fcnscht. Mich interessiert immer, mit T\u00e4nzern zu arbeiten, die bereits existierende Arbeiten neu interpretieren. Es ist einfach spannend zu verfolgen, wie sie sich dieses Material zu eigen machen.<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_30810\" aria-describedby=\"caption-attachment-30810\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-30810 size-large\" src=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/WMcG2-Ute_419-1024x839.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"839\" srcset=\"https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/WMcG2-Ute_419-1024x839.jpg 1024w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/WMcG2-Ute_419-300x246.jpg 300w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/WMcG2-Ute_419-600x492.jpg 600w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/WMcG2-Ute_419-768x629.jpg 768w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/WMcG2-Ute_419-548x450.jpg 548w, https:\/\/www.danceforyou-magazine.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/WMcG2-Ute_419.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-30810\" class=\"wp-caption-text\">Impressionen aus BORDERLANDS, der Auseinandersetzung mit dem Bauhaus und der Geometrie. Foto Ute Fischbach-Kirchgraber<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Haben Sie die St\u00fcckauswahl pers\u00f6nlich getroffen?<\/strong><\/p>\n<p><em>Ja. Mir war die Zusammenstellung eines musikalisch abwechslungsreichen Programms wichtig. Au\u00dferdem sollten m\u00f6glichst viele Ensemblemitglieder beteiligt werden. \u201eKairos\u201c, das Er\u00f6ffnungsst\u00fcck, interpretieren f\u00fcnf T\u00e4nzerinnen und f\u00fcnf T\u00e4nzer. Es geht darin um das richtige Timing, den idealen Augenblick einer Entscheidung. Fundament der Choreografie ist die Neubearbeitung von Vivaldis \u201eVier Jahreszeiten\u201c durch den Komponisten Max Richter. F\u00fcr uns eine Art akustischer Erinnerungsraum. Man glaubt zu kennen, was man h\u00f6rt, doch dann klingt alles v\u00f6llig anders.<\/em><\/p>\n<p><strong>Und das Bayerische Staatsorchester spielt live dazu?<\/strong><\/p>\n<p><em>Genau \u2013 unter der musikalischen Leitung von Koen Kessels, der eigens aus London kommt. Er ist Musikdirektor des Royal Ballet und mit meinen choreografischen Eigenheiten bestens vertraut <\/em>(lacht)<em>. Er wird die Musiker auch durch unsere Neukreation \u201eSunyata\u201c f\u00fchren, die im Zentrum des Abends steht. T\u00e4nzer lieben es, wenn St\u00fccke auf sie zugeschnitten werden. Es ist eine Herausforderung, bei der man sich gegenseitig kennen lernt. Und nichts ist inspirierender als die Erfahrung, gemeinsam ein neues Werk auf die B\u00fchne zu bringen.<\/em><\/p>\n<p><strong>Wie sind Sie vorgegangen?<\/strong><\/p>\n<p><em>Mein Ausgangspunkt war das Musikst\u00fcck \u201eCircle Map\u201c der zeitgen\u00f6ssischen finnischen Komponistin Kaija Saariaho, das inhaltlich auf sechs vierzeiligen Gedichten des persischen Sufi-Mystikers Rumi basiert. Schwer zu tanzen f\u00fcr die vier Frauen und vier M\u00e4nner, aber als physisches Experimentierfeld gerade deshalb so aufregend \u2013 sowohl f\u00fcr mich als auch f\u00fcr die Interpreten.<\/em><\/p>\n<p>McGregor z\u00fcckt ein d\u00fcnnes Heft. Darin hat er fein s\u00e4uberlich die minuti\u00f6se Analyse der fremdartigen, geisterhaft-schr\u00e4gen Kl\u00e4nge f\u00fcr gro\u00dfes Orchester, viel Schlagwerk und Elektronik notiert. Geheimniskr\u00e4merei ist dem 1970 in Stockport (England) geborenen Tausendsassa fremd. Stets zuvorkommend und entspannt zeugen seine Erl\u00e4uterungen von lebhafter Begeisterung. Seit er aus der freien Szene in die Ballettwelt vordrang, praktiziert er freigiebig das Prinzip des Gebens und Nehmens. Das Publikum wird von ihm auf Entdeckungsreise geschickt.<\/p>\n<p><strong>In \u201eBorderlands\u201c, dem Finalst\u00fcck des Abends f\u00fcr zw\u00f6lf T\u00e4nzer, setzen Sie sich mit dem Bauhaus-K\u00fcnstler und Farbtheoretiker Josef Albers auseinander<\/strong>. <strong>Auf welche Weise genau?<\/strong><\/p>\n<p><em>Ich wollte herausfinden, wie man den kaum wahrnehmbaren Schwellenbereich zwischen zwei Farbfl\u00e4chen im Tanz umsetzen und erlebbar machen kann. Wir spielen mit Sehgewohnheiten, der Wahrnehmung und damit, wie Farben Stimmungen, Gef\u00fchle und Atmosph\u00e4re ver\u00e4ndern k\u00f6nnen. Innerhalb dieser Umgebungsskala, inmitten der Bilder zu sein, darum geht es in \u201eBorderlands\u201c. Bewegung und Malerei, Licht, Kost\u00fcm und Sound \u2013 alles tritt in Verh\u00e4ltnis zueinander. Tonk\u00fcnstler Paul Stoney und Elektronik-Komponist Joel Cadbury haben dazu Musik geschaffen, die recht aggressiv und raumgreifend ist. Ihre Wirkung von Band ist enorm.<\/em><\/p>\n<p><strong>Was bedeutet Ihnen das klassische Ballett?<\/strong><\/p>\n<p><em>Es ist eine fein artikulierte Sprache. Ein perfekt eingespieltes, wunderbares Instrument, das dem K\u00fcnstler in seinen Ausdrucksm\u00f6glichkeiten aber auch Grenzen setzt. Ich kreiere Erfahrungen, die die visuellen, akustischen und kin\u00e4sthetischen Sinne der Zuschauer stimulieren sollen. Ein Werk kann emotional ber\u00fchren oder intellektuell herausfordern. Oft \u00fcberschneiden und verlinken sich verschiedene Bedeutungs- und Interpretationsebenen. So bleibt jede Choreografie offen f\u00fcr pers\u00f6nliche Assoziationen. Richtig oder falsch existiert beim Begreifen von Tanz nicht.<\/em><\/p>\n<p><em>Vesna Mlakar<\/em><\/p>\n<p>\u201ePortrait Wayne McGregor\u201c: 14.4. (Premiere), 15., 28.4.; 11., 18.5.,12., 23.6., 10.7.; jeweils 19:30 Uhr, Nationaltheater. Karten: Tel. 21 85 19 03<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sprechende Schultern, schreiende Ellbogen und fl\u00fcsternde Knie Das Bayerische Staatsballett pr\u00e4sentiert sich im zeitgen\u00f6ssischen Dreiteiler \u201ePortrait Wayne McGregor\u201c in ungewohntem Look: turbobiegsam, aus der Balance gekippt und mordsm\u00e4\u00dfig verschraubt. Emotionen, Grenz\u00fcberschreitungen und Sinnlichkeit sind bei \u201eKairos\u201c (2014), \u201eBorderlands\u201c (2013) und der Urauff\u00fchrung \u201eSunyata\u201c nicht nur inbegriffen, sondern Grundvoraussetzung. 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