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Wie Tanz Wettbewerbe Karrieren befördern können

Victor Gonçalves Caixeta erobert das Mariinski-Ballett

Jede staatliche Ballettschule möchte ihre Studenten profund ausbilden und anschließend in geeignete Engagements entlassen. Wenn ein Quentchen Glück hinzukommt, kann eine große Karriere ihren Anfang nehmen. So für Victor Gonçalves Caixeta aus der Halbmillionenmetropole Uberlândia im Südosten Brasiliens. Als er Student der Staatlichen Ballettschule Berlin wurde, brachte er eine solide Basis im Klassischen Tanz mit. Sein Lehrer daheim, so erzählt er, stammt aus Russland. Rasch vervollkommnete Victor sein Können, lernte Deutsch, von den internationalen Kommilitonen weitere Sprachen. Seine Fortschritte bewogen den künstlerischen Leiter Gregor Seyffert, ihn für mehrere Wettbewerbe vorbereiten zu lassen. Christoph Böhm, der das übernahm, nennt Victor überbordend talentiert und zudem sehr fleißig. Der Lohn ließ nicht lange auf sich warten und machte 2017 zu Victors Jahr.

Victor mit Elena Iseki aus dem 6. Ausbildungsbildungsjahr (Foto von Francesco Grillo)
Grppefoto während der Preisverleihung vom Alexander von Swaine Preis auf der Weihnachts-Gala vom Tanzolymp. Foto von A. Shafigov

Es begann mit einer Goldmedaille beim Internationalen Festival TANZOLYMP Berlin in der Kategorie Pas de deux, gemeinsam mit Partnerin Elena Iseki. Beim Wettbewerb in Wien wiederholte sich dieser Erfolg und brachte beiden zusätzlich den Jurypreis ein. In Seoul, beim X. Korea International Ballet Competition,  verhalf Victor seiner Partnerin zu einer Goldmedaille, startete selbst außerhalb der Wertung. Denn es galt, die Kräfte für die Teilnahme an einem der bedeutendsten Konkurse der Welt zu schonen, dem 13. Internationalen Ballettwettbewerb in Moskau. Wieder war Elena Iseki die Partnerin, wieder kehrte Victor mit einer Medaille nach Hause, diesmal Bronze. Das in der „Höhle des Löwen“ geschafft zu haben, kommentiert der Pädagoge, wiegt doppelt schwer. Mit Variationen aus „Der Nussknacker“ und „La Esmeralda“ in der ersten Runde, dem Grand Pas de deux aus „Le Corsaire“ sowie Roberto Scafatis moderner Version des Adagio aus „Schwanensee“ in der zweiten Runde, schließlich dem Grand Pas classique von Victor Gsovsky in Runde drei hatten Victor und Elena ein zehrendes Programm zu absolvieren.

Danach kam dem sympathischen „Berliner“ Brasilianer das besagte Glück zuhilfe. Er erhielt einen Vertrag für das Mariinski-Ballett in St. Petersburg. Alle meine Lieblingstänzer sind dort – und nun gehöre auch ich dazu, sagt er noch immer einigermaßen fassungslos: In Moskau einen Preis zu gewinnen, sei in Russland sehr wichtig und komme einer Medaille bei den Olympischen Spielen gleich. Im Mariinski wurde er sofort mit kleinen Soli betraut, in „Die Fontäne von Bachtschissarai“, „La Sylphide“, „Der Nussknacker“, „Spartakus“. Und hat in Gennady Selyutsky, der vor ihm Stars wie Farukh Ruzimatov, Igor Zelensky, Julia Machalina, Andris Liepa, Leonid Sarafanov zu Weltruhm verhalf, nun einen hochgerühmten Coach. Du hast das Zeug zum Principal, soll er Victor angestachelt haben.

Ich bin glücklich dort, sagt der junge Aufsteiger, auch wenn er sich mit Neid von den Absolventen der Waganowa-Akademie beobachtet fühlt. Als erster Brasilianer im Mariinski möchte er seinen Weg gehen und die Tür öffnen für andere ausländische Tänzer. Jüngst wurde ihm in Berlin eine weitere Ehre zuteil. Aus der Hand von Schuldirektor und Preis-Initiator Ralf Stabel erhielt er als zweiter Erwählter überhaupt den von der Stiftung Pro Humanitate et Arte vergebenen Alexander-von-Swaine-Preis, der an den außergewöhnlichen, weltweit tätigen Tänzer Alexander von Swaine (1905-1990) erinnern und auf herausragende Talente aufmerksam machen will. Wenn das kein gutes Omen ist für Victor Gonçalves Caixeta!

Volkmar Draeger

 

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