: Reid Anderson auf der Bühne des Opernhauses in Stuttgart, Mai 2018 © Roman Novitzky
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13 – 22 Juli: A Reid Anderson Celebration in Stuttgart

A Reid Anderson Celebration

Festwoche zum Abschluss von 39 Jahren mit dem Stuttgarter Ballett

Vom 13. bis zum 22. Juli feiert das Stuttgarter Ballett seinen scheidenden Intendanten Reid Anderson, der die Compagnie nach 17 Jahren als Tänzer und 22 Jahren als Ballettintendant verlässt. Die zehntägige Festwoche umfasst eine Kinopremiere, eine One-Man-Show von und mit Anderson, drei Ballettabende, John Crankos Onegin sowie die abschließende Abschiedsgala mit Auszügen aus Stücken, die Anderson selbst tanzte oder als Intendant in Auftrag gab.

Reid Anderson, Foto von Andreas Nowitky
Der Tänzer Reid Anderson

Anderson, in Kanada geboren und sowohl dort, als auch an der Royal Ballet School ausgebildet, wurde im Februar 1969 von John Cranko beim Stuttgarter Ballett engagiert. Während seiner 17 Jahre als Tänzer bei der Compagnie inspirierte er einige der führenden Choreographen des 20. Jahrhunderts zu eigens für ihn kreierten Solorollen, so zum Beispiel John Cranko, Glen Tetley, Kenneth MacMillan, John Neumeier und William Forsythe. 1978 wurde er zum Ersten Solisten befördert. Sein Repertoire umfasste 87 Rollen – einschließlich tragender Titelrollen in Onegin, Petrucchio in Der Widerspenstigen Zähmung und Prinz Siegfried in Schwanensee (alle von Cranko). Er tanzte außerdem in 34 Uraufführungen und begleitete die Compagnie auf über 100 Gastspiele in aller Welt. Zweifelsohne zählt er so zu der magischen Generation der Tänzer, die das Stuttgarter Ballettwunder prägten.

Der Intendant Reid Anderson– Errungenschaften

Nach zehn Jahren als Direktor des Ballet British Columbia  (1987 – 1989) und des National Ballet of Canada (1989 – 1996), kehrte Anderson im Herbst 1996 als Ballettdirektor zum Stuttgarter Ballett zurück. Während der nächsten zwei Spielzeiten erfüllte er das ihm vom Verwaltungsrat der Staatstheater Stuttgart übertragene Mandat und verjüngte die Compagnie durch einen Zuwachs an jungen talentierten Tänzern. Ab Beginn seiner Amtszeit bis heute „kaufte“ Anderson keine Stars von außerhalb ein, sondern forderte und förderte die Entwicklung seiner Tänzer zu internationalen, von anderen Compagnien gefragten Stars. Drei dieser Tänzer – Alicia Amatriain, Jason Reilly und Friedemann Vogel – wurden 2015 zu „Kammertänzern“ ernannt.

Unter Andersons Ägide gab das Stuttgarter Ballett fast 100 Gastspiele in aller Welt, u.a. am Bolshoi Theater in Moskau, am Palais Garnier in Paris, am Colliseum und Sadler’s Wells Theater in London sowie am New York State Theater und City Center in New York.

Andersons Repertoirepolitik stützte sich auf drei Säulen: die Werke von John Cranko, Werke von internationalen Choreographen sowie komplett neue Stücke, die oft von noch unbekannten Choreographen kreiert wurden, die Stuttgart als Startrampe für ihre internationale Karriere benutzen.

Unter Andersons Direktion tanzte die Compagnie nicht nur Crankos Signaturstücke, sondern rekonstruierte und nahm auch weniger bekannte Stücke ihres Compagniegründers wieder in den Spielplan auf. 90 Erstaufführungen erweiterten das Repertoire der Compagnie maßgeblich, darunter Werke von gefeierten Choreographen wie George Balanchine, Frederick Ashton, Hans van Manen, William Forsythe und insbesondere Jerome Robbins, der dem Stuttgarter Ballett als erster deutschen Compagnie Werke wie  Afternoon of a Faun, The Cage, The Concert und Dances at a Gathering anvertraute.

