What´s On StageWhat's on

November und Dezember in Osnabrück: GEISTER, von Ben J. Riepe und Mauro de Candia

Geister jeglicher Art durchziehen unsere Gegenwart und sind auch Boten unserer Zukunft. Als Naturgeister, Totengeister, Engel, Monster oder Dämonen bestimmen sie das hybride Dasein des Menschen zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein, Realität und Virtualität, Kultur und Natur. Aus der Vergangenheit kommend, suchen sie unsere Gegenwart heim und beherrschen sie in Form längst überholter Ideen, Theorien und Ideologien. Wesenlos tauchen sie auf als unsere Schatten, Erinnerungen, Träume und hinterlassen ihre Spuren in der von uns geschaffenen Welt.

In GEISTER (SAY GOODBYE) nähert sich der Düsseldorfer Choreograf Ben J. Riepe mit den Osnabrücker Tänzer*innen thematisch den „Geistern“, die der Mensch im Anthropozän, dem durch den Eingriff des Menschen bestimmten Erdzeitalter, selbst erschafft und die massiv Einfluss nehmen auf Erde und Klima. Am Ende dieser Entwicklung steht ein großer Abschied –  der des Menschen von der Erde. Und so ist GEISTER (SAY GOODBYE) ein Abgesang auf die Menschheit, die als großangelegtes kosmisches Experiment grandios zu scheitern droht. Doch wir lächeln bis zuletzt, denn die Geschichte der Welt wird auch ohne uns weitergehen, während wir selbst als geisterhafte Randerscheinung der Erdgeschichte enden.

Mit Bewegung, Tanz, Sprache, Live-Gesang, neuen und alten Klängen von Elektro-Sounds bis Vivaldi führt Riepe vor Augen, wie der Mensch in einer umgekehrten evolutionären Entwicklung von der Vertikalen in die Horizontale zurücksinkt. Prototypische Gesten des Menschseins und „entmenschte“ Bewegungen werden nebeneinandergestellt und das aufkommende Chaos des nahenden Endes ebenso gefeiert, wie die verlorene Weltordnung bewegend betrauert. Der aufkommenden Melancholie steht immer wieder augenzwinkernde Ironie gegenüber – denn für die Welt, wie für die dem Abschied entgegentanzende Menschheit gilt gleichermaßen: „The show must go on“.

Mit TRAUM IM TRAUME entwirft Mauro de Candia einen Prolog des Tanzabends, in dem er den fließenden Grenzen von Realem und Virtuellem, Dies- und Jenseits, Erscheinen und Verschwinden nachgeht. Schemenhafte Gestalten lichtern umher und entziehen sich jeglicher Eindeutigkeit und Greifbarkeit. Wer sind sie? Was wollen sie? Was treiben sie?

Ben J. Riepe (*1979) studierte Tanz und Choreografie an der Essener Folkwang Universität der Künste. Danach arbeitete er als Tänzer u. a. beim Tanztheater Wuppertal Pina Bausch sowie bei V. A. Wölfl/NEUER TANZ. Seit 2006 freischaffend und als Choreograf mehrfach ausgezeichnet, betreibt er seit 2010 eine eigene Produktionsstätte in Düsseldorf. Seine Arbeiten positionieren sich zwischen visuellen und darstellenden Künsten.

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