© Arwid Lagenpusch
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Abschied eines Tanzchronisten

Zum Tod von Arwid Lagenpusch

Seine Fotos haben das Tanztheater der Komischen Oper Zeit seines Bestehens geprägt und begleitet. Ob Hannelore Bey und Roland Gawlik in „La mer“, das Quartett Jutta Deutschland, Angela Reinhardt, Dieter Hülse und Jens-Peter Urbich im Doppel-Pas de deux aus Tom Schillings Goethe-Adaption „Die Wahlverwandtschaften“ oder die imposante Szenerie aus dessen Bauernkriegs-Drama „Schwarze Vögel“ – allzeit war Arwid Lagenpusch der Chronist mit der Kamera. Dabei war sein Einstieg in den Beruf des Fotografen eher holprig und beinah zufällig. Der am 4. Januar 1934 aLs Sohn eines Hauptmanns in Litauen Geborene wuchs auf dem väterlichen Gut auf und wurde als Folge des Hitler-Stalin-Pakts mit der Familie ins deutsch besetzte Polen umgesiedelt, ehe er 1943 nach Potsdam kam und in ein Waisenhaus eingewiesen wurde.

Arwid Lagenpusch mit Palucca und ihrem Mops am Strand von Hiddensee

Mit 13 durfte er zurück zur – nach der Scheidung – bereits alleinerziehenden Mutter, die als Dolmetscherin, später als Musiklehrerin das Geld verdiente. Von ihr hat er das Klavierspiel erlernt und die Liebe zur Musik geerbt. Der junge Arwid arbeitete zunächst in einem russischen Lazarett, schloss sich einer Laienspielgrupe, dann dem Kabarett „Kaktus“ an und absolvierte eine dreijährige Ausbildung zum Kunstmaler. Seine zweite Leidenschaft war die Fotografie – sie wurde dem Autodidakten schließlich zur Berufung. Dabei bewies, wie später auch bei der Anstellung von Tom Schilling, Walter Felsenstein sein künstlerisches Gespür: Als sich Arwid Lagenpusch 1963 an der Komischen Oper Berlin auf die ausgeschriebene Stelle des Bühnenfotografen bewarb, zog ihn der Intendant einem studierten Mitbewerber mit den Worten vor: „Er ist Autodidakt, der weiß, was er will.“

Bis 1997, 34 Jahre lang, hielt er in seinen Fotos das künstlerische Geschehen des Hauses an der Behrenstraße fest, in der Oper wie auch im Tanz. Seine Maßstäbe setzenden Momentaufnahmen hielten manche Inszenierung von Felsenstein und Nachfolgern wie Götz Friedrich und Harry Kupfer im öffentlichen Bewusstsein lebendig, besonders eben auch Schillings Ballettkreationen. Bis in die Zeit des Staatsballetts Berlin spannten sich diese Aktivitäten. Nach der Pensionierung wandte er, selbst eine ausdrucksstarke  Persönlichkeit, sich in seinem Atelier an der Schönhauser Allee und in seinem Lieblingscafé der Porträfotografie zu. Am 9. September nahm ihm, dem 92-jährigen, ein gütiges Schicksal die Kamera friedlich aus der Hand.

Hannelore Bey und Roland Gawlik © Arwid Lagenpusch