Das wahrscheinlich größte Erbe hinsichtlich des Repertoires ist aber Andersons unermüdliche Verfechtung neuer Arbeiten. Über die letzten 22 Jahre hat das Stuttgarter Ballett 112 Uraufführungen getanzt, die Liste der eingeladenen Choreographen liest sich wie ein Who’s Who der Tanzwelt, vor allem wenn man bedenkt, dass Anderson sie oft einlud, bevor sie große Bekanntheit erlangten. Neben vielen anderen beauftragte er unter anderem Mauro Bigonzetti, David Bintley, Bridget Breiner, Sidi Larbi Cherkaoui, Edward Clug, Marguerite Donlon, Dominique Dumais, Itzik Galili, Maximiliano Guerra, Daniela Kurz, Douglas Lee, Wayne McGregor, Kevin O‘Day, Uwe Scholz und Cayetano Soto. Insbesondere entdeckte und förderte Anderson die choreographischen Talente Christian Spuck (Hauschoreograph von 2001 – 2012), Marco Goecke (Hauschoreograph von 2005 – 2018) und Demis Volpi (Hauschoreograph von 2013 – 2017).

Dieses breitgefächerte Repertoire – getanzt von den vielseitigen Tänzern des Stuttgarter Balletts – wurde tatkräftig unterstützt durch vielfältige Vermittlungsarbeit, wie zum Beispiel den einwöchigen Blick hinter die Kulissen (öffentliche, moderierte Proben), das umfangreiche pädagogische Programm Stuttgarter Ballett JUNG, das 2010 von Anderson ins Leben gerufen wurde, sowie Ballett im Park: eine Live-Übertragung aus dem Opernhaus in den wunderschönen Schlossgarten, in dem es liegt. Von dort schauen tausende Stuttgarter jeden Sommer einer gratis Vorstellung der Compagnie sowie der John Cranko Schule auf der größten Videoleinwand Europas. 2007, im ersten Jahr von Ballett im Park, kamen 1.000 Zuschauer – 2017 und 2018 waren es bereits mehr als 7.000 Zuschauer pro Vorstellung.

Eine weitere Andersons großer Errungenschaften ist der Neubau der John Cranko Schule. Fast 20 Jahre lang hat er sich unermüdlich für adäquate Räumlichkeiten mit hohen internationalen Standards für seine Schule eingesetzt. 2015 folgte endlich die Grundsteinlegung des über 50 Millionen teuren Neubaus. Die neue Schule – finanziert vom Land Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart im Schulterschluss mit Porsche, dem Hauptsponsor der Compagnie – wird die erste in Deutschland sein, für die ein eigens für eine Ballettschule entworfenes Gebäude errichtet wird (Architekt: Burger Rudacs). Für die Compagnie ist der Neubau der John Cranko Schule von unermesslicher Bedeutung: Über 60% der Tänzer des Stuttgarter Balletts sind heute Absolventen der Schule – einschließlich drei Erster Solisten und vier Solisten.

Zusätzlich fungierte Anderson als Mentor für viele seiner ehemaligen Tänzer, die anschließend an ihre Tänzerlaufbahn beim Stuttgarter Ballett Karrieren als Direktoren anknüpften. Aktuell leiten sechs Anderson-Alumni Compagnien auf der ganzen Welt: Sue Jin Kang, Korean National Ballet; Filip Barankiewicz, Czech National Ballet; Christian Spuck, Ballett Zürich; Ivan Cavallari, Les Grands Ballets Canadiens; Bridget Breiner, aktuell Ballett im Revier (Gelsenkirchen) sowie designierte Direktorin vom Staatsballett Karlsruhe (ab 2019); und Eric Gauthier, Gauthier Dance.

