Mit seiner 40. Ausgabe hat der Internationale Choreografiewettbewerb Hannover einmal mehr unter Beweis gestellt, warum er seit Jahrzehnten zu den bedeutendsten Plattformen für aufstrebende Choreograf*innen weltweit zählt. Fast 400 Bewerbungen aus sechs Kontinenten – ein Rekord, der nicht nur die globale Strahlkraft des Formats belegt, sondern auch den anhaltenden Hunger einer jungen Generation nach professioneller Sichtbarkeit, Vernetzung und ästhetischer Positionierung.
Ein Finale der Handschriften
Neun Arbeiten hatten sich über zwei Vorrunden für das Finale qualifiziert – und die Bandbreite hätte kaum größer sein können: präzise konstruierte Duette, atmosphärisch verdichtete Gruppenarbeiten, narrative Miniaturen. Die Jury, besetzt mit internationalen Künstlerinnen und leitenden Vertreterinnen deutscher Tanzinstitutionen, vergab vier Hauptpreise – und setzte dabei ein Zeichen, das über den Abend hinausweist.
Tanja-Liedtke-Preis (25.000 €): Jiani Wang & Weidi Feng (China) – Arrival at the Edge
Dr.-Christiane-Hackerodt-Preis (10.000 €): Zoe Ashe-Browne (Irland) – Sibling
Ruth-Schwieger-Preis (8.000 €): Boris Orihuela & Jessica Castellón (Spanien) – Current Accounts
Condor ChoreoVision Award (5.000 €): Lou Cisnal, Amélie Delaunay, Elisa Picq & Marine Postel (Frankreich) – Gaua
Frauen gestalten die Zukunft des Wettbewerbs
Was sich im Ergebnis abzeichnet, ist kein Zufall, sondern Symptom eines strukturellen Wandels: Alle vier Jury-Preise gingen an eine Choreografin, ein rein weibliches Kollektiv und zwei gemischte Duos. Helmut Jochheim, Vorsitzender der Ballettgesellschaft Hannover, hob dies in seinem Statement ausdrücklich hervor – und zu Recht. Denn trotz weiblich dominierter Ausbildungswege bleibt die strukturelle Gleichstellung im professionellen Tanzbereich bis heute keine Selbstverständlichkeit. Hannover setzt hier ein sichtbares Gegenzeichen.
Produktionspreise: Wo aus Talent Karriere wird
Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal des Wettbewerbs liegt jedoch nicht allein in den Geldpreisen, sondern in einem dichten Netz an Produktions- und Gastspielpreisen, die von Ballettdirektorinnen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum vergeben werden. Sie ermöglichen es den Preisträger*innen, neue Werke von mindestens 20 Minuten Länge unter professionellen Bedingungen zu realisieren – eine Förderlogik, die auf Nachhaltigkeit statt auf kurzfristige Aufmerksamkeit setzt.
In diesem Jahr vergaben unter anderem:
- Staatstheater Braunschweig & Landestheater Linz: Zoe Ashe-Browne
- Theater Chemnitz: Jiani Wang & Weidi Feng
- Nationaltheater Mannheim & Theater Magdeburg: Giovanni Napoli
- Staatstheater am Gärtnerplatz München: Hannah Ekholm & Faye Stoeser (Ekleido)
- Ballett Schwerin: Danae & Dionysios
- Ballett Theater Ulm & Tanzlabor Roxy Ulm: Orihuela & Castellón
- EISFABRIK Hannover: Daniel Dragomir sowie das Kollektiv hinter Gaua
Diese institutionelle Vernetzung macht den Wettbewerb zu mehr als einem Wettbewerb – er fungiert als Frühwarnsystem und Talentbarometer für die deutschsprachige Theaterlandschaft.
Publikumspreis: Die andere Stimme
Einen Kontrapunkt zur Juryentscheidung setzte der Publikumspreis, der an Giovanni Napoli für Whispers of an Ending ging. Dass Publikumswahrnehmung und Jurybewertung auseinanderfallen, ist kein Widerspruch – sondern Teil der produktiven Spannung, die einen Wettbewerb lebendig hält.
Vierzig Jahre – und kein bisschen müde
Die 1985 gegründete Ballettgesellschaft Hannover hat mit diesem Wettbewerb ein globales Forum für junge Choreografie geschaffen. Die 40. Ausgabe zeigt: Das Format hat nichts von seiner Relevanz verloren. Im Gegenteil – mit einer Szene, die internationaler, diverser und mutiger wird, wächst auch der Bedarf an Plattformen, die choreografische Stimmen hörbar machen, bevor sie in den großen Häusern ankommen.
Die Zukunft der Choreografie ist offen, global – und, wie Hannover 2025 eindrucksvoll belegt, zunehmend weiblich geprägt.
