September/Oktober 2003

Editorial – Ausgabe September/Oktober 2003

cover3.jpgJetzt ist es wieder so weit: Für viele Schul-Absolventen beginnt in diesen Wochen ein neuer Lebensabschnitt, sie fangen mit einer Berufsausbildung an. Welche Lehrberufe kann man heute angesichts mangelnder Arbeitsplätze und steigender Einsparungen auf vielen Gebieten eigentlich noch empfehlen?
Wie sieht es mit der beruflichen Aus- und Weiterbildung im Tanzbereich angesichts schrumpfender Etats im Theaterbereich und versiegender Geldquellen für Kunst und Kultur aus? Lohnt sich eine mühevolle und anstrengende Ausbildung als Balletttänzer oder Tanzpädagoge überhaupt noch? Oder sollte man lieber auf „Nummer sicher” gehen und einen „vernünftigen, normalen” Beruf erlernen? Aber wo hat man heutzutage eigentlich noch die Garantie, hinterher wirklich einen Arbeitsplatz zu kriegen? Und will man wirklich eine lange Zeit seines Lebens zum Beispiel im Büro verbringen, wenn es eigentlich der Herzenswunsch ist, ein Tänzer zu sein?
Egal, in welchem Beruf – und es ist leider nirgendwo mehr leicht – die besten Chancen bieten sich, wenn man mit Leib und Seele hinter dem steht, was man tut. Wenn also Tanzen der Traumjob ist, wenn man Talent hat, warum sollte man es dann nicht versuchen? Heutzutage findet man in Deutschland und Europa eine breite Palette an Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten im Bereich Tanz, den Weg zum Berufstänzer einschlagen bedeutet schon lange nicht mehr die Notwendigkeit, in eine Großstadt an eine große staatliche Akademie gehen zu müssen und dort womöglich schon im jugendlichen Alter in einem Internat leben zu müssen, was ja auch immer eine finanzielle Frage ist.
Sicher bieten die Akademien doch mehr Möglichkeiten durch die vielen Lehrkräfte und die komplexe Ausbildung. Mittlerweile findet man aber auch in machen Kleinstädten staatlich anerkannte Ballettschulen, die eine sehr gute Grundausbildung, Aus- oder Weiterbildung zum Tänzer oder Tanzpädagogen anbieten. Der Tanz bietet außerdem ein breit gefächertes Arbeitsfeld für Absolventen, von der üblichen Anstellung in einer Kompanie über Engagements in Musicals oder beispielsweise auf Kreuzfahrtschiffen bis zur tanzpädagogischen Betreuung und Ausbildung von Kindern und Behinderten, im Zuge des Fitnessbooms einer qualifizierten breitensportlichen Tanzausbildung von Jugendlichen und Erwachsenen oder zur beratenden Tätigkeit für Sportarten wie Eiskunstlauf oder Turnen, wo auch viel Wert auf Haltung und künstlerischen Ausdruck gelegt wird. Dies sind nur einige Job-Ideen für Ballettbegeisterte, die sich für eine Tanzaus- oder Fortbildung interessieren; Ideen, über die es sich sicher lohnt, nachzudenken und sie weiter zu ergänzen oder auszubauen. Warum also nicht den Mut fassen und eine tänzerische, künstlerische Ausbildung angehen?
Wie man mit Kunst und guten Ideen Erfolg haben kann, zeigt uns das Beispiel von Harry Owens mit seinem Traumtheater Salome, über das wir in diesem Heft berichten. Das wichtigste für jeden Beruf ist es heutzutage, nicht auf der Stelle zu treten, sondern Weiterbildungsangebote wahrzunehmen, offen für Ideen zu sein und auch einmal den Mut zu haben, neue Wege auszuprobieren. Allen, die nach den Sommerferien jetzt neu oder wieder zurück an ihrem Arbeitsplatz sind, wünsche ich einen guten (Neu-)Start!

Herzlichst,
Ihre Anja Stemmer