Ewald Arenz © Monika Höfler
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Buch: „Fünf, sechs, sieben, acht“ von Ewald Arenz

„Keiner kann rückwärts leben“

Romane, in denen ein Tänzer im Mittelpunkt des Geschehens steht, die aber nicht ausschließlich im Theater-Milieu spielen, sind so häufig nicht. „Tänzer! Choreograf! Was für ein Beruf soll das sein?“ Ewald Arenz, Jahrgang 1965, auch Lehrer für Englisch und Geschichte, bricht eine Lanze für die Menschen, die diese wunderbaren Berufe ausüben: „Das war es, weshalb man tanzte. Um auszudrücken, was man nicht in Worten sagen konnte“, heißt es im Buch.

Sein 60-jähriger Protagonist Anton ist Tänzer, Choreograf und Tanzlehrer. Er ist sehr in seiner künstlerischen Welt befangen, wenig empathisch, auch heftig egozentrisch und nimmt so nur bedingt wahr, was um ihn herum geschieht. Das wird sich rächen. Nach einer umjubelten Premiere wähnt er sich auf dem Höhepunkt seines Schaffens und wird – dramaturgisch klug und geschickt wegen der Fallhöhe – von der neuen Theaterleitung umgehend gekündigt. Zu allem Verdruss erhält ausgerechnet auch noch seine Tochter, ebenfalls Tänzerin, „seine“ Stelle. Enttäuschung und Frust geben sich die Hand, und er büxt aus, um eine alte Liebe zu suchen, die sich beim Auffinden dann auch noch als Illusion entpuppt. Da hat er also lebenslang einer Chimäre nachgehangen und dabei sein eigentliches Leben nur als secondhand erlebt.

Fraglos ist es ein Buch über das Älter- und Altwerden, über verpasste Chancen, die so nicht wiederkehren, und darüber, was bleibt und was vielleicht noch kommen kann in diesem Alter. Und weil das sicher jede und jeden mit 60 Jahren beschäftigt, sind die Gedanken und Gefühle von Autor und Protagonist durchaus allgemeingültig: „Irgendwann hört es auf. Dieses Irgendwann ist nicht mehr das Irgendwann von früher. Dieses Irgendwann ist in drei oder fünf oder sieben Jahren.“ Aber bis dahin heißt es: „,Fünf, sechs, sieben, acht!‘ Drehung, Sprung, Flap, Wing. Konzentration. In Bewegung bleiben.“

Dieses wunderbare Buch „schreit“ förmlich nach einer filmischen Umsetzung. Wer traut sich? Tanzen ist Leben!

Ewald Arenz: „Fünf, sechs, sieben, acht“, DuMont Buchverlag, 240 Seiten, 25 Euro, ISBN 978-3-7558-0057-6 DuMont Buchverlag