Womöglich schlägt sich Andersons bemerkenswertester Erfolg aber in den Zuschauerzahlen nieder: Zwischen 1996 und 2018 haben circa 2,5 Millionen Zuschauer einer Vorstellung des Stuttgarter Balletts in einem der drei Häuser der Staatstheater Stuttgart, in denen die Compagnie tanzt (Opernhaus, Schauspielhaus, Kammertheater), beigewohnt. Die durchschnittliche Auslastung über die letzten 22 Jahre liegt bei 94% – eine Leistung, an die kaum eine andere europäische Ballettcompagnie herankommt. Damit hat Anderson nicht nur die Compagnie erfolgreich ins 21. Jahrhundert geführt, sondern ihre unbestrittene Relevanz in der Stadt gefestigt.

A REID ANDERSON CELEBRATION

  1. bis 22. Juli

A Reid Anderson Celebration startet am Freitag, den 13. Juli mit der Filmpremiere von John Crankos Romeo und Julia. Ein langgehegter Traum Andersons ist die Verfilmung der drei großen Handlungsballette Crankos – getanzt von der aktuellen Compagnie und aufgenommen in 4K Ultra High Definition Technologie. Eine Koproduktion zwischen dem SWR, ARTE und der Produktionsfirma Unitel hat diesen Traum nun wahr werden lassen. Für das Stuttgarter Publikum wird es eine extra Preview am Freitag, 13. Juli im Metropol-Kino geben, zu der auch die gesamte Compagnie erscheinen wird. Am Sonntag, 22. Juli wird der Film dann deutschlandweit in die Kinos kommen.

Am Samstag, 14. Juli wird die Compagnie die Neufassung von Christian Spucks Lulu tanzen, die ihre Premiere am 6. Juni 2018 feierte. Spucks Lulu war das erste abendfüllende Ballett, das Anderson 2003 in Auftrag gab – und die Rückkehr in seiner letzten Spielzeit eine Herzensangelegenheit für ihn.

Am Sonntag, 15. Juli wird Anderson selbst eine One-Man-Show geben. Mit Hilfe von kleinen Videoausschnitten aus dem Archiv wird er die letzten 22 Jahre Revue passieren lassen: Höhen und Tiefen, die unterhaltsamsten Anekdoten, die bewegendsten Momente, die größten Herausforderungen und Erfolge. Jeder, der Anderson je in Aktion sah, weiß, wie unterhaltsam dieser Nachmittag sein wird.

Am Montag, 16. Juli (mit einer zweiten Vorstellung am 18. Juli) feiert der Ballettabend Party Pieces Premiere: Ein Panorama verschiedener Stücke, die zum Beispiel für besondere Anlässe choreographiert wurden – unter anderem Marco Goeckes Fancy Goods, das er als Geschenk für Reid Andersons 60. Geburtstag choreographierte, oder Anderson Favouriten – wie Eric Gauthiers Ballet 101 oder Bridget Breiners Sirs, oder Auszüge aus Werken, die Anderson in Auftrag gab – wie das Pas de deux aus Mauro Bigonzettis Kazimir’s Colours oder auch Uwe Scholz’ Notations I – IV – die allererste Uraufführung, die 1996 von Anderson beauftragt wurde, ein 13-minütiges Solo für Vladmir Malakhov.

 

Am Dienstag, 17. Juli steht die letzte Vorstellung des Ballettabends Die Fantastischen Fünf auf dem Programm, mit fünf neuen Stücken von Roman Novitzky, Fabio Adorisio, Katarzyna Kozielska, Louis Stiens und Marco Goecke – die mit Ausnahme von Hauschoreograph Goecke alle Tänzer in der Compagnie sind. Der von der Presse gefeierte Abend hatte bereits im März 2018 Premiere – Anderson gab alle fünf Stücke anlässlich seiner letzten Spielzeit in Auftrag.

