Spritzig im Quickstepp und überaus abgestimmt: Tanja Kehlet und Emanuel Valeri. Alle Fotos von Thomas Kirchgraber
Ballroom

Ballroom-Paare können fliegen

Platons Idee des Kugelmenschen reaktiviert

Artikel von Ute Fischbach-Kirchgraber

Wer auf dem Parkett eine tanzende Dame antrifft, der die Tränen herunterfließen, hat wahrscheinlich zu 99,9 Prozent recht, wenn er vermutet, dass ihr die Füsse weh tun und der Partner alles andere tut, als sie nach den Regeln der Kunst zu geleiten. Die Mini-Ausnahme jedoch gilt den Freudentränen der Lady, die das große Los gezogen hat, dass alles klappt und sie nun über das Parkett fliegen kann…

Der zehnfache Profiweltmeister Arunas Bizokas, der mit Katusha Demidova nach eineinhalb Jahren Partnerschaft die Spitze des WDC einnahm. Hier bei einem frühen Auftritt in Mannheim.

Nur fliegen ist schöner, heißt es so salopp, wenn es darum geht, das Schönste zu bezeichnen, was einem Menschen auf Erden widerfahren kann. Dabei verkennt man, dass der Mensch tatsächlich fliegen kann – zumindest für sein Gefühl, wenn er als Toptänzer auf dem Parkett steht. Es dauert zwar (viel zu) lang, bis es gelingt, als Ballroom-Paar harmonisch zu verschmelzen und in perfekter Einheit und Harmonie mit der Musik dahinzufliegen. Die beiden werden zum Energieball, der reibungslos über die Fläche rollt – die Füße im Takt und die Körper in der Melodie. Eine göttliche Erfahrung, nach der man süchtig werden könnte.

Die sehr erfolgreichen Unter 21 Weltmeister Madis Abel und Aleksandra Galkina beim Artistic Camp

Den meisten ist das nicht vergönnt. Aber wer Glück hat, erlebt das anfangs mit einem Top-Trainer, und womöglich später auch mit dem eigenen Partner. Zumindest für einige kurze Momente – und wehe, wenn die beiden das Parkett verlassen, dann ist das überirdische Empfinden dahin und es herrscht der übliche Trainings-Hickhack.

Voraussetzung für das Fliegen auf dem Parkett ist allerdings ein brennendes Interesse am Tanzen, das als unverzichtbar für ein gelingendes Leben begriffen wird. Nur wer hart genug an sich selber und seiner Bewegungskultur arbeitet, statt seinen Frust am Partner auszulassen, hat eine Chance. Ein erhebliches Maß an Präzision ist unerlässlich. Doch es geht beileibe nicht nur um äußerliche Abstimmungen: ein Gleichklang der Seelen, beflügelt durch das gemeinsame Musikerleben, krönt das Gesamterleben.

Spritzig im Quickstepp und überaus abgestimmt: Tanja Kehlet und Emanuel Valeri. Alle Fotos von Thomas Kirchgraber

Voraussetzung dafür wiederum ist Vertrauen: Vertrauen darauf, dass der Partner das Richtige tut, und daran hapert es am meisten. Vor allem, weil die Egos darauf programmiert sind, das Beste für sich selbst herauszuholen. Da die Dame im Tanzpaar das große Bild macht, ist sie oft der Überzeugung…

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