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Höher, schneller, weiter: Yoga und Gyrotonic für Tänzer

Einen Überblick von Julia Piu

Die körperlichen Anforderungen an professionelle Tänzer und Tanzstudenten steigen von Jahr zu Jahr. Die Körper müssen extrem flexibel sein und das perfekte Turnout ist sowieso selbstverständlich. Dabei soll der Tänzer natürlich immer schön entspannt bleiben und im entscheidenden Moment beim Vortanzen oder auf der Bühne alles geben können, was in ihm steckt. Um das zu erreichen, genügt die normale Arbeit im Ballettsaal oft nicht. Zwei zusätzliche Trainingsmöglichkeiten sind für Tänzer besonders interessant: Gyrotonic und Yoga.
Während es in den USA schon lange üblich ist, die Arbeit im Ballettsaal mit speziellem Körpertraining zu ergänzen, ist die Gyrotonic-Methode hierzulande erst vor relativ kurzer Zeit bekannt geworden und wird heute zum Beispiel vom Bayerischen Staatsballett genutzt. Aline Goeppert (Inhaberin movarte Gyrotonic Studio München) begann die Zusammenarbeit 2008. Nach ihrer Tänzerlaufbahn ließ sie sich zur Gyrotonic-Trainerin ausbilden, ist mittlerweile Mastertrainerin und hat sich auf das Tanzcoaching mit der Gyrotonic Methode spezialisiert. Mit der Arbeit an verschiedenen Geräten können dabei ganz individuell unterschiedliche Muskelketten trainiert werden. In den USA haben große Kompanien diese Geräte oft in ihren eigenen Räumen zur Verfügung. In München müssen die Tänzer derzeit noch den, wenn auch kurzen, Weg in die Räume von Krajak Therapie & Training zurücklegen. Aber der lohnt sich, denn das Gyrotonic-Training kräftigt und dehnt die Muskeln, ohne die Gelenke zu belasten. Damit eignet es sich besonders gut, um nach Verletzungen bestimmte Körperpartien zu stärken, aber auch, um an individuellen Schwachstellen zu arbeiten und Bewegungsabläufe zu verbessern.
Das Gyrotonic System wurde von dem in Rumänien geborenen Tänzer Juliu Horvath in den USA entwickelt. Aufgrund eigener schwerer Verletzungen begann Horvath mit Yoga und kombinierte Elemente aus Tai Chi, Gymnastik, Schwimmen und Tanz dazu. Daraus entstand sein „Yoga for Dancers“, das heute unter dem Namen Gyrokinesis angeboten wird, im deutschsprachigen Raum allerdings noch wenig bekannt ist. Später entwickelte Horvath zusätzlich hochspezialisierte Trainingsgeräte und startete sein Gyrotonic-Programm mit New Yorker Tänzern.

Die Gyrotonic Übungen werden rhythmisch und immer mit beiden Körperseiten ausgeführt. An den Geräten kann auch ein komplettes Stangentraining absolviert werden, wobei die Atmung ein wichtiger Bestandteil der Übungen ist. Das Gyrotonic System verbessert die Flexibilität, stärkt aber auch Balance, Koordination und Sprungkraft. Eine Trainingseinheit dauert üblicherweise 60-90 Minuten und findet anfangs immer als Einzeltraining unter Anleitung eines speziell ausgebildeten Trainers statt.
Viele Gyrotonic-Lehrer sind ehemalige Tänzer und kennen daher die speziellen Bedürfnisse ihrer Kollegen. Noch beliebter aber ist wohl immer noch eine Yoga-Ausbildung als Berufsalternative nach der Zeit auf der Bühne. Die ehemalige Tänzerin Tiziana Doneda begann bereits während ihrer aktiven Karriere mit Yoga und unterrichtet inzwischen seit 7 Jahren verschiedene Yoga-Arten. Für Tänzer empfiehlt die Wahlberlinerin das dynamische Vinyasa Flow Yoga. Es kombiniert eine bewusste Atmung und Konzentration mit vielfältigen Übungen, die sich ganz nach Bedarf zusammenstellen lassen. So gibt es Yoga-Übungen, die als Warm-up vor dem Training auf den Tag einstimmen und dem Körper Energie schenken, aber auch solche, die in Stresssituationen Entspannung bringen, etwa vor dem Auftritt oder bei einem Vortanzen. Tänzer lernen dabei, sich ganz auf ihren Körper und ihr Inneres zu konzentrieren, während sie sonst ja immer ihr Publikum im Blick haben müssen.
Im Gegensatz zu Gyrotonic kann Yoga überall praktiziert werden und wer es einmal gelernt hat, kann es auch ohne Anleitung anwenden. Verglichen mit einem Gyrotonic-Training ist eine Yoga-Stunde wesentlich günstiger zu haben und wird auch in mehr Studios angeboten. Als Ergänzung zum normalen Training eignet sich Yoga vor allem, um den Anforderungen des Tänzeralltags auch mental gewachsen zu sein. Das Gyrotonic Training bietet sich dagegen an, um gezielt an Problempunkten zu arbeiten. Die Sommerferien sind eine gute Gelegenheit, um beide Techniken einfach einmal auszuprobieren. So kann man den Trainingsstand halten, den Muskeln Abwechslung schenken und gut vorbereitet in die neue Saison oder das neue Schuljahr starten.

Foto: Movarte

 

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