Mit seiner 40. Ausgabe hat der Internationale Choreografiewettbewerb Hannover einmal mehr unter Beweis gestellt, warum er seit Jahrzehnten zu den bedeutendsten Plattformen für aufstrebende Choreograf*innen weltweit zählt. Fast 400 Bewerbungen aus sechs Kontinenten – ein Rekord, der nicht nur die globale Strahlkraft des Formats belegt, sondern auch den anhaltenden Hunger einer jungen Generation nach professioneller Sichtbarkeit, Vernetzung und ästhetischer Positionierung.
Ein Finale der Handschriften
Neun Arbeiten hatten sich über zwei Vorrunden für das Finale qualifiziert – und die Bandbreite hätte kaum größer sein können: präzise konstruierte Duette, atmosphärisch verdichtete Gruppenarbeiten, narrative Miniaturen. Die Jury, besetzt mit internationalen Künstlerinnen und leitenden Vertreterinnen deutscher Tanzinstitutionen, vergab vier Hauptpreise – und setzte dabei ein Zeichen, das über den Abend hinausweist.
Tanja-Liedtke-Preis (25.000 €): Jiani Wang & Weidi Feng (China) – Arrival at the Edge
Dr.-Christiane-Hackerodt-Preis (10.000 €): Zoe Ashe-Browne (Irland) – Sibling
Ruth-Schwieger-Preis (8.000 €): Boris Orihuela & Jessica Castellón (Spanien) – Current Accounts
Condor ChoreoVision Award (5.000 €): Lou Cisnal, Amélie Delaunay, Elisa Picq & Marine Postel (Frankreich) – Gaua
Frauen gestalten die Zukunft des Wettbewerbs
Was sich im Ergebnis abzeichnet, ist kein Zufall, sondern Symptom eines strukturellen Wandels: Alle vier Jury-Preise gingen an eine Choreografin, ein rein weibliches Kollektiv und zwei gemischte Duos. Helmut Jochheim, Vorsitzender der Ballettgesellschaft Hannover, hob dies in seinem Statement ausdrücklich hervor – und zu Recht. Denn trotz weiblich dominierter Ausbildungswege bleibt die strukturelle Gleichstellung im professionellen Tanzbereich bis heute keine Selbstverständlichkeit. Hannover setzt hier ein sichtbares Gegenzeichen.
Produktionspreise: Wo aus Talent Karriere wird
Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal des Wettbewerbs liegt jedoch nicht allein in den Geldpreisen, sondern in einem dichten Netz an Produktions- und Gastspielpreisen, die von Ballettdirektorinnen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum vergeben werden. Sie ermöglichen es den Preisträger*innen, neue Werke von mindestens 20 Minuten Länge unter professionellen Bedingungen zu realisieren – eine Förderlogik, die auf Nachhaltigkeit statt auf kurzfristige Aufmerksamkeit setzt.
In diesem Jahr vergaben unter anderem:
- Staatstheater Braunschweig & Landestheater Linz: Zoe Ashe-Browne
- Theater Chemnitz: Jiani Wang & Weidi Feng
- Nationaltheater Mannheim & Theater Magdeburg: Giovanni Napoli
- Staatstheater am Gärtnerplatz München: Hannah Ekholm & Faye Stoeser (Ekleido)
- Ballett Schwerin: Danae & Dionysios
- Ballett Theater Ulm & Tanzlabor Roxy Ulm: Orihuela & Castellón
- EISFABRIK Hannover: Daniel Dragomir sowie das Kollektiv hinter Gaua
Diese institutionelle Vernetzung macht den Wettbewerb zu mehr als einem Wettbewerb – er fungiert als Frühwarnsystem und Talentbarometer für die deutschsprachige Theaterlandschaft.
Publikumspreis: Die andere Stimme
Einen Kontrapunkt zur Juryentscheidung setzte der Publikumspreis, der an Giovanni Napoli für Whispers of an Ending ging. Dass Publikumswahrnehmung und Jurybewertung auseinanderfallen, ist kein Widerspruch – sondern Teil der produktiven Spannung, die einen Wettbewerb lebendig hält.
Vierzig Jahre – und kein bisschen müde
Die 1985 gegründete Ballettgesellschaft Hannover hat mit diesem Wettbewerb ein globales Forum für junge Choreografie geschaffen. Die 40. Ausgabe zeigt: Das Format hat nichts von seiner Relevanz verloren. Im Gegenteil – mit einer Szene, die internationaler, diverser und mutiger wird, wächst auch der Bedarf an Plattformen, die choreografische Stimmen hörbar machen, bevor sie in den großen Häusern ankommen.
Die Zukunft der Choreografie ist offen, global – und, wie Hannover 2025 eindrucksvoll belegt, zunehmend weiblich geprägt.












