Marco Goecke Foto von Regina Broke
Aktuell

Marco Goecke über seine Ernennung zum Ballettdirektor in Hannover

Neues kreieren und auch junge Talente fördern

Marco Goecke über seine Ernennung zum Ballettdirektor in Hannover

Es ist nicht das erste Mal, dass Sie das Angebot erhalten, eine Ballettdirektion zu übernehmen. Sie haben immer abgelehnt. Jetzt sagen Sie zu. Wie kommt es zu diesem Sinneswandel?

Die Konditionen, die mir Laura Berman angeboten hat, sind sehr gut. Außerdem freue ich mich, dass ich meine Fähigkeit zu geben nicht nur kurzfristig für eine Produktion einsetze, sondern kontinuierlich. Und vielleicht kann man in einer festen Kompanie anders stark und anders schwach sein, als wenn man frei arbeitet.

Natürlich hat die Nichtverlängerung Ihres Vertrags als Hauschoreograf des Stuttgarter Balletts damit zu tun. Eine Trotzreaktion? Wollen Sie etwas beweisen? Sozusagen unter dem Motto: Jetzt will ich’s denen aber mal zeigen?

Nein. Ich glaube, dass die neue Intendanz in Stuttgart erst einmal etwas beweisen muss. Meine Kunst ist schon überall auf der Welt. Meine Arbeit geht genauso weiter wie vorher, nur der Ort ist ein anderer.

Noch mal: Warum dieses Engagement? In der letzten Zeit war ja eher eine gegenläufige Bewegung zu beobachten: dass sich Choreografen frei gemacht haben von administrativen Verpflichtungen. Ich nenne als Beispiel nur mal Martin Schläpfer, für dessen Ballett am Rhein Sie ja auch schon gearbeitet haben.

Auch Martin Schläpfer hat weiterhin das Privileg, mit seinen festen Tänzern zu arbeiten. Was das Administrative betrifft: Ich habe viele gute Leute um mich herum, die an dem Spaß haben, woran ich keinen Spaß habe. Mein Team entscheidet mit. Ich choreografiere.

Doch warum gerade Hannover?

Weil mir Hannover angeboten wurde.

Hannover ist für Sie nicht zuletzt ein erinnerungsträchtiger Ort. Vor 18 Jahren haben Sie dort beim Choreografischen Wettbewerb mit „Loch“ Ihre erste Choreografie vorgestellt.

Ja, das stimmt – und ich bin dort nicht ins Finale gekommen. Eine interessante Erinnerung.

Unter welchen Bedingungen treten Sie in Hannover an? Mit welchem Team?

Ich habe einen Geschäftsführer, einen stellvertretenden Ballettdirektor, zwei Ballettmeister, einen persönlichen Referenten und eine Intendantin, die alles daran setzt, zu ermöglichen, dass dies eine gute Zeit wird.

Proben für NIJINSKI mit Marco Goecke, Francesca Ciaffoni, Foto vonRegina Brocke

Natürlich werden Sie das Repertoire vor allem mit eigenen Arbeiten bestücken. Vor allem auch mit abendfüllenden Balletten, so wie es Ihre Vorgänger Stephan Thoss und Jörg Mannes getan haben.

Es wird nicht nur meine Arbeiten geben. Ich mache einen Abendfüller pro Spielzeit und werde auch Gäste einladen, ich möchte keine Monokultur.

Als geborener Wuppertaler, der Sie sind, denken Sie natürlich auch ans Tanztheater Wuppertal einer Pina Bausch. Aber ich vermute mal: Mit einer einzigen, mit der eigenen Handschrift werden auch Sie sich am Staatstheater Hannover nicht begnügen wollen. Tänzer wollen Abwechslung. Wen können Sie sich als Ergänzung vorstellen? Und wie setzen Sie sich von Ihren benachbarten Ensembles ab, d. h. vom Staatsballett Berlin, vom Hamburg Ballett, vom Ballett am Rhein? Und: vom Tanztheater Wuppertal, als dessen Leiter Sie sich vermutlich hätten vorstellen können.

Das Tanztheater Wuppertal zu übernehmen hätte ich mir niemals vorstellen können, weil das eine ganz andere Form von Tanz ist. Ich werde sicherlich meine holländischen Verbindungen nutzen, weil dies auch ein langjähriges Zuhause ist. Sicherlich werde ich einige Kraft investieren, um etwas Neues zu machen und auch neue Talente zu fördern.

Vermutlich werden Sie Ihren Aktionsradius nicht auf Hannover beschränken wollen. Sind Sie weiterhin beim NDT als Associate Choreographer unter Vertrag? Wie steht es mit Ihren internationalen Verpflichtungen?

Mit NDT geht es sicher weiter, in welcher Form auch immer. Bevor ich in Hannover anfange, stehen noch Kreationen für das Gärtnerplatztheater München, die Pariser Oper, für NDT und Gauthier Dance an. International wird es sicherlich auch weiterhin viele Einstudierungen meiner Arbeit geben, geplant sind unter anderem Zürich, Israel und Helsinki.

Fragen von Hartmut Regitz

 

 

Schreiben Sie einen Kommentar