Irène Lejeune hat ihren Preis neu definiert — und damit ein Zeichen gesetzt, das über eine einzelne Auszeichnung weit hinausgeht. Erste Preisträgerin ist Olja Aleksić vom Bayerischen Junior Ballett München.

Zehn Jahre lang war Dr. h. c. Irène Lejeune Botschafterin des Bayerischen Junior Balletts München — eine Rolle, die sie nicht repräsentativ, sondern mit echter Neugier ausgefüllt hat. Wer sie in dieser Zeit beobachtete, ahnte, dass daraus irgendwann mehr werden würde. Nun hat sie ihren eigenen Preis, den Irène-Lejeune-Preis, neu ausgerichtet: Er wird fortan explizit für Mitglieder der Junior-Company vergeben, zweijährlich, dotiert mit 5.000 Euro — und erstmals in dieser neuen Form an eine Tänzerin, die gerade erst auf der Bühne angekommen ist.
Das ist keine kleine Geste. Lejeune, die zuvor bereits als Botschafterin des Bayerischen Staatsballetts tätig war, hat mit dieser Entscheidung einen Preis, der zuletzt Namen wie Lucia Lacarra, Marlon Dino und Matej Urban trug, bewusst in eine andere Richtung gelenkt: weg vom Rückblick, hin zur Gegenwart einer Entwicklung. Der Preis soll nicht mehr würdigen, was war, sondern formen, was wird.

Erste Preisträgerin in dieser neuen Lesart ist Olja Aleksić. Die 1974 in Belgrad geborene Tänzerin absolvierte ihre Ausbildung an der Lujo-Davičo-Schule und war Mitglied der Kompanie Youth Ballet des Belgrade Dance Institute, bevor sie 2022 an die Ballett-Akademie der Hochschule für Musik und Theater München wechselte. Ihr Abschluss 2025, der unmittelbare Eintritt ins Junior Ballett noch in derselben Spielzeit — das liest sich wie ein gerader Weg. Was er nicht zeigt, ist die Qualität der Aufmerksamkeit, die sie sich in dieser Zeit erarbeitet hat.
Schon als Studierende übernahm Aleksić bei den Matineen der Heinz-Bosl-Stiftung im Nationaltheater Rollen, die Haltung verlangen: das zentrale Duett in Kinsun Chans JIT, kurz darauf die führende Solistin in Ray Barras Einstudierung von Petipas Grand Pas de Hongrois aus Raymonda. Lejeune beschreibt, was dabei auffiel, als eine außergewöhnliche Bühnenpräsenz — etwas, das sich seither weiterentwickelt habe und in Aleksićs Darstellung von Marco Goeckes Devil’s Kitchen eine besonders unverwechselbare Form angenommen habe.
Ivan Liška, künstlerischer Leiter des Bayerischen Junior Balletts, sieht in Lejeunes Neuausrichtung eine Konsequenz aus dem, was beide über Jahre gemeinsam aufgebaut haben: ein Repertoire, das junge Tänzerinnen und Tänzer nicht nur beschäftigt, sondern prägt. Für Liška ist entscheidend, dass der Preis dabei nicht allein technische Exzellenz honoriert, sondern ebenso jene menschlichen Qualitäten — Teamgeist, Offenheit, Tiefe —, die eine wirkliche Auseinandersetzung mit dem Handwerk überhaupt erst ermöglichen. Lejeunes Engagement, so Liška, habe den Boden bereitet, auf dem das alles wachsen konnte.
Die Verleihung fand im Rahmen der Frühlings-Matinee der Heinz-Bosl-Stiftung am 29. März statt. Es war, in mehr als einer Hinsicht, ein Anfang.
Mihaela VIERU





