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„Nurejew – The White Crow“ (Regie :Ralph Fiennes) beim Münchner Filmfest

Spektakulär: die erste Flucht eines sowjetischen Ballettstars in den Westen. Als Ralph Fiennes am 1. Juli beim Münchner Filmfest mit dem CineMerit Award für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde, stand auch dies im Mittelpunkt. Anlässlich der Verleihung wurde Fiennes dritte eigene Regiearbeit erstmals in Deutschland vorgestellt. Darin ist der britische Schauspieler tief in die Atmosphäre der Ballettwelt zu Zeiten des Kalten Kriegs eingetaucht. Für die Titelrolle Rudolph Nurejews – des Primoballerino assoluto der 1960er Jahre – hat Fiennes einen waschechten Tanzprofi engagiert: den jungen Ukrainer Oleg Ivenko. Dem Ex-Prinzipal des Königlich Dänischen Balletts und des Londoner Royal Ballet, Johan Kobborg, hat er die choreografischen Passagen anvertraut. Und ihm dabei künstlerisch ganz freie Hand gelassen. Er selber übernahm den Part des Leningrader Ballettmeisters Alexander Puschkin – Nurejews geduldiger Mentor.

„Nurejew – The White Crow“ adaptiert die wahre Geschichte des 1993 an AIDS verstorbenen Ausnahmetänzers fürs große Kino. Schwarz-Weiß-Rückblenden streifen die ärmliche Kindheit des jungen Tataren und dessen Weg zum Tanz. Der Hauptplot aber steigert sich zum Polit-Thriller.

Nurejew – The White Crow : Bild Adèle Exarchopoulos, Calypso Valois, Oleg Ivenko
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Im Regimekäfig des Kommunismus wurden Außenseiter „weiße Krähen“ genannt. Fiennes Biopic gipfelt in der Entscheidung des damals 23-Jährigen, nach einem streng KGB-überwachten Gastspielaufenthalt am Pariser Flughafen Le Bourget um politisches Asyl zu bitten. Nurejews Wechsel in den Westen hatte Konsequenzen, wie der Film anschaulich-drastisch schildert. Auch für das Ehepaar Puschkin oder seinen künstlerischen Rivalen,  gespielt vom derzeitigen, umstritten-aufsehenerregenden Ballett-Superstar Sergei Polunin (Erster Gastsolist beim Bayerischen Staatsballett). Solche Schicksalsläufe sind zwar bekannt, berühren aber immer wieder aufs Neue.

Vesna Mlakar

Weitere Filmfest-Vorstellung am 6.7. (Rio). 127 Min.

 

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