Ballett Vorpommern © Eva Humburg
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Ballettdirektor Ralf Dörnen wird Intendant am Theater Vorpommern

Theater sollte immer gesellschaftspolitisch sein

Ein Interview von Ralf Stabel

Ralf Dörnen und Adonai Luna, jetziger Ballettmeister, ab 2021 Co-Direktor © BallettVorpommern

Woran arbeiten Sie gerade?

Wie alle meine Kolleg*innen am Theater versuche ich, mit der Corona-Situation umzugehen. Das bedeutet, Stücke zu entwickeln, die „auf Abstand“ erarbeitet werden. Der früher vorgesehene Spielplan für die Spielzeit 2020/21 kann natürlich nicht so gehalten werden. Im Tanz ist es besonders schwierig, da man tänzerische Kommunikation nur sehr schwer ohne physischen Abstand darstellen kann. Wenn sich zwei Tänzer*innen „auseinandersetzen“, bedeutet das im Tanz eben, sie müssen körperlich miteinander umgehen, also mit Berührungen. Diese Berührungen auszuklammern, ist schwer, wenn man Begegnungen und Zwischenmenschlichkeit verständlich machen will. Trotz allem sollen am 19. September die „Juliet Letters“ nach dem Studioalbum von Elvis Costello und dem Brodsky-Quartett als Kammerballett zur Uraufführung kommen. Es ist eine große Herausforderung, die aber gerade auch meine Tänzer*innen annehmen. Sie freuen sich sehr, dann endlich wieder auf der Bühne zu stehen.

„Rhapsody in Gershwin“ © Vincent Leifer
„Rebeccas Schatten“ © Vincent Leifer

Sie sind vermutlich weltweit der erste Tänzer, der nicht nur an einem, sondern gleich an drei Häusern Intendant wird. Allein mit diesem „Akt“ werden Sie Geschichte schreiben. Wie fühlt sich das an – für den Menschen, für den Künstler, für den Tänzer Ralf Dörnen?

Ob ich mit meiner Berufung Geschichte schreibe, spielt für mich keine Rolle. Wenn ich nicht mehr da bin, kriege ich das eh nicht mehr mit. Ich möchte die Liebe zum Beruf des darstellenden Künstlers, die damit verbundene Hingabe und Demut, auch die Verantwortung gegenüber dem Publikum, die ich nach den langen Jahren immer noch nicht verloren habe, weitergeben. Ich habe eine Intendanz nie geplant, habe nie darauf hingearbeitet. Irgendwann und mit meinen vielen Erfahrungen fühlte ich, dass ich manche Dinge anders gestalten möchte. Vom Spielplan her, von der Herangehensweise bis zum Umgang miteinander. Ein „Ensemble“ – „Ensemble“ ist französisch und heißt immerhin „zusammen“ – lebt von Teamarbeit. Das funktioniert nur dann, wenn die Menschen, die darin arbeiten, sich gegenseitig respektieren und ihre Arbeit gerne machen. Ich möchte, dass die Mitarbeiter den Spaß an der guten, aber eben auch mühevollen Theaterarbeit wiederfinden.

Man sollte darstellende Kunst in allen Sparten nicht für sich selber machen, sondern immer auch die Rezipienten, also die Zuschauenden, im Hinterkopf haben. Wenn niemand kommt und sich das anschaut, existiert es eigentlich nicht… Das Publikum kommt oder es kommt eben irgendwann nicht mehr. Das liegt in unserer Hand und muss unser Tun mitbestimmen, ohne anbiedernd zu sein.

Wie sind Sie zum Tanz gekommen und warum sind Sie dabeigeblieben?

„Death in Venice“ © Thomas Leifer

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