Von Alexandra KARABELAS
In Pforzheim “schwanenseet” es: Das Publikum ist seit der Uraufführung von Guido Markowitz´ und Mar Rodríguez Valverdes zeitgenössischer Neuinszenierung des Ballettklassikers anlässlich des 10. Jubiläums von Markowitz als Tanzdirektor am Theater Pforzheim zu Recht aus dem Häuschen. Höhepunkt der Aufführung ist jener Moment im zweiten Teil, als die Technik die Zuschauerränge in blauschimmerndes Licht taucht und die Gruppe der weiß behosten und gefiederten Schwanentänzerinnen und -tänzer zwischen den Stuhlreihen auftaucht, um zu dem – einem Ohrwurm gleichenden – geheimnisvollen, rufend anhebenden musikalischen Schlüsselmotiv die Arme und Hände sanft flatternd emporzuschwingen. Es scheint, als ob Markowitz und Valverde mit diesem – mit rein analogen Mitteln hervorgebrachten – immersiven Moment einen Nerv getroffen haben: Erfüllt wurde ein vielleicht schon immer existentes, doch nie verlautbartes romantisches Bedürfnis seitens des Tanzpublikums, tatsächlich einmal für wenige Minuten selbst Teil einer Aufführung dieses Klassikers sein zu dürfen: Der “Schwan” war plötzlich nicht mehr das entrückte Wesen weit weg auf der Bühne, sondern schaute einem aus nächster Nähe tiefgründig in die Augen.

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