Rafaële Giovanola © Sabrina Weniger für IDAS NRW
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Drei Preise, eine Rückkehr

Rafaële Giovanola, Martin Schläpfer und Joy Alpuerto Ritter erhalten den Deutschen Tanzpreis 2027

Wenn am 13. März 2027 im Aalto-Theater Essen der Deutsche Tanzpreis verliehen wird, steht ein Name im Mittelpunkt, über den es zuletzt erstaunlich still geworden war: Martin Schläpfer. Nach fünfzig Jahren im Tanz, mehr als achtzig eigenen Werken und einunddreißig ununterbrochenen Spielzeiten als Ballettdirektor hat er sich seit seinem Abschied vom Wiener Staatsballett im Sommer 2025 weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Nach drei Jahrzehnten ohne Pause wollte er, wie er selbst sagte, endlich innehalten – ins Tessin, in sein Rustico, zum Sitzen, Lesen, Nachdenken. Diese bewusste Pause macht die Ehrung jetzt zu einem eigenen kleinen Ereignis: Sie holt einen Künstler zurück ins Licht, der sich freiwillig daraus zurückgezogen hat – nicht für ein neues Stück, sondern für ein ganzes Werk. Schläpfers prägendste Jahre liegen neben Wien auch in Düsseldorf und Duisburg, wo das Ballett am Rhein unter seiner Leitung über ein Jahrzehnt lang zu einer der profiliertesten Compagnien im deutschsprachigen Raum wurde.

Bei Rafaële Giovanola fällt die Begründung leicht, und sie kommt, wenn man ihren Werdegang kennt, fast spät. Seit dem Jahr 2000 betreibt die gebürtige Walliserin mit ihrer Bonner Compagnie CocoonDance ein Projekt von seltener Konstanz: rund fünfzig abendfüllende Produktionen, Gastspiele auf fünf Kontinenten, der Theaterpreis Faust für „Sphynx“, zuletzt der italienische D&D Award. Ihr Weg von acht Jahren bei William Forsythe in Frankfurt über Pavel Mikuláštíks Choreografisches Theater bis zur eigenen, selbstbestimmten Compagnie ist eine Karriere, die diesen Preis schon vor Jahren hätte tragen können. Dass die Jury gerade ihre Fähigkeit hervorhebt, Mensch, Insekt, Pflanze und Maschine ineinander zu denken, trifft genau das, was CocoonDance seit Jahren umtreibt: die Suche nach einem Körper, den es so noch nicht gab.

Joy Alpuerto Ritter bringt eine Biografie mit, die selbst in einer auf Vielfalt bedachten Szene quer steht: geboren in Los Angeles, aufgewachsen in Freiburg zwischen Ballettstange und dem philippinischen Volkstanz ihrer Mutter, später Cirque du Soleil, die Akram Khan Company, die Berliner Voguing-Battles. Dass am Ende all dieser Stationen trotzdem eine erkennbare eigene Handschrift steht, ist der eigentliche Kunstgriff – und genau das würdigt die Jury mit der Kategorie der herausragenden Interpretin.

Was diese Preisrunde besonders macht, ist weniger jede einzelne Person als die Kombination: eine Ballettinstitution, eine freie Compagnie und eine Genregrenzgängerin werden im selben Jahr geehrt – drei sehr unterschiedliche Antworten auf die Frage, was zeitgenössischer Tanz heute sein kann.

Im September beginnt der Vorverkauf, im Herbst kommt das Programm der Gala. Bis zum 13. März bleibt Zeit, sich mit allen drei Preisträger*innen noch einmal genauer zu beschäftigen, bevor die Bühne sie für einen Gala-Abend zusammenführt.

Martin Schläpfer © Andreas Jakwerth

 

Rafaële Giovanola „RUNTHROUGH“ Rehearsals © Franco Mento
Joy Alpuerto Ritter © Homardpayette