Acht Fragen an Tobias Ehinger zur Tanz-Vorausbildung in Deutschland

03.10.2016

 "Die künstlerische Ausbildung ist in Deutschland eine Randerscheinung" Acht Fragen an Tobias Ehinger zur Tanz-Vorausbildung in Deutschland

Artikel von Marieluise Jeitschko

In städtischen Freizeiteinrichtungen für Kinder und Jugendliche stehen Jazz Dance, Breakdance und HipHop hoch im Kurs. Auch private Tanzstudios schwimmen auf der Welle der Pop-Kultur mit. Sogar Ballettschulen, die sich eigentlich dem Training klassischer und zeitgenössischer Tanztechniken widmen, engagieren mitunter Lehrer, um diesen Trend zu bedienen. Seit mehr als 40 Jahren setzt sich der Deutsche Berufsverband für Tanzpädagogik (DBfT) für eine qualitätsvolle tänzerische Vorausbildung ein. Marieluise Jeitschko sprach mit dem 1. stellvertretenden Vorsitzenden des DBfT Tobias Ehinger, Manager des Ballett Dortmund.

Herr Ehinger, im DBfT sind derzeit rund 780 Tanzpädagogen als Mitglieder registriert - ein Bruchteil aller tatsächlich in Deutschland Tanz Unterrichtenden. Wie wirkt sich das aus?

Tanzpädagoge ist keine geschützte Berufsbezeichnung, was bedeutet, dass jeder eine Tanzschule eröffnen und Künstlerischen Bühnentanz unterrichten kann. Dies hat nicht nur Einfluss auf die fachliche und künstlerische Qualität des Unterrichts, sondern kann auch gravierende Folgen für die Gesundheit der Schüler haben. Um der fehlenden staatlichen Regelung entgegenzuwirken und auch für Außenstehende eine nachvollziehbare Qualitätskontrolle der im Verband organisierten Tanzpädagoginnen und -pädagogen anzuzeigen, hat der DBfT ein Zertifizierungssystem mit dem DBfT Siegel entwickelt.
Neben dem Nachweis einer qualitativen tanzpädagogischen Ausbildung haben die aktiven Mitglieder eine freiwillige Selbstverpflichtung unterschrieben und müssen jedes Schuljahr mindestens 20 Stunden Fort- und Weiterbildung nachweisen.

Dozentin Gilda Rebello während des Unterrichts. Alle Fotos von Henry Schopp/schopp-photography.de

 Im Ballettzentrum Dortmund haben Sie selbst maßgeblich mit den sehr populären Sommerakademien und Workshops so ein Fortbildungsangebot aufgebaut. Wie sieht es genau aus?

Mit Heidi Sievert hat der DBfT eine sehr erfahrene und umtriebige Seminarleiterin. Die Fortbildungsangebote sollen gleichermaßen Pädagogen und Schulleiter in zeitgemäße Entwicklungen einbeziehen. Neben den Kernkompetenzen, also neue Entwicklungen in der Methodik und Didaktik sowie dem berufspraktischen Unterrichten in verschiedenen Fächern, gibt es auch ein breites Spektrum an ergänzenden berufsbezogenen Seminaren, beispielsweise in Konfliktmanagement, Motivation, Inklusion, Beleuchtungs- und Toneinrichtung von Schulvorstellungen, unternehmerischen, rechtlichen und – ganz wichtig! – medizinischen Aspekten. Es besteht eine enge Kooperation mit „tamed“, der Vereinigung Tanzmedizin in Deutschland e.V.

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