Am Donnerstag, 19. Juli wird die letzte Vorstellung des Ballettabends Begegnungen stattfinden, der Jerome Robbins’ Dances at a Gathering und John Crankos Initialen R.B.M.E. vereint. Beide Stücke gehören zu den absoluten Favoriten Andersons und passen mit ihrer Feier der Menschlichkeit, Freundschaft und Gemeinschaft wunderbar zueinander.

Am Freitag, 20. Juli wird die Compagnie John Crankos Onegin tanzen – ein Stück, das Anderson nicht nur selbst getanzt, sondern während der letzten 25 Jahre weltweit einstudiert hat. Ohne Zweifel eines der Herzensstücke für Anderson und somit ein Must-have für die Festwoche.

Am Samstag, 21. Juli werden die Schüler und Schülerinnen der John Cranko Schule eine Gala zu Andersons Ehren präsentieren. Die Vorstellung wird zudem im Rahmen von Ballett im Park in den Schlossgarten übertragen.

Die Festwoche findet am Samstag, 22. Juli ihren Höhepunkt mit der großen Abschiedsgala des Stuttgarter Balletts, während der die gesamte Compagnie inklusive illustrer Gäste für Anderson tanzen wird. Die Gala – die bereits nach einer Stunde ausverkauft war – wird gleichzeitig bei Ballett im Park in den Schlossgarten übertragen, sodass ein jeder an den Festlichkeiten zum Abschied für Reid Anderson teilnehmen und miterleben kann, wie Reid Anderson sich von der Bühne des Stuttgarter Opernhauses verabschieden wird – ein mit Sicherheit hochemotionaler Augenblick.

www.stuttgarter-ballett.de

 

A REID ANDERSON CELEBRATION

Freitag, 13. Juli, 20:00 Uhr, Metropol-Kino Stuttgart

Kinopremiere

John Crankos Romeo und Julia in 4K Ultra HD

 

Samstag, 14. Juli, 19:00 Uhr, Opernhaus

Lulu. Eine Monstretragödie

Ballett von Christian Spuck frei nach Frank Wedekind

 

S0nntag, 15. Juli, 13:00 Uhr, Schauspielhaus

One-Man-Show von und mit Reid Anderson

 

Montag, 16. Juli, 19:00 Uhr, Schauspielhaus

Ballettabend PARTY PIECES

Choreographien von u.a. Marco Goecke, Edward Clug, Mauro Bigonzetti, Uwe Scholz, Douglas Lee, Bridget Breiner, Roman Novitzky and Eric Gauthier

 

Dienstag, 17. Juli, 19:00 Uhr, Schauspielhaus

Ballettabend THE FAB FIVE

Choreographien von Roman Novitzky, Fabio Adorisio, Katarzyna Kozielska, Louis Stiens und Marco Goecke

 

Mittwoch, 18. Juli, 19:00 Uhr, Schauspielhaus

Ballettabend PARTY PIECES

Donnerstag, 19. Juli, 19:00 Uhr, Opernhaus

Ballettabend BEGEGNUNGEN

Choreographien von Jerome Robbins und John Cranko

Freitag, 20. Juli, 19:00 Uhr, Opernhaus

Onegin

Ballett von John Cranko

Samstag, 21. Juli, 19:00 Uhr, Opernhaus

Gala der John Cranko Schule mit Live-Übertragung bei Ballett im Park

Choreographien von u.a. George Balanchine, Uwe Scholz, Marco Goecke and Goyo Montero

 

Sonntag, 22. Juli, 17:00 Uhr, Opernhaus

Gala des Stuttgarter Balletts mit Live-Übertragung bei Ballett im Park

Choreographien von u.a. John Cranko, John Neumeier, Hans van Manen, Jiří Kylián, William Forsythe, David Bintley, Uwe Scholz, Mauro Bigonzetti, Christian Spuck und Marco Goecke

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